Samstag, 20. Juli 2019
Telekom-Kommentar E&W 5/2019 zum regionalen Glasfaserausbau

Besser spät, als nie

Telekom Die Branche |Dominik Schebach | 12.05.2019| Bilder | |  

Dominik Schebach
Ich habe es hier in der Vergangenheit schon öfters geschrieben: Telekommunikation bzw Breitband gehört mit der restlichen Infrastruktur für Strom, Wasser, Abwasser oder Verkehr auf eine Stufe gestellt. Ob das nun vorgeschlagene Modell einer öffentlichen Infrastruktur mittels Glasfaser der Weisheit letzter Schluss ist, wage ich aber zu bezweifeln.

Natürlich werden private Anbieter, egal ob das jetzt ein großer Telekom-Anbieter, der regionale Energieversorger oder lokale Betreiber sind, nicht bis zum letzten Haus ausbauen. Aber sie können auch alternative Technologie (sprich 5G) zum Einsatz bringen und damit die Erschließung des ländlichen Raums beschleunigen. Außerdem sie sind schon seit Jahren voll im „G‘schäft“,  während in den Gemeindestuben erst in den vergangenen Jahren sich langsam das Bewusstsein um die Bedeutung von Breitband durchgesetzt hat. Denn schnelles Internet bringt die Jobs aufs Land, und auch sonst gehört schnelles Internet heute einfach zum Leben dazu – und wenn es nur darum geht, den gerade gewünschten Film zu streamen. Indem man nun der Breitbandversorgung mehr Priorität einräumt, anerkennt man so die geänderte Lebensrealität der Menschen und schafft meiner Ansicht nach ein wichtiges Instrument gegen die anhaltende Landflucht.

Die Telekom-Spezialisten egal in welcher Größe bringen in dieser Situation das notwendige Know-how für den Ausbau mit, im Falle der lokalen Betreiber oft noch kombiniert mit dem Wissen um die Bedürfnisse in der Region. Sie können sich auf unterschiedliche Technologien stützen, sind an der Vermarktung ihrer Breitbandtechnologie unmittelbar interessiert sowie entsprechend motiviert und haben oft Erfahrung in der Nutzung von Förderungen. Kurz, sie sind die Spezialisten. Wenn nun die Gemeinden sich hier hereindrängen, dann wird wahrscheinlich nur zu einer weiteren Verzögerung beim Ausbau führen. Denn in der Theorie klingt das Konzept des Gemeindebundes ja sehr schön, aber bis dieses Programm Fahrt aufnimmt, sind die privatwirtschaftlich organisierten Betreiber wahrscheinlich mit dem Ausbau in den wirtschaftlich interessanten Gebieten schon durch und die abgeschiedenen Siedlungen warten umso länger auf leistungsfähige Versorgung, weil sich in diesem Fall der Ausbau eben nicht selbst finanziert. Ziehen die Gemeinden allerdings den Ausbau als Ganzes an sich, dann steht das Werkl wahrscheinlich überhaupt, weil eben die notwendigen Kapazitäten in den Gemeinden fehlen. Außerdem müssten sich dann die großen Anbieter fragen, warum sie mit ihren Abgaben und Lizenzgebühren Mitbewerber im Besitz der öffentlichen Hand finanzieren.  Was wiederum Auswirkungen aufs Ausbautempo hat. Das kann nicht Sinn der Sache sein.

Wenn allerdings Gemeinden und Anbieter gemeinsame Sache machen, dann können beide ihre Stärken einbringen. Die Provider ihre fachliche Expertise und die Gemeinden den Kontakt zur Bevölkerung. Und ja – wenn die Gemeinden einen FTTH-Vollausbau wünschen, dann werden sie Geld auf den Tisch legen und auch die Betreiber in der Vermarktung unterstützen müssen. Denn nichts wäre dümmer, als dass die Glasfaser brach in der Erde liegt.

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Breitband-Zugänge wie Glasfaseranschlüsse bringen nicht nur Jobs in die Regionen, eine schnelle Internetverbindung gehört heute einfach dazu. Deswegen ist es zu begrüßen, wenn auch in den Gemeindestuben das Bewusstsein um die Bedeutung von Breitbandzugängen wächst.
Breitband-Zugänge wie Glasfaseranschlüsse bringen nicht nur Jobs in die Regionen, eine schnelle Internetverbindung gehört heute einfach dazu. Deswegen ist es zu begrüßen, wenn auch in den Gemeindestuben das Bewusstsein um die Bedeutung von Breitbandzugängen wächst.

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