Dienstag, 23. April 2019
Künstliche Intelligenz in mehr als jedem 10. Industrieunternehmen

Industrie 4.0: KI zieht in Fabriken ein

Hintergrund | Elektro AT | 02.04.2019 | |  
Bitkom befragte im Vorfeld der Hannover Messe mehrere hundert deutsche Industrieunternehmen zum Thema Künstliche Intelligenz bzw. Industrie 4.0. Das Ergebnis zeigt: Ob Roboter, die Aufgaben eigenständig erfüllen und ihr Wissen an andere Maschinen weitergeben, oder KI-Systeme, die Techniker bei Reparaturen anleiten: 12% der deutschen Industrieunternehmen nutzen heute bereits Künstliche Intelligenz im Kontext von Industrie 4.0.

Künstliche Intelligenz erobert die Fabriken im Eiltempo und ist die Basis für kontinuierliche Verbesserungen in der Fertigung. KI hat das Potenzial, die Industrie zu revolutionieren“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. Dank maschinellem Lernen ließen sich Daten unterschiedlicher Quellen miteinander verknüpfen, Fehler vorhersehen und Probleme beheben.

Vielfältige Vorteile

Jedes zweite Unternehmen (49%) rechnet damit, dass das maschinelle Lernen im Kontext von Industrie 4.0 bestehende Geschäftsmodelle tiefgreifend verändern wird. Unternehmen versprechen sich durch den Einsatz von KI in der smarten Fabrik laut Bitkom eine Vielzahl von Vorteilen. Dazu gehören für jedes zweite Unternehmen etwa die Steigerung der Produktivität (47%), Predictive Maintenance, also die Verbesserung der Fehlererkennung und dadurch Reduktion der Ausfallzeiten von Maschinen (39%), sowie Prozessoptimierungen in Produktion und Fertigung (33%). Jedes vierte Unternehmen (25%) meint außerdem, dass sich durch KI in der Fabrik die Produktqualität steigern lässt. Jedes fünfte Unternehmen verspricht sich eine bessere Skalierbarkeit (20%) und weniger Kosten, etwa für Personal, Wartung, Inspektion und Entwicklung (19%).

Auch bei der Vernetzung allgemein kommen die deutschen Fabriken voran. Mittlerweile nutzt laut Erhebung mehr als die Hälfte der Unternehmen (53%) bereits spezielle Anwendungen für Industrie 4.0, ein weiteres Fünftel (21%) plant diese. Der Anteil der Unternehmen, die angeben, dass Industrie 4.0 aktuell kein Thema ist und auch in Zukunft nicht sein wird, hat sich binnen eines Jahres um zwei Drittel auf 3% reduziert.

Jede vierte Maschine ist smart

Laut Bitkom ist heute im Durchschnitt bereits jede vierte Maschine (25%) in der deutschen Fertigungsindustrie mit dem Internet verbunden. In jedem zehnten Unternehmen (10%) ist sogar schon mehr als die Hälfte der Maschinen via Internet vernetzt. Dabei investieren die Anwender und Planer von Industrie-4.0-Anwendungen im Schnitt in diesem Jahr 5% ihres Gesamtumsatzes in Industrie 4.0. „Die vierte industrielle Revolution wird oft als evolutionärer Prozess beschrieben. Das ist insofern richtig, als die Veränderungsgeschwindigkeit in anderen Sektoren viel extremer ist, etwa im Medienbereich oder Finanzwesen“, sagt Berg. „Die Industrie ist komplexer und am Ende eines industriellen Fertigungsprozesses steht immer noch ein materielles Produkt. Die Schonfrist der Industrie geht aber allmählich zu Ende. Die Automobilhersteller und ihre Zulieferer sind die ersten, die mitten im digitalen Sturm stehen.“

Fachkräftemangel ist großes Problem

Eine große Hürde auf dem Weg zur smarten Fabrik sei für die Unternehmen der Fachkräftemangel, sagt Bitkom. Er habe sich in einem Maß verschärft, dass in jedem zweiten Unternehmen (55%) daran der Einsatz von Industrie-4.0-Anwendungen scheitert. Dabei visiert mehr als jedes vierte Unternehmen (27%), das Industrie 4.0 anwendet oder dies plant, in diesem Jahr Neueinstellungen an. Fast jedes dritte Unternehmen (31%) hat im vergangenen Jahr bereits neu eingestellt. Breiter Konsens herrsche darüber, dass eine gute Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter in der Fabrik 4.0 immer wichtiger werden. Die Unternehmen bemühen sich, entsprechend zu reagieren: 49% haben im vergangenen Jahr Mitarbeiter für Industrie 4.0 weitergebildet, mehr als jedes zweite Unternehmen (53%) plant dies für 2019. „Digitalisierung gelingt nur mit digital kompetenten Mitarbeitern. Wenn vermehrt Maschinen, Roboter und Computer Tätigkeiten übernehmen, sind dafür nicht mehr nur IT-Spezialisten an der Spitze gefragt. Digitale Kompetenzen werden dann in der Breite von allen gefordert – und zwar bereits bei einfachen Alltagstätigkeiten“, sagt Berg.

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