Dienstag, 15. Oktober 2019
Expansion versus Gewinn

Weihnachtsgeschäft schwächelte bei Amazon

Hintergrund |Die Redaktion | 03.02.2012 | |  
Der strauchelnde Riese: amazon.com Der strauchelnde Riese: amazon.com

Ein durchwachsenes Weihnachtsgeschäft hat der Online-Riese Amazon hinter sich. Trotz eines Umsatzplus von 35% bliebt der Gewinn auf der Strecke: Minus 57%. Gerade das 4. Quartal entwickelte sich nicht wie gehofft - trotz Verkaufsstart des Tabletcomputers Kindle Fire.

Das Umsatzplus von 35% des letzten Quartals auf 17,4 Mrd liest sich zwar nett, es verfehlte aber klar die Schätzungen der Analysten um 18,2 Mrd Dollar. Noch schwieriger verhält es sich aber mit dem herben Gewinneinbruch.

Als Gründe dafür gab Amazon Einbrüche am Videospiel-Markt in Nordamerika an sowie Lieferschwierigkeiten aufgrund der Überschwemmungen in Thailand. Zudem verkauft Amazon über seine Website nicht nur eigene Waren, sondern hat sie auch für Dritte als Verkaufsplattform geöffnet. Gerade dieser Bereich wächst überdurchschnittlich stark – im Weihnachtsgeschäft um 65 Prozent -, sodass nach Stückzahlen bereits 36 Prozent aller Verkäufe auf diese fremden Händler entfielen. Das wirkt sich vielleicht auf die Margen positiv aus. Doch bei diesen Transaktionen verbucht Amazon nicht den gesamten Umsatz, sondern nur eine Provision.

Hohe Investitionen

Auch die stete Wachstumsstrategie des Online-Riesen wirkt sich nicht positiv auf den Gewinn aus. So investiert Amazon viel Geld in neue Distributionszentren, startete erst Ende Jänner zB seinen Internetauftritt junglee.com, womit man im aufstrebenden Schwellenland Indien punkten will. Zwar nutzen bislang nur schätzungsweise 60 Millionen der mehr als 1,2 Milliarden Inder das Internet und lediglich zehn Millionen kaufen online ein, die Zahlen dürften aber rapide anwachsen, berichtet der Fokus. Auch in den USA gab es große Investitionen in Vertriebszentren, um die Lieferzeiten zu verkürzen. Auch von Amazon übernommene Film- und DVD-Verleiher Lovefilm muss expandieren, um den Wettbewerber Netflix die Stirn zu bieten. Dieser trängt zunehmend auch nach Europa, wo Lovefilm bislang unangefochtener Marktführer war.

Kindle explodiert – koste aber mehr, als es bringt

Das Einstiegstablet Kindle scheint nicht ganz aufzugehen. Zwar verbuchte Amazon.com explodierende Verkaufszahlen in Bezug auf seine Kindle-Produkte. Die Verkaufsmenge für Kindle eReader und Kindle Fire hätten sich um 177 Prozent erhöht, gab das Unternehmen an.

Analysten gehen allerdings davon aus, dass Amazon am Kindle wenig verdient oder sogar etwas drauflegt. So kostet der Kindle Fire in den USA weniger als die Hälfte des Apple iPad: 199 Dollar statt 499 Dollar. Bis zu 15 Dollar dürfte Amazon pro verkauftem Kindle-Gerät derzeit drauflegen, vermutete Gene Munster, Analyst bei Piper Jaffray, im „Wall Steet Journal“.

Verlust von 200 Mio bis Gewinn von 100 Mio Dollar

Der Ausblick lässt ebenfalls nicht die Herzen höherschlagen: Das Unternehmen sagt ein operatives Ergebnis zwischen einem Verlust von 200 Millionen Dollar und einem Gewinn von 100 Mio Dollar voraus. voraus. Beim Umsatz rechnet Amazon mit 12 Milliarden bis 13,4 Mrd Dollar. Davon zeigen sich die Analysten enttäuscht, man hätte die Erwartungen verfehlt. Amazon hält weiterhin am Expansionskurs fest, es gebe viele Investitionsmöglichkeiten, im ersten Quartal will man noch weitere folgen lassen.

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