Mittwoch, 26. Juni 2019
Hot!Kmenta & Black Friday: Demo und Gegendemo

Walk gegen Kaufrausch und Verkaufsrausch

Hintergrund |Stefanie Bruckbauer | 26.11.2018| Bilder | | 8  
Am Ausverkaufstag des Jahres, dem Black Friday am 23. November 2018, demonstrierte
Initiator Roman Kmenta gemeinsam mit Trauergästen in einem symbolischen
Begräbnis „gegen den Kaufrausch der Verbraucher und den Verkaufsrausch der Wirtschaft“. In einem Trauerzug entlang der Wiener Mariahilfer Straße wurden Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert zu Grabe getragen. (Foto: Roman Kmenta)
Am Ausverkaufstag des Jahres, dem Black Friday am 23. November 2018, demonstrierte Initiator Roman Kmenta gemeinsam mit Trauergästen in einem symbolischen Begräbnis „gegen den Kaufrausch der Verbraucher und den Verkaufsrausch der Wirtschaft“. In einem Trauerzug entlang der Wiener Mariahilfer Straße wurden Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert zu Grabe getragen. (Foto: Roman Kmenta)

Wie E&W berichtete, demonstrierte Roman Kmenta am 23. November 2018 anlässlich des Black Friday gegen den Kaufrausch der Verbraucher und den Verkaufsrausch der Wirtschaft. In einem Trauerzug entlang der Wiener Mariahilfer Straße wurden gemeinsam mit Trauergästen Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert „zu Grabe getragen“. Dabei geschah etwas Unerwartetes. E&W war vor Ort.

Ein schwarzer Tag für Wirtschaft und Gesellschaft. Für viele ein kurzfristiger Segen, für die meisten ein Tag mit langfristigen Folgen. Wie jedes Jahr, am Discount-Tag aller Discount-Tage, verfällt die Wirtschaft immer mehr dem Verkaufsrausch. Was sind die Folgen? Aktionstage wie der Black Friday schaden nicht nur der Wirtschaft, sondern auch der Gesellschaft“, sagt der als „Preisexperte“ bekannte Unternehmensberater Roman Kmenta.  

Letzten Freitag wurden dann in Form eines Trauerzuges, beginnend am Westbahnhof, entlang der Mariahilfer Straße und bis zum Museumsplatz, Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert symbolisch – in einem Sarg – zu Grabe getragen. Mit anschließender „Grabrede“ am Museumsplatz von Roman Kmenta folgte die symbolische Bestattung. Mit seiner Initiative wollte der Initiator auf das wachsende Übel hinweisen und Unternehmen sowie Konsumenten aufmerksam machen. „Mein Plädoyer für die Wirtschaft, aber auch die Gesellschaft: Wertvoll statt billig, nachhaltige Erträge statt aufgeblasener Umsätze, Kauferlebnis statt Kaufrausch, gesunde Wirtschaft statt ungesunder Rabattitis und mehr Wert statt weniger Preis“, meint der Wirtschaftsexperte und führt weiter aus: „Ich danke allen Trauergästen, die den Mut hatten aufzustehen, sowie meinen Partnern und Unterstützern. Ich denke, dass bei immer mehr Unternehmen ein Umdenken im Gange ist, weil sie sehen, dass der Weg, alles immer billiger zu machen und den Preis als einzige Waffe im Wettbewerb einzusetzen, ins wirtschaftliche Aus führt.“ 

Mit dem Aufruf zum Walk for Value für Mehr-Wert in der Wirtschaft und gegen aggressive Ausverkaufsaktionen wie den Black Friday möchte Kmenta wie gesagt die Unternehmen wachrütteln, sodass diese für die Zukunft und den nachhaltigen Erhalt von Qualität und soliden Arbeitsplätzen vorsorgen aber auch in Richtung Wertsteigerung und Servicequalität umdenken. „Denn kompetente Beratung und hochwertige Produkte schlagen Billigpreise und lassen Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert wieder auferstehen und bestehen“, so der Wirtschaftsexperte.

