Donnerstag, 12. Dezember 2019
Kommentar

Ein wahrer Meister

Hausgeräte | Stefanie Bruckbauer | 10.03.2019 | |  

Viele Unternehmer und Führungskräfte wollen die Allerbesten sein in ihrem Betrieb. Sie wollen nicht, dass ein Anderer in ihrem Umfeld mehr weiß, mehr kann – schlicht: mehr drauf hat als sie. Doch, wird man so zum wahren Meister? Nicht unbedingt, sage ich ... 

(Bild: StarWars.com)

Ein Bekannter, der selbständig tätig ist, hatte letztens ein Gespräch mit einem potentiellen Kunden. Es ging um eine mögliche Zusammenarbeit in einem Bereich, in dem mein Bekannter eine anerkannte Koryphäe ist, das Unternehmen selbst aber wenig Ahnung hat. Der erste Termin fand mit zwei hohen Managern statt und die waren begeistert von ihm, von seinem Wissen und Können, von seinen Ideen. Er würde hervorragend ins Team passen, hieß es, und man könne mit Sicherheit von seinen Kenntnissen profitieren. 

Kurz darauf fand ein Treffen mit dem Geschäftsführer statt, denn nur er konnte den finalen Segen für eine Kooperation geben. Dieses Treffen währte allerdings nur kurz, denn nach einem demonstrativ kritischen Blick in den prominent am Schreibtisch liegenden (tatsächlich beeindruckenden) Lebenslauf meines Bekannten, meinte der Chef lapidar, er brauche in seinem Unternehmen niemanden, der gescheiter ist als er selbst! … (Nur noch Mal zur Erinnerung: Man war auf der Suche nach jemandem, der Wissen ins Unternehmen bringt. Liegt also nahe, dass derjenige in gewisser Hinsicht „g’scheiter“ ist! Wird allerdings schwierig jemanden zu finden, wenn man das nicht zulässt.) 

Als ich von der Geschichte hörte, war mein erster Gedanke: „Wie dumm kann man sein!“ Doch dann wurde mir klar, dass es hier um Angst geht. Um die Angst davor, dass Mitarbeiter und Angestellte in irgendeiner Weise besser qualifiziert sein bzw. mehr wissen könnten, als man selbst und man somit überflüssig wird. Dabei ist genau die umgekehrte Denkweise der richtige Weg, wie man an vielen erfolgreichen Unternehmen sehen kann. Und wie übrigens auch in diversen Führunskräfteseminaren gepredigt wird. Hannes Katzenbeisser zB. spricht in seinen Workshops von den drei Hauptaufgaben für Unternehmer. Eine davon lautet, seine Leute besser zu machen, als man selbst es ist. „Dann ist man ein wahrer Meister.“ 

Das Gefühl überflüssig zu sein wird als Bedrohung wahrgenommen. Es verdammt den Einzelnen dazu, permanent seinen Wert zu beweisen, sich als begehrenswert darzustellen. Man hat Angst davor nicht mehr gebraucht zu werden und diese Angst (die in unserer Gesellschaft übrigens stark verbreitet und Thema unzähliger Bücher ist) lähmt. Man ist nur noch damit beschäftigt die Nachfrage nach sich selbst hochzuhalten und hat dadurch keine Zeit mehr nach vorne bzw. von außen auf das Ganze zu blicken … Dabei sollte man genau das tun. Man sollte froh darüber sein, wenn die eigenen Leute so eigenverantwortlich und fähig sind, sodass man sich selbst um viele Dinge „im“ Unternehmen nicht mehr kümmern muss. Denn dann kann man „am“ Unternehmen arbeiten. Dann hat man Zeit frische Ideen zu kreieren, neue Dinge auszuprobiren und andere Wege zu beschreiten – und wenn man das tut, wird man ziemlich sicher nicht überflüssig.  

 

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