Dienstag, 15. Oktober 2019
Zum Glück hab ich keinen Vogel

Im Sitzen oder im Stehen?

Hintergrund |Wolfgang Schalko | 24.03.2019 | |  

Nein, liebe Leser, und keine Sorge, liebe Leserinnen – es geht hier nicht ums Pinkeln. Sehr wohl aber um eine Tätigkeit, die man wahlweise so oder so ausführen kann: das Telefonieren.

Wenn man von der guten alten Zeit reden will, in der alles noch so schön einfach war, dann zählt der Akt des Telefonierens zu jenen Dingen, für die das zumindest in einer Hinsicht gilt: Durch das Kabel zwischen Apparat und Hörer war der Aktionsradius während des Fernsprechens auf Daumen mal Pi zwei Meter beschränkt, abhängig vom Modell ein paar Zerquetschte mehr oder weniger. Was aber nichts zur Sache tut, weil es am Umstand der eingeschränkten Bewegungsfreiheit nichts Grundlegendes änderte.

Den Segnungen der modernen Technik sei Dank sind wir das lästige Kabel längst los und können uns während unserer Telefonate frei bewegen – wovon ich zugegebenermaßen regen Gebrauch mache. Nicht immer, aber oft. Sehr oft sogar. Den überwiegenden Teil meiner Telefonate – private ebenso wie berufliche – führe ich das Handy-am-Ohr herumspazierend (abgesehen von Gesprächen, bei denen ich mir Notizen mache, und selbst da hält es mich nicht immer am Sessel). Als mir das auffiel, stellte (s)ich mir natürlich die Frage nach dem Warum?

Und wer, wenn nicht „Google-allwissend”, könnte die Antwort darauf haben? Also habe ich irgendwann das Suchfeld mit der Anfrage „kann beim telefonieren nicht sitzen bleiben“ gefüttert und als Top-Treffer – erstaunlicherweise keine bezahlte Anzeige – einen Uralt-Beitrag aus dem Forum von chefkoch.de (von März 2007 – für Interessierte HIER nachzulesen) erhalten, der den Titel „Warum laufen die meisten Menschen beim telefonieren rum?” trug. Diesen zu lesen war eine echte Erleichterung, um nicht zu sagen eine Offenbarung – ich wär‘ vor Freude fast aufgesprungen und gleich wieder herumgelaufen, diesmal sogar ohne Telefon!

Denn dort postete der Thread-Ersteller bzw. die -Erstellerin folgendes: „Hallo Zusammen, habt Ihr das auch schon mal beobachtet? Es ist mir schon ganz oft aufgefallen und ich schließe mich nicht aus, dass viele beim telefonieren nicht sitzen oder stehen bleiben. Nein, man rennt mit dem Hörer oder Handy hin und her und quatscht. Ich habe mich schon oft dabei ertappt, dass ich dabei aufräume, oder einfach durch die Zimmer gehe. Warum ist das so? Ich würde ja sagen, ich hätte nen Tick, aber ich habe mal bewußt darauf geachtet, wie es andere machen.”

Hier ein Auszug aus den – vermutlich nicht wissenschaftlich fundierten, aber doch einigermaßen aufschlussreichen – Antworten:

„ich laufe beim Telefonieren erst dann herum, wenn ich jemanden am Apparat habe, der partout kein Ende finden will und nach dem 3. Verabschiedungsversuch noch immer weiterbrabbelt….dann wirkt die Bewegung stressabbauend”

„Ich persönlich kann beim herumlaufen viel besser nachdenken. Das geht aber vielen so, solltet ihr auch mal ausprobieren. Wenn euch etwas partout nicht einfallen will, einfach mal aufstehen und herumgehen, dann fällt es einem schon ein…”

„Ich habe ein Zitat von Dr. Ulrich Strunz – dem Fitnesspapst – gefunden: „…Beim Laufen wird das Hirn besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, ihr könnt besser denken, habt bessere Ideen…“”

„Wenn man beim Umherlaufen besser denken kann, wäre nicht die logische Konsequenz, dass in den Büros Telefonierräume mit z. B. Laufbändern eingerichtet werden?”

„bei mir ist es so, dass ich mich nur dann ziellos umherbewege, wenn mich das Telefonat aufregt. Da hatte ich letzte Woche das beste Beispiel. Ansonsten kann ich mich auch prima irgenwohin lümmeln. Bei entspannten Telefonaten gar kein Problem…”

Last but not least mein – mir förmlich aus der Seele gesprochene – Favorit: „das ist ne gute Frage! Ich lauf auch oft dabei rum. Warum kann ich garnicht so richtig sagen. Aber ich schau immer mal dabei aus dem Fenser oder räum was weg. daran sind aber nicht wir schuld, sondern die Schnurlosen Telefone”

Ich bin also definitiv nicht allein, und – Achtung, Wortwitz! – sollen meine Ge-spräche eben auch Geh-spräche sein. Hauptsache, ich bin nicht verrückt…

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