Mittwoch, 18. Mai 2022
„Schafft nur Verlierer“

Festplattenabgabe treibt Kunden ins Netz

Telekom Multimedia Hintergrund | Dominik Schebach | 26.05.2015 | |  
Die Kunden sind heute mobil: Ein deutlicher Preisunterschied treibt die Kunden ins Netz. Die Kunden sind heute mobil: Ein deutlicher Preisunterschied treibt die Kunden ins Netz.

Da von Seiten der Regierung noch immer eine Festplattenabgabe auf der Agenda steht, hat nun die Plattform für ein modernes Urheberrecht nochmals deutlich vor den Folgen einer solchen Abgabe gewarnt. Laut einer Umfrage von Marketagent.com würden dann 70% der Kunden nicht mehr in Österreich kaufen. Der IT-Handel stünde vor dem Aus.

Ein Preisunterschied von 20 Euro aufgrund der geplanten Festplattenabgabe bei einem Smartphone (siehe unten), würde 70 Prozent der befragten Kunden zum internationalen Online-Handel treiben. Nur ein Drittel der befragten Kunden würde weiterhin dem heimischen Handel die Stange halten, wie die Studie von Marketagent.com zeigte. Selbst wenn die Abgabe nur die Hälfte, also rund 10 Euro pro Handy betragen sollte, würde sich der Kaufkraftabfluss kaum ändern: Auch dann gaben noch 61 Prozent an, eher im internationalen Online-Handel kaufen zu wollen. Die Umfrage wurde im Mai unter 500 repräsentativ ausgewählten Personen durchgeführt.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Österreicher bei einer spürbaren Preisdifferenz sehr mobil ist und in den Online-Handel wechseln würde“, analysiert Thomas Schwabl, Geschäftsführer von Marketagent.com. Für Thomas Schöfmann, Geschäftsführer von Conrad Österreich und Sprecher der Plattform für ein modernes Urheberrecht ist die Festplattenabgabe in der angedachten Form völlig unverständlich: „Mit der Festplattenabgabe sagt die Regierung den Bürgern: ‚Kauft nicht in Österreich‘“.

Unhaltbarer Preisnachteil

Die Umfrage zeigt, dass 61% der Österreicher persönliche Beratung und guten Kundenservice wichtig finden. „Damit kann der österreichische Handel punkten“, erklärt Schöfmann, „doch wenn uns die Regierung zwingt, die Produkte deutlich teurer als die Konkurrenz zu verkaufen, hilft uns das auch nicht“. Bei einem 16 GB Smartphone werden aktuell von den Verwertungsgesellschaften 21,60 Euro gefordert, bei einer einfachen 32 GB Speicherkarte 28,80 Euro.

Der internationale Online-Handel sei dagegen weiterhin de facto nicht abgabenpflichtig. Es gibt derzeit rechtlich keine Möglichkeit, den internationalen Online-Handel bei den Abgaben in die Pflicht zu nehmen. Schöfmann fordert daher von der Bundesregierung eine Lösung, die auch wirtschaftlich umsetzbar sei. Denn eine Festplattenabgabe in der geplanten Form schaffe nur  Verlierer: „Die heimischen Unternehmen würden aus dem Markt gedrängt und die Arbeitsplätz würden verloren gehen, profitieren würde davon aber niemand.“ Vielmehr entstünde die absurde Situation, dass durch Einführung der Abgabe der Staat Steuereinnahmen verlieren würde, Konsumenten entweder deutlich mehr zahlen müssten oder ohne Beratung und Service auskommen, und Künstler einfach kein Entgelt erhalten würden, da ohnedies fast alles abgabenfrei online gekauft würde.

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