Mittwoch, 18. September 2019
E&W-Kommentar Mai 2019 - Jäger & Sammler

Von unterschiedlichen Wegen

Hintergrund Hausgeräte |Stefanie Bruckbauer | 12.05.2019| Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
In der Coverstory der in Kürze erscheinenden E&W beschäftigen wir uns mit dem „neuen“ Verkaufen. Dass Handel nicht mehr nach den gleichen Mustern funktioniert, wie noch vor 20 Jahren, ist wahrscheinlich schon den Allermeisten klar geworden … (Bild: Kurt Michel/ pixelio.de)

Eines der deutlichsten Zeichen, dass im Handel eine neue Ära angebrochen ist, ist der zunehmende Kundenschwund auf der Fläche. Und viele stationäre Anbieter überlegen sich angesichts der Tatsache, dass immer weniger Menschen in ihren Geschäften einkaufen, Strategien um das zu ändern. Doch einige laufen dabei in die falsche Richtung wie ich meine.

Ein herrliches Erlebnis hatte ich in diesem Zusammenhang in der Shopping City Süd in Vösendorf. Es war Advent – eine heikle Phase, da in der für den Handel so wichtigen Weihnachtszeit stationär weit nicht mehr so viel geht wie früher. Auf jeden Fall gibt es in der SCS sogenannte „Ruhezonen“ in denen sich gestresste Shopper ausruhen können. Dort befindet sich ein überdimensionales Display, auf dem diverse Inhalte ua. zwecks Entspannung abgespielt werden. Die SCS-Betreiber entschieden sich (kaum zu glauben aber Tatsache) für eine Amazon-Werbung in der Endlos-Schleife. Gemäß dem Motto: „Nervt dich die SCS? Dann bleib doch Zuhause und kauf bei Amazon.“

Auch MediaMarkt scheint keine Kunden in den eigenen Märkten mehr zu wollen. Warum sonst sollte der Elektroriese zB die „Nachtwoche“ veranstalten, in der Kunden attraktive Schnäppchen nur von 20.00 bis 8.00 Uhr und ausschließlich online kaufen können. Ein anderer Weg, den MediaMarkt gegangen ist, um offenbar Kunden davon abzuhalten, das Innere der Märkte zu betreten, war der „große LKW-Abverkauf“. Dabei gab es die „Mega-Schnäppchen zu unglaublichen Aktionspreisen direkt vom LKW“ abzuholen (nicht im Geschäft wohlgemerkt). Eigentlich nicht blöd, denn MediaMarkt spart sich das kraftraubende Entladen des Lasters, das mühselige Einräumen der Regale und das aufwendige Präsentieren und ins rechte Licht rücken der Geräte. Was er sich allerdings auch spart: Kunden, die inspiriert durch einen Bummel durchs Geschäft, auch andere Dinge kaufen. Ein Zuckerl in diesem Zusammenhang lieferte auch die Modekette P&C, die im Schaufenster ihrer Filiale in der Wiener Kärntnerstrasse ein riesengroßes Plakat mit dem Text „Bei P&C kann man nun auch online shoppen“ positionierte. Mit solchen Aktionen, darf man sich nicht wundern, wenn die stationäre Fläche ausstirbt und der Onlinekanal immer stärker wird.

Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten, Kunden in die Geschäfte zu locken. Man könnte zu jedem verkauften Gerät eine Kleinigkeit dazu schenken. Eine Freisprecheinrichtung zu einem Smartphone, ein Topf-Set zu einem Herd oder Klarspüler und Salz zu einem Geschirrspüler, etc. Man könnte einen Tag in der Woche zum „Ladiesday“ ernennen und jede Kundin, die an diesem Tag ins Geschäft kommt, auf einen Prosecco einladen. Man könnte einmal im Monat einen Promotor einsetzen, der Köstlichkeiten auf immer anderen Geräten zaubert. Man könnte jeden vierten Samstag im Monat einen Studenten als Geschichtenerzähler engagieren, der den Kleinsten Märchen vorliest, während die Eltern in Ruhe durchs Geschäft bummeln können, und und und. (Übrigens: alle diese Beispiele existieren tatsächlich, werden also von bestimmten Händlern angeboten) Es gibt so viele Möglichkeiten dem Kunden ein Erlebnis zu bieten, ihn zu berühren und begeistern. Ein ganz lieber Händler aus NÖ zB. sucht immer nach außergewöhnlichen, kleinen Gimmicks, die er im Kassenbereich günstig anbietet. Mittlerweile hat er einen ganzen Kundenstock, der regelmäßig einfach nur aus dem Grund ins Geschäft kommt, um zu schauen was es Neues gibt in dieser Hinsicht. Klar kommen diese Kunden auch dann ins Geschäft wenn sie wirklich Mal etwas brauchen. Man muss nur Ideen haben, vielleicht überlegen ob einem das selbst auch gefallen würde als Kunde, und natürlich dafür werben. Aber ich bin mir sicher, dass die Kunden darauf anspringen, denn wir Menschen sind in unserem Innersten Jäger und Sammler, wir möchten unterhalten werden und immer wenn es einen Benefit gibt oder ein Geschenk, schlagen viele zu.

Bilder
Viele stationäre Anbieter überlegen sich angesichts der Tatsache, dass immer weniger Menschen in ihren Geschäften einkaufen, Strategien um das zu ändern. Doch einige schlagen dabei den falschen Weg ein, wie ich meine.
(Bild: Kurt Michel/ pixelio.de)
Viele stationäre Anbieter überlegen sich angesichts der Tatsache, dass immer weniger Menschen in ihren Geschäften einkaufen, Strategien um das zu ändern. Doch einige schlagen dabei den falschen Weg ein, wie ich meine. (Bild: Kurt Michel/ pixelio.de)

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.