Kmenta bezeichnet diesen „Black Friday-Walk for Value“ als erfolgreich. Nun plant er mit dieser Aktion im nächsten Jahr auch in der Schweiz und in Deutschland, also somit im gesamten DACH-Raum, Wirtschaft und Gesellschaft wachrütteln. 

Ungewollte Aufmerksamkeit

Kmenta erregte mit seinem Trauerzug unerwartete Aufmerksamkeit. Als sich der Trauerzug nämlich in Bewegung setzte, tauchte wie aus dem Nichts eine Gruppe junger Gegendemonstranten auf. Sie trugen Transparente mit der Aufschrift „Wir tragen die teuren Preise zu Grabe“ und dem Logo von der Plattform blackfridaysale.at. Sie kesselten den Kmenta-Trauerzug regelrecht ein, in dem sie sich dahinter und davor positionierten, und behinderten den Trauermarsch auf ungute Weise. Irgendwann reichte es Kmenta und er zog die Polizei hinzu, woraufhin sich die Gegendemonstranten zurückzogen.

Angesprochen auf ihr Ziel und ihre Botschaft, erklärten die blackfridaysale-Jünger, dass sie nichts mit der Verkaufsplattform von Konrad Kreid zutun hätten. Sie würden lediglich an Kmentas Trauerzug teilnehmen, weil auch sie „keinen Kater nach dem Kaufrausch wollen und das nur möglich sei, wenn man so billig wie möglich kauft.“

Mit fremden Federn schmücken

Obwohl die Gegendemonstranten abstritten im Auftrag der Verkaufsplattform blackfridaysale.at gekommen zu sein, erreichte die E&W-Redaktion am Nachmittag des 23. November eine Presseaussendung von eben genau diesem Anbieter. Der Wortlaut: „Unter dem Motto ‚Wir tragen die teuren Preise zu Grabe’ machte blackfridaysale.at mit einer auffallenden Inszenierung auf den heutigen Black Friday aufmerksam. Der Sarg wurde gewählt, um zu verdeutlichen, dass die Lebenshaltungskosten aufgrund hoher Preise stark gestiegen sind. Im Rahmen des Black Friday Sale reduzieren stationäre und Online-Händler für kurze Zeit ihre Preise und möchten so ihren Umsatz vor dem Weihnachtsshopping ankurbeln.“ Kein Wort von Roman Kmenta und seiner Botschaft. Kein Hinweis darauf, dass es sich um Kmentas symbolischen Sarg handelte, in dem Wirtschaftlichkeit, Qualität, Service und Wert zu Grabe getragen“ wurden. Es klingt viel mehr danach, als hätte blackfridaysale.at den Marsch initiiert und das obwohl die Demonstranten im Gespräch mit E&W vor Ort vehement abstritten etwas mit der Verkaufsplattform zu tun zu haben …

Update

Kurz nach Veröffentlichung dieser Onlinemeldung erreichte uns ein Anruf von der Geschäftsleitung der Prime Communication PR Consulting KG, die ua. die Pressearbeit der Plattform blackfridaysale.at verantwortet. Mag. Albert Haschke legte darauf Wert folgendes zu ergänzen: „Wir folgten lediglich dem öffentlichen Aufruf von Herrn Roman Kmenta an seiner Veranstaltung am 23. November 2018 teilzunehmen. In seiner Einladung stand, dass Leute gesucht werden, die mitmachen. Wir empfanden die Idee als witzig. Uns schien diese Veranstaltung, bei der ein Sarg über die Mariahilfer Strasse getragen werden sollte, aber auch bewusst provokant und wir gingen davon aus, dass sie mit einem Augenzwinkern zu verstehen ist. Also nahmen wir an Roman Kmentas Demonstration teil – nicht um zu stören, sondern um zu unterstützen. Unser Ziel war es, den Black Friday – der ja in Österreich noch nicht so stark bekannt ist – zu bewerben. Wir dachten, das war auch Herrn Kmentas Ziel.“ 

