Freitag, 23. August 2019
Editor's ChoiceHandelsverband rät Konsumenten zu Vorsicht

„Amazon Prime-Kunden sind für den restlichen Handel verloren“

Hintergrund |Stefanie Bruckbauer | 16.07.2019 | | 2  
Der Amazon Prime Day ist für Schnäppchenjäger ein Segen, der Handelsverband rät hingegen zur Vorsicht. Generell sei Amazons Vorgehen mit Vorsicht zu genießen. (Bild: Amazon) Der Amazon Prime Day ist für Schnäppchenjäger ein Segen, der Handelsverband rät hingegen zur Vorsicht. Generell sei Amazons Vorgehen mit Vorsicht zu genießen. (Bild: Amazon) Am 15. und 16. Juli 2019 fand der diesjährige Amazon Prime Day statt. Alle Mitglieder des kostenpflichtigen Kundenbindungsprogramms Amazon Prime konnten dabei weltweit 48 Stunden lang auf mehr als eine Million Angebote zugreifen. Was auf den ersten Blick wie ein Paradies für Schnäppchenjäger scheint, lässt bei Verbraucherschützern und vor allem beim Österreichischen Handelsverband die Alarmglocken schrillen.

Am 16. Juli um Mitternacht endete der 2-tägige Amazon Prime Day 2019. Prime-Kunden konnten 48 Stunden lang auf mehr als eine Million Angebote zugreifen, darunter zahlreiche Alexa-fähige Produkte. „Natürlich können die Rabattaktionen beim Prime Day für Prime-Abonnenten tatsächliche Ersparnisse bringen. Allerdings versucht Amazon mit vielen Methoden, etwa künstlich erzeugter Knappheit durch Countdowns, seine Kunden innerhalb dieser zwei Tage zum Kaufabschluss zu bringen“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Darüber hinaus seien viele der beworbenen Rabatte in der Realität weit weniger großzügig, als von Amazon suggeriert wird, wie Will sagt. „Die Sonderpreise werden gerne mit unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller vergleichen und nicht mit aktuellen Marktpreisen. Wir empfehlen den Konsumenten daher vor jedem Kauf, den Preis des gewünschten Produktes auf Preisvergleichsplattformen oder anderen Webshops zu vergleichen.“

„Prime-Kunden sind für den restlichen Handel de facto verloren“

Laut einer aktuellen Studie des IFH, ist Amazon in Deutschland nicht mehr weit davon entfernt, die Hälfte der rund 41 Millionen Haushalte mit einem Amazon-Prime-Abo zu versorgen. „Jedes Prime-Abo wird von einem Haushalt genutzt – das kann ein Einzelhaushalt sein, aber auch ein Mehr-Personen-Haushalt, denn bis zu fünf Amazon-Accounts können in ein Prime-Abo eingebunden werden. Offiziell nur im selben Haushalt, Amazon unternimmt jedoch bisher nichts gegen geteilte Accounts mit unterschiedlichen Lieferadressen“, beschreibt Will.

Der Handelsverband geht davon aus, dass die Verbreitung hierzulande aufgrund der Dominanz des Amazon Marktplatzes ähnlich sein dürfte: „In Österreich gehen wir davon aus, dass knapp die Hälfte der Haushalte bereits über ein Amazon Prime Abo verfügen. Diese Prime-Kunden sind für den restlichen Handel, und damit für die heimische Wertschöpfung, weitgehend verloren, da sie fast nur noch bei Amazon einkaufen“, bestätigt Will.

Alexa verschärft das Problem

Doch damit ist laut Handelsverband nicht genug, denn: „Der globale Siegeszug von Amazon Alexa verschärft das Problem. In Österreich steht Voice Commerce zwar noch am Anfang, das Wachstum verläuft allerdings exponentiell. Mittlerweile nutzen 450.000 Österreicher internetbasierte persönliche Assistenten wie Amazon Echo oder Google Home, im Vorjahr lag die Zahl noch bei unter 200.000. Mehr als 30.000 heimische Konsumenten haben bereits via Alexa & Co. Produkte bestellt. Damit hat sich die Zahl der Voice-Shopper seit 2018 verdoppelt!“

Testbestellungen

Testbestellungen des Handelsverbandes haben jedoch gezeigt, dass die Konsumentenschutzbestimmungen bei Bestellungen via Alexa in Österreich nicht eingehalten werden. „Bei den Tests wurde von Alexa jeweils vor der endgültigen Bestellung die Produktbezeichnung sowie der Preis genannt. Eine Bejahung der Frage von Alexa, ob der Artikel jetzt gekauft werden soll, reicht aus und die Bestellung wird zahlungspflichtig aufgegeben. Soweit so gut. Erst nach der Kauf-Bestätigung nennt Alexa jedoch einen um 1% höheren Gesamtpreis für das soeben bestellte Produkt“, berichtet der Verband, der folgende Erklärung nachschiebt: „Der von Alexa zunächst genannte Preis enthält die deutsche Mehrwertsteuer (19%), erst nach zahlungspflichtiger Bestellung wird der tatsächliche Kaufpreis inkl. österreichischer Mehrwertsteuer (20%) genannt. Dieses Vorgehen widerspricht klar der geltenden Rechtslage.

Hinzu kommt laut Handelsverband die Datenproblematik, denn: „Alexa ist wie eine Wanze im Haus, die jedes Wort mithört. Gerade aus datenschutzrechtlicher Perspektive ist die zunehmende Verbreitung der permanent lauschenden Smart Speaker in den heimischen Wohnzimmern problematisch. Umso wichtiger wäre eine rasche Umsetzung des vom Handelsverband geforderten ‚New Digital Deal‘, um auch im Online-Handel ein Fair Play sicherzustellen“, so Rainer Will abschließend.

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