Freitag, 18. Oktober 2019
Herbert Berger im Gespräch mit E&W

Zu viel auf einmal

Hintergrund |Die Redaktion | 23.02.2012 | |  
Starke Nerven bracht LIM Herbert Berger in den nächsten Wochen. Starke Nerven bracht LIM Herbert Berger in den nächsten Wochen.

Ein klassischer Fall von Shit happens. „Ein, zwei Dinge hätt ich leicht dapackt, es ist in den 56 Jahren, wo es das Unternehmen gibt, noch nie vorgekommen, dass in drei Monaten so viel auf einmal zusammenkommt", so Herbert Berger, LIM der niederösterreichischen Elektriker, zur Insolvenz.

Vergangenen Freitag wurde das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung des Schuldners eröffnet. Betroffen davon ist die Berger-Elektro-Technik GmbH in 1170 Wien und in 3830 Waidhofen a.d. Thaya. Andere Handelsgeschäfte der Familie Berger, wie ein Handelsgeschäft in Horn, sind nicht betroffen.

Die Gründe dafür können wohl jeden in der Branche treffen: „Es ist ein absoluter Blödsinn was manche Medien über Konkurrenzdruck geschrieben haben. Auch wenn die Zeiten alles andere als leicht sind. Aber mir ist eine große Baustelle eingebrochen, ein Kunde hat mich hängen lassen und dann kam auch noch die Abfertigung von alten Mitarbeitern dazu. Ein Jahr lang hat mich ein Mitarbeiter sekkiert. Alte Leute kannst eben nicht mehr ändern.“ Allein die Abfertigung hätte einen Betrag von 150.000 Euro bedeutet.

Es ist ein trauriges Paradebeispiel: Ein erfolgreiches Elektrounternehmen, das seit über 50 Jahren erfolgreich in der Branche tätig ist – gegründet wurde die Berger-Elektro-GmbH im Jahr 1956 – , kommt in die Bredouille, weil wichtige Kunden nicht zahlen, das Finanzamt die Daumenschrauben anlegt und als letzter Tropfen in das Fass horrende Abfertigungen zeitgleich dazukommen.

„Zusperren werd ich ich aber sicher nicht“, so Berger im Gespräch mit E&W. Man müsse jetzt vor allem die nächsten Wochen abwarten. „Die nächsten Wochen werden zeigen, ob die angebotene Quote von insgesamt 20% als angemessen qualifiziert werden kann und der angestrebte Sanierungsplan Chancen auf Akzeptanz innerhalb der Gläubigerschaft hat“, teilte der KSV laut APA mit.

Betroffen sind 130 Gläubiger, die sich laut Berger neutral verhalten. „Bis auf wenige Ausnahmen haben alle gesagt, das kann passieren. Und immerhin habe ich ja immer alles pünktlich bezahlt.“

Im Jahr 2010 hatten sich laut FirmenCompass die Verbindlichkeiten von Berger-Elektro-Technik auf 2,8 Mio Euro belaufen, bei einer Bilanzsumme von 3,3 Mio Euro.

Seinen offiziellen Part als Landesinnungsmeister der niederösterreichischen Elektriker wird in den nächsten Wochen sein Stellvertreter Friedrich Manschein übernehmen.

 

E&W wünscht dem Unternehmen alles Gute und starke Nerven!

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