Wie bereits oben erwähnt, versendete Prime Consulting im Auftrag von blackfridaysale.at am 23. November einen Pressetext mit folgender Passage: „Unter dem Motto ‚Wir tragen die teuren Preise zu Grabe’ machte blackfridaysale.at mit einer auffallenden Inszenierung auf den heutigen Black Friday aufmerksam. Der Sarg wurde gewählt, um zu verdeutlichen, dass die Lebenshaltungskosten aufgrund hoher Preise stark gestiegen sind.“ Auf die Frage, warum blackfridaysale.at bzw. Prime Consulting ihren Pressetext so formulierten, als wären sie die Veranstalter des Marsches gewesen, meinte Haschke sinngemäß: „Das steht da so nicht. Nur weil Sie (Anm.: die Redaktion) das so verstehen wollen (…). Wir wollten mit unserer Presseaussendung lediglich erklären was am 23. November 2018 auf der Mariahilfer Strasse passiert ist.“ 

Abschließend betonte Haschke noch, dass in seinem Pressetext sehr wohl auf den Initiator des Trauermarsches Roman Kmenta hingewiesen wurde. Der Prime Communication Geschäftsleiter bezog sich dabei auf folgenden Satz in seiner Aussendung: „Andere Demonstranten versuchten warnend darauf hinzuweisen, dass es aufgrund der günstigen Preise zu wahren Konsumschlachten kommen würde.“ 

Mehr über den Trauermarsch anlässlich des Black Friday, inklusive Gespräche mit Teilnehmern lesen Sie in der kommenden E&W 12/ 2018.

Bilder
Kmenta erregte mit seinem Trauerzug unerwartete Aufmerksamkeit. Als sich der Trauerzug nämlich in Bewegung setzte, tauchte wie aus dem Nichts eine Gruppe junger Gegendemonstranten auf. Sie trugen Transparente mit der Aufschrift „Wir tragen die teuren Preise zu Grabe“ und dem Logo von der Plattform blackfridaysale.at. (Foto: blackfridaysale.at)
Kmenta erregte mit seinem Trauerzug unerwartete Aufmerksamkeit. Als sich der Trauerzug nämlich in Bewegung setzte, tauchte wie aus dem Nichts eine Gruppe junger Gegendemonstranten auf. Sie trugen Transparente mit der Aufschrift „Wir tragen die teuren Preise zu Grabe“ und dem Logo von der Plattform blackfridaysale.at. (Foto: blackfridaysale.at)

Kommentare (8)

  1. Meine Motivation

    Was ich mit dieser Aktion gemacht habe ist nichts anderes als ich seit Jahren bereits mache: Die Botschaft lautet „Statt ständige immer nur Rabatte geben, die schlecht für die Wirtschaft und die Gesellschaft sind, lieber Wert aufbauen und Qualität und Service in den Vordergrund stellen.“
    Der Unterschied ist der, dass ich sonst darüber in meinem wöchentlichen Blog schreibe, in meinem Podcast spreche, Bücher zu dem Thema schreibe, Gastartikel in Zeitungen und Zeitschriften verfasse und darüber zu Unternehmern spreche.
    Und ja, stimmt, auch ich gehe einem Beruf nach, mit dem ich Geld verdiene (Unternehmensberater, Redner und Business Coach).
    So wie ein Arzt Menschen heilen will und ein Architekt schöne Gebäude erreichten will und ein Lehrer seinen Schülern etwas beibringen will … und alle damit Geld verdienen, liegt mir auch sehr daran Unternehmer und Unternehmen dabei zu unterstützen nachhaltig sinnvoll und profitabel zu wirtschaften statt um des raschen Umsatzes wegen Geld zu verbrennen.

  2. @ Ihr Name

    Dann dürfen sie sich auch keinen Film anschauen, bei einem Friedhof vorbeifahren usw.. Früher ging ein Begräbnis durch die Ortschaft, das kennen sie wohl nicht mehr.
    Und wieso der Hr. Kmenta das durchgezogen hat ist mir egal, aber das die Preise den Bach runtergehen nicht.
    Auch ein Begräbnis zu stören ist pietätlos.

