Mittwoch, 29. September 2021
RegioData Research - Wer gewinnt, wer verliert?

Kaufkraft in der Krise

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 15.10.2013 | |  
Insgesamt können 22 Länder in Europa gezählt werden, in denen die durchschnittliche Kaufkraft der Konsumenten in Euro gerechnet zwischen 2008 und 2012 auch real gesehen steigen konnte. Insgesamt können 22 Länder in Europa gezählt werden, in denen die durchschnittliche Kaufkraft der Konsumenten in Euro gerechnet zwischen 2008 und 2012 auch real gesehen steigen konnte.

Einer länger andauernden Wirtschaftskrise, folgt meistens auch eine Kaufkraft- oder Konsumentenkrise. RegioData Research hat nun analysiert, inwiefern die globale Wirtschaftskrise seit 2008 auch zu einem realen Kaufkraftverlust in Europa geführt hat. Das Ergebnis: Nur in den Ländern, die am stärksten von der Krise getroffen wurden, haben die Konsumenten im Zeitraum 2008 bis 2012 auch einen starken realen Kaufkraftverlust erlitten. Zuwächse gab es hingegen in 22 Ländern.

Die gute Nachricht lautet: Selbst im Krisenzeitraum 2008 bis 2012 konnte die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft (gemessen in Euro) in 22 europäischen Ländern auch real betrachtet steigen. Am stärksten waren die Zuwächse in der Schweiz mit 45% (hauptsächlich bedingt durch den veränderten Wechselkurs zum Schweizer Franken), am schwächsten in Belgien (1,1%).

Reale Zuwächse im unterschiedlichen Ausmaß konnten auch die Konsumenten in den osteuropäischen Ländern Polen, Russland, Ukraine, Tschechien oder der Slowakei, in Deutschland (2,3%) und in Österreich (2,0%) oder in den großen westeuropäischen Ländern Frankreich und Großbritannien registrieren.

Starke Rückgänge in Krisenländern

Es sind gerade jene Länder, die von der Wirtschaftskrise am stärksten erfasst wurden, in denen auch das durchschnittliche Kaufkraftniveau der Menschen zurückging. So fiel dieses Niveau insbesondere in Island, Serbien, Griechenland und Ungarn um je mehr als -16% real zurück. Weniger dramatisch waren die Rückgänge in den südeuropäischen Ländern Spanien, Portugal, Zypern und Italien, in Irland sowie in Kroatien, Rumänien und in den Baltischen Staaten. Leicht zurückgegangen ist aber auch die Kaufkraft in den westeuropäischen Ländern Luxemburg, Dänemark und Niederlande.

Die „reichsten“ Europäer leben in Luxemburg. Hier verfügten die Menschen im Schnitt über eine jährliche Kaufkraft von 31.100 Euro für 2012. Die „ärmsten“ Europäer hingegen leben in der Republik Moldau, wo die durchschnittliche Pro-Kopf-Kaufkraft im Jahr 2012 nur 1.020 Euro betrug. Das sind in etwa 85 Euro im Monat. Aber nicht nur das West-Ost-Gefälle, sondern auch die Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden Europas sind noch beträchtlich und haben sich während der Krise verschärft.

Die Gewinner der Krise

Die durchschnittliche Kaufkraft der Konsumenten in Euro gerechnet stieg im Zeitraum 2008 bis 2012 in Ländern außerhalb der Euro-Zone, wie beispielsweise in der Schweiz oder in Norwegen, in Ländern mit einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung selbst in der Krise, wie beispielsweise Deutschland, Österreich, Frankreich oder Großbritannien, oder in Ländern, die ein sehr geringes Kaufkraftniveau und damit einen großen Aufholbedarf haben. Die großen Gewinner waren demnach die Schweizer mit einem Zuwachs von 45% und die Norweger mit 30%. Diese Länder gehören nicht zum Euro-Raum und die Zuwächse sind hauptsächlich auf Veränderungen des Wechselkurses zurückzuführen. Mit anderen Worten: Die Schweizer können sich im angrenzenden Ausland viel mehr leisten. Auch in der Türkei können sich die Menschen über eine höhere Kaufkraft von mehr als 15% erfreuen und dies ist auf die gute wirtschaftliche Entwicklung des Landes selbst in der Krise zurückzuführen.

Unter den Gewinnern gehören auch osteuropäische Länder, die ein noch sehr geringes Kaufkraftniveau haben, so zum Beispiel die Ukraine mit 7,7% und Bulgarien mit 13,7%. Insgesamt sind es wie erwähnt 22 Länder in Europa, in denen die durchschnittliche Kaufkraft der Konsumenten in Euro gerechnet zwischen 2008 und 2012 auch real gesehen steigen konnte: Großbritannien, Norwegen, Schweden, Finnland, Frankreich,  Belgien, Deutschland, Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien, Türkei, Republik Moldau, Ukraine, Russland, Malta.

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