Samstag, 20. Juli 2019
Vollständige Überarbeitung der aktuellen Rahmenbedingungen im EAG gefordert

PV Austria kritisiert „Desaster“ bei heuriger Speicherförderung

Photovoltaik |Wolfgang Schalko | 15.05.2019 | | 1  
Der Bundesverband Photovoltaic Austria fordert überarbeitete Rahmenbedingungen im Erneuerbaren Ausbau Gesetz, um zukünftig ein Desaster wie bei der diesjährigen Speicherförderung, die blitzschnell über die Runden ging, zu vermeiden. Der Bundesverband Photovoltaic Austria fordert überarbeitete Rahmenbedingungen im Erneuerbaren Ausbau Gesetz, um zukünftig ein Desaster wie bei der diesjährigen Speicherförderung, die blitzschnell über die Runden ging, zu vermeiden. (© PV Austria) Bei der diesjährigen bundesweiten Speicherförderung gab es eine Rekordvergabe – laut PV Austria jedoch eine verhängnisvolle: Innerhalb von 46 Sekunden wurde das gesamte Förderbudget von 6 Millionen Euro abgerufen und damit etwa doppelt so schnell wie bei der ersten Förderrunde im Jahr 2018.

Der Unmut der Branche ist dementsprechend groß – hatten doch innerhalb weniger Minuten mehrere tausend Antragsteller versucht, eine finanzielle Unterstützung für einen Stromspeicher zu beantragen. Laut der Förderstelle OeMAG wurden dieses Jahr, im Vergleich zum Vorjahr, besonders große Speicherprojekte mit mehreren Megawatt beantragt, die viel Förderbudget abschöpfen, was ein Grund für die Leerung des Fördertopfes in Rekordzeit ist.

Aus Fehlern lernen

Das Problem an dieser Misere ist aus Sicht des Bundesverband Photovoltaic Austria (PVA) die noch bis Ende 2019 gültige Förderrichtlinie. Die großzügige Deckelung der maximalen Speicherkapazität (bis zu 10 Kilowattstunden Speicherkapazität pro Kilowattpeak Photovoltaik werden gefördert) mache es möglich, dass ein paar wenige sehr große Speicher das Budget besonders stark beanspruchen. Der PVA hat im Vorfeld mehrmals auf diesen Umstand hingewiesen und auf eine Überarbeitung der Förderrichtlinie gedrängt. Bereits im vergangenen Jahr zeigte sich, dass die Kombination aus geringen Fördermitteln, zu hohen Fördersätzen und beinahe unbeschränkter Speichergröße problematisch ist. Vera Immitzer, Geschäftsführerin des PVA: „Dieses Jahr war es eine hochexplosive Mischung. Die Regierung muss nun aus dem Desaster lernen und im EAG die Fördergelder maßgeblich aufstocken, die Fördersätze sowie Anlagengröße (max. 100 kWh) zielführend gestalten und mehrere Antragszeitpunkte im Jahr ermöglichen.“ Besonders problematisch sei, dass unzählige kleinere Projekte keine Chance mehr auf eine positive Zusage haben, weil das Budget durch einige wenige Speicher abgerufen wurde. Zahlreiche Betriebe investierten viel Arbeit in die Projektierung von Stromspeichern, die letztendlich durch die fehlgesetzten Anreize der Förderung nicht umgesetzt werden können. Die mangelnde Kontinuität einer so wichtigen Förderung stellt einige Betriebe vor massiven Herausforderungen – kein seriöser wirtschaftlicher Betrieb könne eine Planung für das gesamte Jahr auf der Basis eines Zeitfensters von wenigen Sekunden aufbauen. Zur Überbrückung bis Inkrafttreten des EAG appelliert der PVA an alle Bundesländer, wie bereits im Vorjahr, ihren Bürgerinnen und Bürgern eine Unterstützung anzubieten.

Für das Gelingen der Energiewende ist eine flächendeckende Verteilung von Speicherkapazitäten in der Netzstruktur notwendig, wie Immitzer abschließend betont: „Eine Förderung, die für ein paar wenige Antragsteller ausreicht, kann auch nicht im Sinne des Fördergebers sein. Denn nur eine Bewegung, in der jede und jeder mitmachen und einen Beitrag leisten kann, wird auf lange Sicht Erfolg haben.“

Hintergrund:
Die Förderung von Stromspeichern soll im Rahmen des „100.000 Dächer- und Kleinspeicherprogramm“ der #mission2030 umgesetzt werden, das einen Bestandteil des EAG bilden wird. Der PVA legte dazu bereits ein Konzept für ein optimal ausgestaltetes EAG für den Bereich Photovoltaik und Speicherbereich vor und setzt sich vehement für ein EAG ein, das seinem Namen auch gerecht wird.

Kommentare (1)

  1. Dass „unzählige kleinere Projekte keine Chance mehr auf eine positive Zusage“ haben, sollten sich die Projekt-Verantwortlichen aber auch vorab überlegen. Eine Förderung kann ja eine „Belohnung“ für sinnvolle Projekte sein… aber nicht die Grundvoraussetzung ein Projekt durchzuführen. Das Ziel ist also (wenn ich recht verstehe) 100.000 Stromspeicher bis 2030, also in 11 Jahren. Macht ~9090 pro Jahr, was bei einem Förderbudget von 6 Mio/Jahr eine Förderung von ~660 Euro pro Stromspeicher ergäben würde. Ein Projektplaner dürfte fairer Weise nur von dieser Summe ausgehen und auch nur diese Summe dürfte ein einzelnes Projekt erhalten. Ist nicht meine Branche, aber Google sagt ein Einfamilienhaus nachzurüsten liegt bei ~15.000 Euro, was einer Förderung von ~4,4% entsprechen würde. Ein ‚Zuckerl‘. Nett wenn man’s bekommt, aber sicher nicht der Ausschlag ob man’s macht oder nicht. Das sollten sich die Verantwortlichen an allen beteiligten Stellen vor Augen führen. Planer und Förderer. 😉

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