  3. Thema pietätlos

    Sg ‚Ihr Name‘,

    Vorab, ich beziehe dazu nicht Stellung inwiefern die Aktion eines Begräbnisses angebracht oder nicht angebracht sei. Ich kannte Hr Kmenta zuvor nicht.

    Er bezieht gegen übertriebene Diskontierung Stellung. Das sollte er doch ungestört tun dürfen, oder? Der obenstehende Artikel beschreibt die Gegen-Demo und das sich ‚mit fremden Federn Schmücken‘. Und das ist meiner Meinung nach eine Scheiss-Aktion.

    Es ist immer furchtbar lustig wie man sofort auf der Payroll von jemand steht für dessen Sache man Partei ergreift. Machen Sie doch die Vorurteils-Lade in Ihrem kleinen Setzkasten wieder zu, ich passe dort nicht rein.

  4. Das war pietätslos

    @Gast „Was Hr Kmenta durchzieht ist sicher kein Honiglecken, daß er sich mit so einem Scheiss herumschlagen muss, hat er sich wirklich nicht verdient.” Ich weiß nicht, ob Sie auf der payroll von Hr. Kmenta stehen oder ob Sie sonst irgendeine emotionale Beziehung zu ihm haben, aber “sich mit so einem Scheiss herumzuschlagen” hätten maximal die anwesenden Personen nicht verdient.
    Es ist pietätslos, ein Begräbnis zu simulieren. Können Sie sich vorstellen, dass sich dadurch andere Menschen verletzt fühlen, wenn sie an ein Begräbnis erinnert werden? Ich habe kürzlich erst einen Freund verloren, und war bei einem Begräbnis.
    Und ganz ehrlich, Sie glauben doch nicht, dass sich Hr Kmenta ernsthaft um die Wirtschaft und Gesellschaft kümmert? Er ist Vortragender und hofft, das ser aufgrund steigender Bekanntheit von Unternehmen gebucht wird. Und was hat sich Hr Kmenta gedacht, wenn er so einen makaberen Auchuftritt hinlegt? Er wird mit frenetischen Beifallsbekundungen die gesamte Mariahilferstraße begleitet? Da ist es mehr als nachvollziehbar, dass auch Gegenwind entgegengeweht hat.

  5. Lustige Aktion von den beiden

    Eigentlich ja eine lustige Aktion von beiden Seiten 😀 Mit dem Thema Black Friday Aufmerksamkeit zu erzeugen, wird eh immer schwieriger!

  6. Ha-Ha-Haschke, da hamma gelacht

    Nicht einmal Media und Saturn werben noch damit die teuren Preise zu Grabe zu tragen, aber einen Ha-Ha-Ha gibt es anscheinend noch, der den Kunden sagt wie teuer alles ist (’sei doch nicht blöd‘) und damit allen einen super Dienst erweist.
    Was Hr Kmenta durchzieht ist sicher kein Honiglecken, daß er sich mit so einem Scheiss herumschlagen muss, hat er sich wirklich nicht verdient. Die hundertste Schnäppchenplattform die die Welt nicht braucht und die Kunden in der Wertwahrnehmung verdirbt. Kein Mensch braucht Black Friday, das Konzept gibt es nur deshalb weil jeder wohl oder übel mitmacht.

  7. Viel los war da aber nicht

    Naja wenn man nach den Fotos geht war die Teilnahme eher verhalten. Da waren anscheinend alle Konsumenten schon beim Black Friday Shopping 😉

  8. Guerilla-Marketing

    ich würde sagen, das sieht nach einer gut geplanten Guerilla-Marketing Aktion aus. Das Thema aufgegriffen und für die eigene Botschaft umgesetzt. Aber mit ein Begräbnis für so einer Aktion, ist schon ein wenig deftig.

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