Mittwoch, 22. Mai 2019
Vom Traditionsunternehmen soll nur Mini-Sparte IoT übrig bleiben

Kathrein-Sanierer Ziems: „Werden Ende August alles verkauft haben”

Multimedia |Wolfgang Schalko | 16.05.2019| Bilder | |  
Kathrein wird im Zuge der laufenden Unternehmenssanierung „scheibchenweise” verkauft. Kathrein wird im Zuge der laufenden Unternehmenssanierung „scheibchenweise” verkauft. (© Kathrein) Mit Hans-Joachim Ziems hat Kathrein im November 2017 einen der renommiertesten Unternehmenssanierer Deutschlands ins Boot bzw. in die Geschäftsführung geholt. Wie Ziems nun in einem Interview mit dem Handelsblatt erklärte, will er „Ende August raus” beim Rosenheimer Antennenbauer – und bis dahin auch noch die Rundfunk- und SAT-Sparte verkauft haben.

Hans-Joachim Ziems hat sich nicht nur als erfolgreicher Unternehmenssanierer, der nach eigenen Angaben bis heute „noch nie gescheitert” ist, einen Namen gemacht. Auch den UE-Handel hat er mit seinem 1984 gegründeten Groß- und Einzelhandelsunternehmen Komet sowie der daraus hervorgegangenen ProMarkt Gruppe, aus der er 1995 ausstieg, geprägt. Der Sanierungsexperte hat seither in über 50 Projekten Unternehmen in Krisensituationen wieder auf Schiene gebracht – darunter Pfleiderer, Merckle, ATU, Kirch Media-Gruppe, Küppersbusch und aktuell Kathrein.

Wie Ziems im Interview mit dem Handelsblatt ausführte, wolle er nach der Veräußerung der Mobilfunksparte an Ericsson und der Automotive-Einheit an Continental auch noch die Rundfunk- und die Satellitengeschäfte verkaufen – und damit Ende August seine Arbeit bei Kathrein beenden. Somit wird vom traditionsreichen Antennenhersteller praktisch nichts übrig bleiben – abgesehen von der kleinen Geschäftseinheit Internet der Dinge, die Anton Kathrein III behalten und damit durchstarten will.

Die Probleme beim Rosenheimer Konzern, der zeitweise über eine Milliarde Euro Umsatz erzielte, hätten laut Ziems bereits unter der Führung des 2012 verstorbenen Anton Kathrein II begonnen. Denn dieser „wollte, dass das Unternehmen schnell wächst, hatte aber nicht das Management und das Know-how dafür.“ Kathrein sei der klassische Patriarch gewesen, „der alles an sich zog“.

Der Sohn sei erst drei Monate im Unternehmen gewesen, als der Vater starb, und mit 28 Jahren praktisch unvorbereitet an die Spitze gekommen – der als Diplom-Ingenieur zwar große fachliche Expertise besitze, zunächst jedoch hätte lernen müssen, ein Unternehmen operativ zu führen. Und die bisher vom Vater unterdrückten Manager hätten „die Situation genutzt, um das Wachstum noch zu beschleunigen“. Dabei habe die „Firma Kathrein als Unternehmen ja eine Riesensubstanz” und das Entwicklungs-Know-how sei immens.

Aber das Management habe immer weiter expandieren wollen und die Organisation da einfach nicht Schritt halten können. „So entstand eine Konfusion, wie ich sie in den vergangenen 20 Jahren noch nicht erlebt hatte“, sagte Ziems.

Bilder
Nach fast zwei Jahren will Sanierer Hans-Joachim Ziems sein Engagement beim Rosenheimer Antennenbauer Ende August beenden – und bis dahin auch noch die Rundfunk- und SAT-Sparte veräußern.
Nach fast zwei Jahren will Sanierer Hans-Joachim Ziems sein Engagement beim Rosenheimer Antennenbauer Ende August beenden – und bis dahin auch noch die Rundfunk- und SAT-Sparte veräußern. (© Kathrein)

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.