Dienstag, 15. Oktober 2019
Kommentar von Elektrofix

Eine Brandrede

Hintergrund |09.02.2012 | Downloads | | 1  

Liebe Elektrobranche! Als ich Anfang dieses Jahres vom Geizhals- eMail an die Händlerschaft erfahren habe, war ich selbst noch nicht so ganz im 2012er gelandet. Die Händler sollen also sich selbst richten und ihren Lieferanten kräftig ans Bein pinkeln!? Ich deutete den Inhalt dieses eMails vorerst als „Nachwehen des Verfassers nach einer mächtigen Silvesternacht". Aber nein: Inzwischen hat sich bestätigt, die meinen das ernst!!!

Unglaublich unerhört

Stimmt die zitierte Studie über die „Umfrage unter der Händlerschaft“, so würde dies bedeuten, dass sich die Elektrohändler Österreichs wünschen, dass die Industrie an der artgerechten Vermarktung ihrer Produkte kein Interesse haben sollte. Dass dem nicht so sein kann, ist selbst branchenfremden Personen – Hausverstand vorausgesetzt – klar. Warum also dieser Schuss vor den Bug? Hat die in der Branche als „händlernahe“ geschätzte Frau Mag. Vera Pesata diesmal den Bogen überspannt oder tümpelt sie mit ihrer Studie tatsächlich im Unklaren? Also mir würden auf Anhieb hundert Händler einfallen, die sich von der gesamten Industrie wünschen würden, der Todesspirale „Preisplattform“ ein Ende zu setzen. Spielt es aber leider nicht! Und deshalb frage ich mich, von welchen „Händlern“ da die Rede ist, wer wurde befragt?

Who Is Who

Sind es die nach „Media Online“ massiv unter Druck geratenen Big Player mit mehreren Abhol-Outlets in Österreich, die durch jahrzehntelange Querimporte „Hilfe und zugleich Fluch“ der in Österreich ansässigen Industrie waren? Ich glaube nicht, denn diese Händler haben kräftige Netzwerke und sind nach wie vor ein Bestandteil der Industrie-Vertriebskanäle. Sie haben die Macht, es sich sowieso „zu richten“, denn spätestens zum Monatsende werden die Knie so manchen Country-Managers sehr weich. Laut Pesata sind es „auf keinen Fall“ die viel zitierten Hinterhof-Händler, die von manch Industrie nicht beliefert werden. Dem schenke ich gerne Glauben, denn diese Händler haben weder ausreichend kohlebringende Clicks auf Geizhals, geschweige denn den für die seriöse Industrie erforderlichen Background, um hochwertige Produkte auch hochwertig an Herrn und Frau Konsument(In) bringen zu können. Ich glaube auch nicht, dass es branchenfremde Newcomer sind, die mit von Papas Beute subventionierten Kriegskassen auf „großer Händler“ machen. Wer also sind diese Händler und noch viel interessanter, wer sind diese 47,2% der befragten Händler?

Warum?

Das Ergebnis der Studie einmal beiseite geschoben. Was um Himmels Willen veranlasst Geizhals überhaupt dazu, eine „Zusammenarbeit“ mit der BWB einzugehen. Wurde hier aus der Not eine Tugend gemacht, weil etwa Geizhals hinsichtlich Preisabsprachen selbst das Wasser bis zum Hals steht!? Ist es wirklich die letzte Chance, sich vor dem Damoklesschwert zu schützen!? Gegenüber Industrie und Fachhandel ist dieser Schuss gewaltig nach hinten losgegangen! Wie kann ich einem Großteil meiner Stammkunden, den seriösen Händlern, das Leben erschweren, indem ich durch eine gemeinsame Studie mit der BWB dafür sorge, dass mühsam über viele Jahre aufgebaute Vertriebsmodelle gefährdet werden!? Bei diesen Modellen geht es nicht um „Abzocken“ oder „Preistreiberei“, hier geht es um selektiven Vertrieb mit dem Ziel, exklusive Produkte mit vollem Nutzen für den Kunden zu vertreiben. Es geht um eine Handvoll Produkte, die die volle Aufmerksamkeit des Händlers verdienen, einen enormen Aufwand bei der Präsentation darstellen, für deren Vertrieb Verkäufer und Techniker geschult werden müssen. Nur dann wird auch der Kunde damit zufrieden sein können. Das ist nicht meine Meinung, liebe Frau Pesata, liebe BWB, das sind die Gesetze der Wirtschaft! Wenn Sie ernsthaft glauben, derartige Vertriebssysteme vernichten zu wollen, dann verabschieden Sie sich schon jetzt von vielen der auf Geizhals gelisteten Händler und mit Sicherheit von den restlichen 52,8% der von Ihnen befragten „Händler“…

Diese Studie stinkt zum Himmel

Wer auch immer diese Studie durchgeführt hat, entweder das Briefing wurde gecancelt oder die Auftraggeber haben auf das Ergebnis bewusst Einfluss genommen. Anders ist das Ergebnis nicht nachzuvollziehen. Ich finde die Standesvertreter oder Vertreter der Kooperationen wären jetzt an der Reihe, eine Schäfchenbefragung durchzuführen, um klar und deutlich zu zeigen, wie es um die Meinung ihrer Mitglieder steht.

