Samstag, 20. Juli 2019
Hot!Sanierung in Eigenverwaltung angestrebt

In Kronach kriselt’s wieder: Loewe erneut zahlungsunfähig

Multimedia |Wolfgang Schalko | 03.05.2019| Bilder | | 13  
Loewe ist zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren insolvent: Mit Innovationskraft, deutlich verschlankt, noch internationaler, mit starken Partnerschaften und neuen Produkten will das fränkische Technologie-Unternehmen neu durchstarten. Loewe ist zum zweiten Mal innerhalb von sechs Jahren insolvent: Mit Innovationskraft, deutlich verschlankt, noch internationaler, mit starken Partnerschaften und neuen Produkten will das fränkische Technologie-Unternehmen neu durchstarten. (© Loewe) Nach 2013 – die skurrilen Auswüchse des damaligen Ringens um einen rettenden Investor sind wohl allen noch in Erinnerung – schlitterte Traditionshersteller Loewe wie heute bekanntgegeben wurde neuerlich in die Insolvenz. Anders als vor sechs Jahren will das Management den Sprung aus der Krise diesmal jedoch selbst bewerkstelligen – mit neuer Struktur und verschlanktem Unternehmen.

„Wie in der gesamten Branche wird auch unser Geschäft durch die anhaltende Marktschwäche bei Fernsehgeräten schwer belastet“, betonte der Vorsitzende der Loewe Geschäftsführung Ralf Vogt in der heutigen Unternehmensmitteilung. „Unser relevantes Marktsegment in der gehobenen Preisklasse ist im laufenden Quartal um 20 Prozent rückläufig. Wir haben uns deshalb entschlossen, auf diesem Weg die weitere Sanierung von Loewe im Rahmen unseres Zukunftskonzeptes zu forcieren.“

Dies soll in einem umfassenden strukturellen und personellen Umbau der Loewe Organisation und einer Verschlankung des gesamten Unternehmens münden. Dabei war das Loewe Management erst vor wenigen Wochen angetreten, um die Marke und das gesamte Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Allerdings „mussten wir jetzt erkennen, dass dies schneller und konsequenter geschehen muss, als wir das noch zum Jahresbeginn angenommen hatten. An den Eckpfeilern unseres Zukunftskonzeptes ändert sich dabei nichts“, so Vogt weiter und unterstrich: „Der Geschäftsbetrieb von Loewe geht während der Sanierung ohne Einschränkungen weiter. Wir können alle Kundenaufträge planmäßig erfüllen und werden auch unsere Lieferantenverbindlichkeiten begleichen, die während des Verfahrens entstehen.“ Die Löhne und Gehälter der gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien in der Sanierungsphase ebenfalls gesichert.

Im Zuge des im März vorgestellten Zukunftskonzepts will sich Loewe gemäß der Devise „Wir machen Technik für Menschen“ vom reinen Fernsehgeräte-Hersteller zum System-Anbieter für Technologien im vernetzten Home Entertainment mit besonderer Kompetenz für personalisiertes Sehen und Hören entwickeln. Außerdem soll vor allem das Audio-Sortiment ausgebaut und ein modular aufgebautes Home Entertainment System auf der heurigen IFA präsentiert werden.

Zur Sanierung in Eigenverwaltung

Die Eigenverwaltung bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, um sich bei laufendem Geschäftsbetrieb in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu aufzustellen. Die unternehmerische Verantwortung bleibt in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert. Die Geschäftsführung wird dabei von Reiner Denzler (Kanzlei DDHW) und Dr. Sebastian Braun (Rechtsanwälte Reinhart Kober Großkinsky) unterstützt. Die Eigenverwaltung ist immer dann möglich, wenn Unternehmen bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig tätig werden und genügend Handlungsspielraum für eine Lösung besteht.

Zum vorläufigen Sachwalter hat das Gericht Rechtsanwalt Rüdiger Weiß von der deutschlandweit auf Unternehmenssanierung spezialisierten Kanzlei Wallner Weiß bestellt. Er überwacht den Sanierungsprozess im Interesse der Gläubiger.

