Freitag, 7. Oktober 2022
Von Induktionsherden und Strahlungsbelastung

Handystrahlendiskussion kommt in die Küche

Hintergrund | Dominik Schebach | 25.02.2018 | | 3  Archiv

Vergangene Woche hatte ich ein Déjà-vu-Erlebnis. Da las ich im Kurier einen Beitrag mit dem Titel „Ist der Induktionsherd für den Körper schädlich?“. Als der Telekom-Spezialist in der Redaktion fühlte ich mich damit sofort an andere Diskussionen erinnert – jene über die Handystrahlen.

Um eines vorwegzuschicken. Mir geht es hier nicht darum, berechtigte Sorgen ins Lächerliche zu ziehen. Denn die Frage ist bei jeder neuen – oder besser gesagt: gefühlt neuen – Technologie natürlich berechtig. Ist das gefährlich? So muss auch bei Induktionsherden die Frage erlaubt sein:  Sind die bei Induktions-Kochmulden erzeugten Magnetfelder schädlich?  

Leider gibt der Kurier-Beitrag darauf keine konkrete Antwort. Stattdessen verweist er darauf, dass es dazu keine Langzeitstudien gibt. So weit so klar. Dann aber bestätigt Autorin Elisabeth Gerstendorfer sofort einmal meine Vorahnung, indem sie die Brücke zu den elektromagnetischen Abstrahlungen anderer Quellen wie „Sendemasten, Handys, WLAN-Routern“ schlägt. Sprich: Der Beitrag setzt den Leser auf die Fährte der Handystrahlen-Diskussion. Dazu merkt der Artikel im Kurier gleich an, dass hier die Fachmeinungen und Studien auseinandergehen. Dann weist der Beitrag noch auf die Einschätzung der WHO vom Jahr 2011(!) hin, als Handystrahlung als „möglicherweise krebserregend“ (2B) eingestuft wurde. Für jeden Konsumenten, der sich nur oberflächlich mit dem Thema Strahlenbelastung im Haushalt beschäftigt, muss das äußerst bedrohlich klingen.

Was der Beitrag im Kurier nicht erwähnt, ist die Abstufung der Bedrohung durch die Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in (1) „krebserregend“,  (2A) „wahrscheinlich krebserregend“, (2B) „möglicherweise krebserregend“, (3) „nicht klassifizierbar“ und (4) „nicht krebserregend“. Der Vollständigkeit halber: Alkohol und Tabak befinden sich hier in der Gruppe (1) „krebserregend“, während z.B. Kaffee in derselben Gruppe wie die Mobilfunkstrahlen zu finden ist. Wie gesagt das war 2011. In den sechs Jahren seither gab es – trotz laufender Forschung – keine weiteren belastbaren Indizien.

Das Problem ist: Es ist immer schwieriger zu beweisen, dass etwas nicht da ist, als umgekehrt. Ein Blick in die Statistik Austria zeigt allerdings einen langjährigen Abwärtstrend bei den Krebserkrankungen (Immer gerechnet auf die 100.000. Dass die Zahl der Erkrankungen absolut mehr wird, ist dem Bevölkerungswachstum geschuldet.) Während die Emissionen also in der vergangenen zunahmen, ging die Anzahl der Erkrankungen ja nach Kategorie zurück oder blieb annähernd gleich. Das passt nicht zur behaupteten Gefahr bei Handystrahlung.

Aber in Wirklichkeit geht es bei dem Beitrag ja nicht um Handystrahlen, sondern um Induktionsfelder am Herd. Aber auch hier ist Fehlanzeige: Der Beitrag erklärt nicht, wie die elektromagnetischen Felder eines Induktionsherdes für einen Menschen gefährlich werden könnten. Schon klar, elektromagnetische Felder können im menschlichen Körper elektrische Ströme erzeugen. Ab einer gewissen Stärke können dadurch Nerven und Muskeln gereizt werden. Aber in Europa gilt deswegen bezüglich elektromagnetischer Felder ein Grenzwert, der deutlich unter dieser Schwelle liegt. Und laut dem deutschen Bundesamt für Strahlenschutz bleiben Induktionskochfelder selbst dann unter dem Grenzwert, wenn zu kleines oder nicht passendes Geschirr verwendet wird.

Auch der zitierte Umweltwissenschaftler, Dr. Hans Peter Hutter vom Stellvertretender Leiter des Instituts für Umwelthygiene an der MedUni Wien, bringt nicht wirklich Licht in die Sache, und gibt im Endeffekt eine vorsichtige Entwarnung, solange gewisse Vorsichtsmaßnahmen eingehalten werden. Dabei ergeben sich viele dieser Vorsichtsmaßnahmen aus dem normalen täglichen Betrieb. Ich werde z.B. keinen heißen Topf umarmen – auch wenn mir das magnetische Feld wurscht ist. Und wer weiß, dass Induktionsfelder in einem metallischen Gegenstand Strom induziert, wird beim Kochen keinen metallenen Kochlöffel verwenden bzw den Ehering ablegen, usw.

Was bleibt? Es entsteht der Eindruck, dass hier viel Tam-Tam um nichts gemacht wird. Jeder kann aus dem Beitrag herauslesen, was er will. Wer meint, elektromagnetische Strahlungen sind gefährlich, wird aus dem Beitrag eine Bestätigung seiner Sorgen ableiten und von der abschließenden lauwarmen Entwarnung nicht wirklich beruhigt sein. Angesichts der aufgebauten Bedrohungsszenarien möchte ich es ihnen nicht verdenken. Wer der Bedrohung skeptisch gegenübersteht, Grenzwerte vergleicht und Fakten einfordert, wird sich fragen, was war jetzt die Aussage des Beitrags? Die Chance hier wirklich Aufklärung zu betreiben wurde vertan. Schade eigentlich.

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Kommentare (3)

  1. nicht Komisch

    Lieber Franz, es steht in der Bedienungsanleitung zB auch das ihr Produkt mit AA-Batterien am besten mit >Hersteller< Batterien funktioniert, bzw. das mit anderen Batterien von anderen Herstellen nicht alle Funktionen etc. garantiert sind. Glauben Sie das auch ?

  2. Komisch

    dass dann in manchen Manuals fogendes zu finden ist:
    „Schwangere Frauen und Menschen mit Hertzschrittmachern sollen die verwendung des Induktionsherds vermeiden“

  3. elektromagnetische Felder

    Meines Wissens kommt es bei der Wirkung der von elektromagnetischen Feldern auf den Menschen auch auf die Frequenz an und die ist beim Mobilfunk extrem hochfrequent (bereits im Bereich der Mikrowellen) und bei Induktionsherden relativ niederfrequent.

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