Entweder, oder

Es gibt kein Hellschwarz oder Dunkelweiß. Genau aus diesem Grund ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem der Handel – zumindest der in der Studie nicht befragte – Farbe bekennen muss! Die Industrie ständig zu prügeln und in die Verantwortung zu nehmen ist sicherlich eine Methode um ans Ziel zu kommen, aber ein gemeinsamer Schulterschluss gegen derartig falsche Meinungsbildung würde nicht nur den Menschen hinter dieser Studie die Augen öffnen, sondern manch praxisfremden Theoretikern bei der BWB die Fahrt nehmen.

Süditalien lässt grüßen

Mit etwas Besorgnis erfüllt mich die Aussage von Frau Pesata, was die weitere Vorgehensweise von Geizhals betrifft. Eine unmissverständlich ausgesprochene Drohung an alle auf Geizhals.at derzeit gelisteten Händler. Eine Art und Weise, wie ich sie nur aus „sizilianischen Familiengeschichten“ kenne, soll Macht und Einfluss von Geizhals vermitteln. Es ist sogar davon die Rede, dass Geizhals die Macht hätte, über einen „Super-GAU“ zu entscheiden. Denn derzeit schließt Geizhals deutsche Versender nach Österreich auf der österreichischen Geizhals.at-Plattform aus. Wenn da mal hoffentlich nicht die Bundeswettbewerbsbehörde aktiv wird … e

 

 Diese Meinung vertritt der ElektroFix, ein bekannter Händler, der über alles, außer seinen Namen, spricht.

elektrofix@gmx.net

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Kommentare (1)

  1. Zum Himmel stinkt nur das Verhältnis zw. E&W und den erpresserischen Akteuren der Industrie

    Es geht in der Sache nicht um „selektive Vertriebssysteme“, sondern um Preisabsprachen/Kartelle und Erpressermethoden der Industrie. Gebt euch nicht so ignorant und lernt den Unterschied. Die Händler kennen ihn schon. Ihr könnt natürlich weiter versuchen, Geizhals oder die betroffenen (zahlreichen) Händler zu diskreditieren oder wie gehabt auf unterstem Niveau zu beschimpfen, aber der Gesetzgeber hat nun mal beschlossen, dass Preisabsprachen/Preisvorgaben zu Lasten der Konsumenten und insbesondere Erpressungen mit Liefersperren und anderen Benachteiligungen rechtswidrig sind, ganz egal, wie man sie benennt oder verpackt – und das werdet ihr genauso zur Kenntnis nehmen müssen wie eure spendablen Inserenten, für die ihr hier eure Glaubwürdigkeit vernichtet.

    Geizhals ist im Übrigen nicht der einzige Preisvergleich oder Online-Marktplatz und steht nur stellvertretend für einen fairen, transparenten Markt, der dem Konsumenten heute ein wichtiges Anliegen ist. Ja, diese „blöden“ Konsumenten, die man nicht mehr so häufig wie früher mit bunten Werbepamphleten, einem auf „99“ endenden Preis und unterbezahlten Fachberatern in die Großfläche locken kann, wo sie über WKZ-finanzierte Produktpräsentationen zu spontanen Fehlkäufen verleitet werden sollen. Diese Konsumenten wollen mit oder ohne Geizhals keine Preiskartelle und keine überteuerten Österreich-Spezialpreise mehr und sind damit auch vollkommen im Recht. Die späte Erkenntnis wird sich vielleicht selbst bei euch einstellen.

    Als krönenden Abschluss wollt ihr uns hier noch mafiöse Methoden unterstellen – ihr, die Lohnschreiber der Industrie, die tagtäglich Händler anruft und mit Liefersperren droht wenn sie die Preise nicht raufsetzen! Und warum? Weil wir im Gegensatz zu größeren Mitbewerbern (Amazon, eBay, Idealo) nicht deutsche Versender bunt mit österreichischen Händlern vermischen. Euer Fazit: was wir eurer Ansicht nach sogar richtig machen, ist auch irgendwie indirekt verwerflich. Das sagt eigentlich alles über eure Moral und euere Absichten aus. Ihr persönlich bin eher enttäuscht, denn aus einer dermaßen substanzlosen Kritik – das konntet selbst ihr schon mal besser – lässt sich für uns keinerlei Verbesserungspotenzial ablesen.

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