Freitag, 18. Oktober 2019
ASTRA Analogabschaltung am 30. April

Keine Chance, sagt die Branche

Multimedia |Wolfgang Schalko | 06.02.2012 | |  

In nicht einmal drei Monaten, genauer gesagt in 83 Tagen und ein paar Stunden, ist das analoge Satellitenfernsehen via ASTRA Geschichte. Passenderweise bezeichnete ASTRA-GF Wolfgang Elsäßer 2012 daher nicht nur als Schalt-, sondern auch als Ab- und Umschaltjahr. Schnell schalten sollte somit eigentlich die Devise der Betroffenen lauten – denn es wäre allerhöchste Zeit, in die Gänge zu kommen, sonst zeigt der Fernseher am 1. Mai anstelle von ARD, ZDF, RTL, Pro7 & Co. nur noch schwarz. E&W hat sich in der Branche umgehört, ob das „Umrüst-Fieber“ mittlerweile ausgebrochen ist.

Christian Koller, GF WISI und Sprecher DVB-Forum:
„Das Geschäft hat angezogen. Im Kopfstellenbereich seit November, auch bei Sat-ZF tut sich mittlerweile etwas – aber leider in der gesamten Branche auf einem Niveau, mit dem sich die Umrüstung bis 30. April nicht ausgehen kann. Daher wird es hundertprozentig in vielen Wohnungen und Hotels nach der Analogabschaltung schwarz bleiben. Das DVB-Forum hat alles Mögliche unternommen und in den letzten beiden Jahren informiert, auch die Fachhändler und KEL haben sich redlich bemüht und zig Angebote geschrieben – trotzdem passiert nichts. Da draußen glaubt jeder, wenn er Ende März einen Auftrag vergibt, hat er Ende April seine Anlage… Aber das wird’s nicht spielen! Die Verantwortlichen müssen das dann schlussendlich argumentieren – der Endkunde ist am Ende der Arme, denn wir machen unser Geschäft sowieso.“ Dabei weist Koller auf einen weiteren Umstand hin, den man nicht außer Acht lassen sollte: „Es wird auch einen Engpass bei DVB-C-Receivern geben. Denn einerseits macht es ja keinen Sinn, alles auf PAL umzusetzen, andererseits zieht die Nachfrage nach DVB-C-Receivern ebenfalls extrem an – ein Teufelskreis.“

Martin Karall, Bundesberufsgruppenobmann Kommunikationselektroniker:
„Um die Weihnachtszeit sind die Leute ein bisschen munter geworden, aber insgesamt läuft die Umrüstung nach wie vor zu schleppend und zu langsam. Allein wegen des Arbeitsaufwandes wird es sich stauen und bis zum Abschalttermin nicht ausgehen. Dazu kommt, dass es mit Einsetzen des Booms – ab Ende Februar/Anfang März – auch mit der Warenversorgung eng werden wird. Deshalb geht das Ganze sicher bis Mai/Juni weiter – und viele werden überhaupt erst am 1. Mai draufkommen, dass die TV-Programme nicht mehr funktionieren. Seitens der Berufsgruppe brauchen wir uns sicher keinen Vorwurf machen: Gemeinsam mit der RTR und dem DVB-Forum haben seit zwei Jahren an diesem Thema gearbeitet. Es hat diverse Aussendungen, Informationsveranstaltungen, etc. gegeben, außerdem sind viele Mitglieder der KEL bereits seit Monaten aktiv – Hinweise an die Betroffenen, sich Angebote einzuholen und rechtzeitig tätig zu werden, gab es als zur Genüge.“

Kurt Ronacher, ML Triax:
„Es ist sehr vieles am Laufen, aber nicht im erhofften Ausmaß – auch nicht im erforderlichen. Wir müssen annehmen, dass die Leute wissentlich darauf warten, bis die Bildschirme schwarz bleiben. Daher gehen wir davon aus, dass das Geschäft über den April hinaus laufen wird. Besonders in der Hotellerie, die erst mit Ende April schließt und dann bis zur Eröffnung der Sommersaison bzw überhaupt bis Herbst Zeit für die Umrüstung haben. Unsere Lagerbestände haben wir selbstverständlich aufgestockt, auch unsere TDX hat sich hier schon gut etabliert. Speziell im Kopfstellenbereich wird es im März noch entsprechende Aktionen für den Fachhandel geben.“

