Montag, 27. Juni 2022
AMIS-Zähler der Energie AG unter der Lupe

Smart Meter und die Tücken der Technik

Hintergrund E-Technik | Wolfgang Schalko | 12.12.2013 | Downloads | | 5  
Deckt eine Reihe von Problemen auf: der AMIS-Bericht. Deckt eine Reihe von Problemen auf: der AMIS-Bericht.

Die oberösterreichische Energie AG hat sich mit dem Einsatz der neuen Smart Meter nicht nur Freunde gemacht. Der Grund: Die Signale von Funk- und Zeitschaltuhren werden durch jene der so genannten AMIS-Zähler überlagert und funktionieren daher nur noch eingeschränkt bzw gar nicht. Eine engagierte Gruppe rund um das Traditionsunternehmen Elektro Waldhauser hat sich die Problematik näher angesehen.

Elektrotechniker Reinhard Waldhauser war durch die ungewöhnlich häufigen Fehlfunktionen bei den von ihm verkauften Funkuhren auf die Problematik aufmerksam geworden: Die oberösterreichische Energie AG verwendet bei der Umrüstung auf die neuen intelligenten Stromzähler so genannte AMIS-Zähler (Automatic Metering and Information System), die offensichtlich eine ganze Reihe von Fehlfunktionen verursachen – bei Funk- und Zeitschaltuhren, aber auch zB Touch-Sensoren von Lampen. Gemeinsam mit dem Amateurfunker Manfred Hübsch ging man der Sache auf den Grund – und verfasste den ebenso ausführlichen wie peniblen „AMIS-Bericht”.

Darin heißt es unter anderem: „Dieses neue System ermöglicht die Fernablesung, Fernschaltung, Erfassung von Maximalwerten des Stromverbrauchs etc. durch den Netzbetreiber. Der dazu nötige Datenverkehr führt über den Stromanschluss mittels DLC-Technik. Der zur Datenübertragung verwendete Frequenzbereich beträgt 9 bis 95 kHz. (…) Der Amateurfunk ist dadurch nicht direkt betroffen. Jedoch liegen in diesem Frequenzbereich die Aussendungen diverser Zeitzeichensender, speziell der in unseren Bereichen sehr häufig genutzte DCF77 auf der Frequenz 77,5 kHz.

Viele Uhren, Wecker, Zeitgebereinrichtungen in diversen elektronischen Schaltungen (zeitgesteuerte Anlagen z. B. Heizungen etc.), Frequenzsynchronisationseinrichtungen (bei Funkamateuren sehr beliebt) und anderes nutzen diesen Sender.
Durch die unerwünschten Aussendungen werden diese Einrichtungen im Nahbereich der elektrischen Leitungen und Geräte zum Teil massiv bis zur Unbrauchbarkeit gestört. Wenn eine Uhr dadurch „etwas“ falsch geht ist das ja noch das geringste Problem. Es wurden aber auch schon Fälle beobachtet, wo Funkuhren eine total falsche Zeit anzeigen, das kann bei einem Wecker schon ziemlich ärgerlich werden. Aber auch bei Fällen, wo Heizungsanlagen sich nicht korrekt einschalten etc. kann das zu erheblichen Problemen führen.”

Lösungsansatz

Abhilfe schafft man derzeit wiefolgt: Vielen Funkuhren genügt es, wenn sie zB einmal pro Tag für einige Minuten Kontakt zum DCF77-Sender haben, um ihr Uhrwerk zu synchronisieren und dann wieder 24 Stunden korrekt zu laufen. Für diese Geräte wird die gesamte Datenübertragung seitens der Energie AG einmal pro Tag (in der Nacht) für einige Minuten automatisch stillgelegt. Somit ist für einen Teil der Funkuhren die Störung durch das AMIS-System normalerweise kein Problem, da die korrekte Funktion trotzdem sichergestellt ist. Für Uhren bzw. Systeme, die auf einen permanenten Empfang des DCF77-Senders angewiesen sind, können eventuell durch Verlegung der Empfangsantenne oder durch Montage einer abgesetzten Antenne die Empfangsverhältnisse so weit verbessert werden, dass der korrekte Empfang des Zeitzeichensignals wieder möglich wird. Für Waldhauser kann das jedoch noch nicht der Weiheit letzter Schluss sein…

Den kompletten „AMIS-Bericht” finden Sie als PDF im Anhang sowie auf der Webseite des Österreichischen Versuchssenderverbandes.

Ebenfalls als PDF-Datei beigefügt: Eine Information der Obersten Fernmeldebehörde, die sämtliche (auch rechtlichen) Aspekte zur Nutzung der Frequenz 77,5 kHz (DCF77) enthält.

Weitere Details zur Thematik (wie eine Stellungnahme der Energie AG in einer TV-Sendung des ORF) gibt es in der E&W Dezemberausgabe.