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Loewe-CEO Ralf Vogt hält trotz der Insolenz am Zukunftskonzept des Unternehmens fest.
Loewe-CEO Ralf Vogt hält trotz der Insolenz am Zukunftskonzept des Unternehmens fest. (© Loewe)

Kommentare (13)

    1. Gute Frage!
      Herr Kallunder hat sich auch in den letzten Jahren nur sehr sporadisch gemeldet bei uns.. obwohl der Umsatz an sich von uns sicherlich nicht so schlecht war… Aber ja…

  1. Das TV-Geschäft lief bis etwa 2010 durch die Migration von Röhre zu LCD für alle sehr zufriedenstellend. Der Ö-Markt explodierte von etwa 400.000 Stück auf fast eine Million, der Markt war nachfragebestimmt. Dann kam der Double-Dip: Die Preise fielen jährlich in doppelstelligen Prozentzahlen, mit Smart-TV und 4K ist das Ende der (sichtbaren) Fahnenstange erreicht und der Markt pendelt sich wieder nach unten ein. Curved und 3D funktionierten nicht mehr (leider – beide weiß ich sehr zu schätzen) Auch kommen nun technikaffine Baby-Boomer in die Jahre, die auch als Senioren mit der digitalen Technik umgehen können, die Econonomy of scale bringt jene ins Grab, die nicht auf entsprechende Produktionszahlen kommen oder genug Phantasie für neue Geschäftsfelder haben. Loewe wird dazu gehören und der X-te Neustart von Hisense wird aufgrund des fehlenden Verständnisses der Chinesen für den österreichischen Markt wohl wieder als Bruchlandung enden…

  2. Schade, schade, schade!
    Die Preisschere bei TV (und nicht nur dort!!) ist halt jetzt schon deutlich zu weit offen! Angesichts von derzeit kommunizierten Preisen von ca. € 400-500,– für einen 55 Zoll 4k LED-Smart-TV ist die Versuchung für Kunden schon sehr groß, für sich selbst eine virtuelle Preisgrenze zu definieren, wo solche Premium-Hersteller oft preislich deutlich darüberliegen und meist auch andere „Argumente“ nicht mehr greifen und daher solche Geräte einfach nicht mehr in benötigter Größenordnung gekauft werden bzw. verkauft werden können! Es ist auch für uns Händler recht schwierig geworden, bei den wirklich realisierbaren Spannen auch nur unsere Kosten zu decken! Von Umsatz ohne Deckungsbeitrag kann niemand leben – ohne entsprechenden Umsatz aber leider auch niemand! Die Situation ist brandgefährlich – für ALLE Vertriebswege!

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  3. Das glaube ich nicht. Verkaufe hochwertig und das hält mein Geschäft am Leben. Jedoch kommen in vielen anderen Läden einige Endkunden – mit € 1500,- in der Hosentasche – rein und wollen sich was ordentliches kaufen und verlassen das Geschäft mit einem 700 € TV Gerät.
    Ja, manche Verkäufer haben Angst vor den eigenen Verkaufspreisen. Der Markt ist immer in Veränderung, aber letztendlich bestimmen wir die Veränderung. Es stimmt, finde gute und unternehmerisch-denkende Verkäufer! Mit 1300,- netto Lohn auch schwer zu finden.

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  4. Loewe hat, genau wie Metz, ein Markenimage-Problem. Die alten Käufer der deutschen Marken sterben weg, und der neuen Generation sind diese Muff-Marken nicht cool genug, wenn sie diese überhaupt kennt.

  5. Echt schade, die Geräte sind extrem gut konfigurierbar und so einstellbar, dass auch Senioren damit zurecht kommen.

    Was ich auch schätze: DVB-C/T(2)/S(2) in einer Liste abspeichern. So ist es z. B. in Oberösterreich möglich, eine Senderliste mit ORF1, ORF2, ORF III, etc… unverschlüsselt von Liwest zu nehmen, ARD, ZDF, BR, etc… unverschlüsselt per Sat – so schlägt man allen ein Schnippchen 🙂

  6. Mit Investoren ein schwieriges Thema. Jetzt geht’s nicht mehr um Gewinne schreiben sondern wer die Substanz hat um zu „über“-leben.

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