Otto Weig, Vertrieb Österreich, GSS:
„Wir stellen eine erhöhte Aktivität fest, aber in Summe zuwenig. Die ganze Branche hätte sich hier sicher mehr erwartet. Ich denke, die Message ist noch immer nicht hundertprozentig bei den Betroffenen angekommen – die glauben, der 30. April wäre weit weg. Die Hotelliers haben die Digitalisierung sicher vielfach für die Zeit nach der Saison geplant, bei vielen Hausverwaltungen ist das Thema erst heuer im Budget drin – bei denen soll’s dann schnell gehen. Da kommen noch ganz heiße Monate auf uns zu, in denen es jede Menge Zores geben wird.“ Und besonders jene, die auf die gewohnt prompte Lieferung von GSS vertrauen, mahnt Weig zur Vorsicht: „Es kommt derzeit zwar zu keinen Lieferengpässen, aber es ist auch nicht immer alles ab Lager verfügbar – bei manchen Produkten muss man einkalkulieren, dass sie sieben bis zehn Tage nicht greifbar sind.“

Matthias Zwifl, GF Kathrein:
„Das Geschäft hat merklich angezogen und ist bei Kopfstellen eigentlich seit der Futura ständig gestiegen. Trotzdem wird speziell im Tourismusbereich – und hier wiederum besonders im Westen – bis zum Schluss gewartet, sprich: bis die Wintersaison vorbei ist. In der Wohnungswirtschaft passiert zwar etwas, aber ob die Geschwindigkeit reicht, wage ich zu bezweifeln. Das Problem für die ganze Branche besteht darin, dass wir nicht einschätzen können, wieviele Anlagen überhaupt umgerüstet werden müssen. Aber bis wir das alles durch haben, wird’s sicher Sommer. Darauf stellen wir uns auch bei der Produktverfügbarkeit ein und produzieren, was möglich ist – ab Juli kehren wir dann wieder zum Normalbetrieb zurück.“ Eine Begleiterscheinung kann Zwifl in jedem Fall bereits ausmachen: „Ein gewisser Prozentsatz baut auf Sat-ZF um – dort, wo die Kopfstellen-Umrüstung sehr teuer wäre bzw wo Sat-ZF zumindest nicht teurer ist.“ Detaillierte Informationen sowie eine GA-Bonus Aktion von Kathrein gibt’s übrigens auf der Webseite www.analogabschaltung.at.

Christian Strobl, VL Estro Strobl:
„Wir spüren’s schon, etwa anhand der Kopfstellenlieferungen im Jänner – aber es kann noch immer nicht von einem Boom die Rede sein. Von unserer Seite sind wir jedenfalls bestens gerüstet: Mit unserem Kopfstellen-Konfigurator unter www.analogabschaltung.tv bieten wir unseren Partnern das perfekt Instrument, um alle benötigten Komponenten für die gewünschten Programme in der gewünschten Modulationsart mit wenigen Mausklicks angebotsfertig beisammen zu haben.“

Karin Kleinhappl, GF Kleinhappl:
„Es läuft mehr als normal und jetzt wird’s auch schön langsam, aber ich hätte mir schon im Herbst mehr erwartet. Bei vielen Betrieben gibt’s mündliche Zusagen, schriftlich sollen diese ab Februar folgen – da wird’s dann richtig los gehen. Wir haben unser Lager natürlich aufgestockt, ersuchen unsere Partner aber weiterhin um möglichst viele Zusagen, damit wir selbst disponieren können. Denn es wird zwangsläufig Lieferengpässe geben. Die Umrüstung der ganzen Anlagen wird dann schlussendlich bis in den Herbst hinein laufen.“

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