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Kommentare (5)

  1. Bei mir in Kärnten wurde auch vor kurzem ein Smart-Meter eingebaut und in Folge haben sich meine Touch-Nachtkästchen-Lampen immer wieder eingeschalten und nicht mehr ausgeschalten.
    Der Servicetechniker war sehr hilfsbereit jedoch meinte er, dass die Filter zu Beseitigung des Problems nicht mehr verfügbar wären. Kann das sein?
    Ich stelle mir auch die Frage, warum wird direkt beim Gerät ein Filter eingebaut und nicht gleich direkt beim Zähler? Dann wären alle Geräte geschützt, speziell Funkuhren. Ich hatte übrigens schon Monate vor dem Einbau des Smart-Meter kurz mal das Problem, dass die Funkuhren verrückte Uhrzeiten angezeigt haben. Dann war der Spuk wieder vorbei. Auch jetzt habe ich „noch“ kein Problem mit den Funkuhren.
    Warum wird hier nicht der Hersteller der Smart-Meter verpflichtet diesen Filter gleich einzubauen, wenn das Problem bekannt ist?

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    1. Endlich fündig und stimme Wolfgang Tschernutter völlig zu auch was Nacht- Touch-Lampen betrifft die nicht defekt sind aber durch digitale Impulse verrückt spielen und viel schlimmer das Problem mit dem gestörtem Funksignal für die Funkuhren, durch Wechsel der Drehstromzähler auf den “ ach so “ modernen Smart-Zähler bestätigen (einfach Sauerei)!!!

      Die Funkuhren drehen im wahrsten Sinne des Wortes durch, stellen sich beinahe jeden Tag neu ein, die angezeigte Zeit stimmt anschließend oft nicht, nach einigen Fehlversuchen stimmt die Zeit irgendwann wieder, die Batterien der Uhren leeren sich natürlich unnötig schneller – kein Problem zahlt ohnehin der Endverbraucher – fragt sich wozu noch eine Atom-Uhr benötigt wird wenn ohnehin nur oft die unrichtige Zeit angezeigt wird…Übrigens gibt es diese Uhr bereits seit 1977 und läuft perfekt, war früher da, aber Konzerne schaffen es seit 2013 den Empfang zu versauen…natürlich wird alles das von den Versorgerkonzernen abgestritten, den es kostet viel Geld daran etwas zu verbessern, die Menschen ärgern sich zwar aber niemand klagt an!

      Konkreter Fall: Armbanduhr, Batterie leer, gewechselt, Uhr sucht vergeblich nach Funksignal, nach sage und schreibe einer Woche stellte sich Uhr erst richtig, der Empfang war vorher immer gestört!!!

      Dieses vermurkste System, wo einiges vieles stört muss reguliert werden und die Kosten müssen die auf Störenfriede übertragen werden und wir dürfen uns das nicht gefallen lassen!!

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  2. DCF77 und W-LAN

    Im Bereich bis etwa 600 km ist das DCF-Signal als Bodenwelle zu empfangen. Ab etwa 1100 km überwiegt der Raumwellenanteil. Im Abstand von 600 km bis 1100 km (leider liegt Oberösterreich in diesem Gebit!) vom Sender kann es gelegentlich bei gleichen Feldstärken von Boden- und Raumwelle zur Auslöschung des Signals kommen (Fading von 15 min Dauer und mehr). In diesem Bereich schwächen bereits kleinste Störungen wie z.B. ein Zeilentransformator eines älteren Monitors das DCF-Signal. Weiters ist bekannt, dass bereits ein unmittelbarer Gebäudeneubau oder schon der Baukran das sehr schwache DCF-Signal beeinträchtigt. Die Frage ist, ob dann auch der Baukran für ein paar Minuten am Tag abgebaut werden kann, oder man sich lieber für die günstigen DCF-Uhren einen anderen Standplatz sucht.

    Weiters ist interessant zu wissen, ob ich privat überhaupt will, das der Stromzähler über mein privates W-LAN-Netz funktioniert soll!

    Smart Meter erfüllen auch den Zweck zukünftig weiterhin gewährleisten zu können, dass wir 24h Strom im Haushalt haben, trotz privater Windenergie, Fotovotaik, Solarthermie usw.

    Ein paar Anregungen zum Nachdenken!

  3. W-LAN oder LAN als Alternative

    Da sind andere Anbieter schon weiter. Bei uns in Deutschland wird das Thema Smart-Meter ja auch immer lauter und die Bundesregierung denkt sogar, glaube ich, über eine Smart-Meter-Pflicht nach. Zumindest für Neubauten wenn ich das richtig verstanden habe…
    Ich habe mir halt, weil mich für sowas eher interessiere mal ein bisschen umgeschaut und einen neuen Stromzähler gekauft und der hat, zumindest im meinem Fall einen LAN Anschluss, W-LAN oder GSM-Netz gehen aber auch, wie man hier sieht:
    https://discovergy.com/meter/functions/meter?

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