Fachkräftebedarf in Gewerbe und Handwerk steigt
Anteil der Gewerbe-/Handwerksbetriebe mit Fachkräftebedarf in Prozent. (©KMU Forschung Austria)
Was haben Gärtner und Floristen, Hafner, Platten- und Fliesenleger, Dachdecker, Glaser, Spengler, Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker, Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker, Tischler, Friseure, Bau- und Bauhilfsgewerbe sowie Kunststoffverarbeiter gemeinsam? Sie alle zählen laut Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria zu den Branchen mit überdurchschnittlichem Fachkräftebedarf.
34% der Gewerbe- und Handwerksbetriebe leiden derzeit unter fehlenden Fachkräften. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre waren es ca. 27%. Im Bundesländervergleich fehlen Fachkräfte vor allem in Tirol, Vorarlberg, Kärnten, Oberösterreich und der Steiermark. „Österreichweit dürfte der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Gewerbe und Handwerk bei mindestens 20.000 liegen“, schätzt Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria und Aufsichtsrat von Austrian Cooperative Research (ACR).
Das Gewerbe und Handwerk ist mit rund 730.000 Beschäftigten der größte Arbeitgeber Österreichs und auch der mit Abstand wichtigste Ausbildungssektor: Per 31.12.2016 wurden in 16.519 Lehrbetrieben 44.909 Lehrlinge ausgebildet. Das Gewerbe und Handwerk stellt damit 56% aller Ausbildungsbetriebe und 42% aller Lehrplätze. Obwohl die Absolvierung einer Lehrausbildung enorme Karrierechancen – bis zur Selbstständigkeit als Unternehmerin bzw. Unternehmer – in vielen zukunftsträchtigen Berufsfeldern bietet, reicht das derzeitige Lehrlingsangebot offensichtlich nicht aus, den Fachkräftebedarf zu decken.
„Möglicherweise stehen wir aber am Beginn einer Trendwende“, meint Bornett. Denn 2016 ist erstmals seit 2011 die Anzahl der Lehrlinge im ersten Lehrjahr gestiegen (+2%) und 38,2% der 15-jährigen Jugendlichen entschieden sich für eine Lehrausbildung. 2015 waren es 37,8%.


Sehr schöne Entwicklung! Aber das sieht man nicht nur in Österreich, sondern in allen großen Industrienationen, dass der Bedarf an Fachkräften zu diesen klassischen Berufen nach wie vor sehr groß ist. In Frankfurt werden beispielsweise nicht nur Finanzexperten und IT-ler gesucht, sondern auch die klassischen Handwerker (vgl. hier unter http://www.frankfurter-jobanzeiger.de/handwerk/ ).