Sonntag, 25. August 2019
AVM setzt auf DECT-ULE

Offene Funklösungen beleben den Smart-Home-Markt

Die Branche |Wolfgang Schalko | 25.06.2019| Bilder | |  
ULE nutzt den geschützten Frequenzbereich von DECT (1880-1900 MHz), was Datenstaus und Interferenzen vorbeugt. ULE nutzt den geschützten Frequenzbereich von DECT (1880-1900 MHz), was Datenstaus und Interferenzen vorbeugt. Immer mehr Konsumenten interessieren sich für das Thema Smart Home. Vor allem Funklösungen sind gefragt. Wichtig ist jedoch, dass die Lösungen sicher, benutzerfreundlich und leicht erweiterbar sind. Auch deshalb werden ULE- und DECT-Produkte immer beliebter. Insellösungen sind dagegen kaum noch gefragt.

In den Anfangsjahren des Smart Home entschieden sich die meisten Hersteller für reine Insellösungen. So sollte sichergestellt werden, dass möglichst viele Produkte aus dem eigenen Haus verkauft wurden. Die Rechnung ging jedoch nicht auf, da sich die Kunden nicht auf limitierte und oftmals teure Smart-Home-Systeme einschränken lassen wollten. In den letzten Jahren hat bei vielen Herstellern deshalb ein Umdenken eingesetzt. Unternehmen wie der FRITZ!Box-Hersteller AVM (aber auch Panasonic, Gigaset oder die Deutsche Telekom) setzen beispielsweise auf DECT-Funk bzw. auf den Ultra-Low-Energy-Standard (ULE), der auf DECT-Frequenzen basiert. ULE gilt als besonders sicher, was gerade im Smart Home für viele Anwender wichtig ist. Vor allem aber lassen sich ULE-basierte Produkte, die von der ULE Alliance zertifiziert wurden bzw. das HAN-FUN-Protokoll nutzen, über Herstellergrenzen hinweg kombinieren. Damit ermöglicht der Standard genau das, was Endkunden sich für ihr Smart Home wünschen.

ULE ermöglicht herstellerübergreifendes Smart Home

Der ULE-Standard verfügt über eine besonders hohe Reichweite, sodass sich Heizthermostate, Bewegungsmelder und andere smarte Geräte im gesamten Haus leicht vernetzen lassen – oftmals einfach per Knopfdruck. Bereits vorhandene Geräte wie DECT-Gateways können von den Herstellern per kostenlosem Update ULE-fähig gemacht werden, sodass Kunden, die beispielsweise bereits eine FRITZ!Box besitzen, keine neue Basisstation für ihr Smart Home benötigen. Seitdem AVM mit FRITZ!OS 7 nun auch das HAN-FUN-Protokoll des ULE-Standards unterstützt, können die FRITZ!-Produkte prinzipiell mit Geräten anderer Hersteller kombiniert werden, wie etwa mit den ULE-basierten Rauchmeldern, Tür-/Fensterkontakten oder auch Wandtastern der Deutschen Telekom.

Auch andere namhafte Unternehmen wie Panasonic bieten ULE-Smart-Home-Lösungen an. Da ULE eine Protokollerweiterung des DECT-Standards ist und ULE-Gateways wie eine FRITZ!Box weiterhin auch DECT-Funk unterstützen, lässt sich das Smart Home darüber hinaus auch mit DECT-Produkten erweitern, wie dem neuen Smart Speaker L800HX von Gigaset. Dieser smarte Lautsprecher unterstützt im Gegensatz zur Konkurrenz DECT und lässt sich somit nicht nur in vorhandene DECT-Systeme integrieren, sondern auch zum Telefonieren in HD-Qualität nutzen. DECT ist anderen Standards wie WLAN bei der Sprachübertragung deutlich überlegen und damit wesentlich zuverlässiger. Der Lautsprecher von Gigaset, der auch Alexa-Skills unterstützt, lässt sich leicht mit einem DECT-fähigen Router oder einer DECT-Basis verbinden. Anschließend kann man über den Smart Speaker jede Festnetz- oder auch Handynummer per Sprachbefehl anrufen oder auch das Smart Home steuern, wie etwa das Licht.

Die Türsprechanlage DoorLine Slim DECT von Telegärtner Elektronik nutzt, wie der Name bereits verrät, ebenfalls DECT und lässt sich dementsprechend ebenso mit einer FRITZ!Box verknüpfen. Das hat u.a. den Vorteil, dass man das Türgespräch fortan vom Festnetztelefon oder auch dem Handy annehmen kann. Somit kann man von jedem Ort auf die Türklingel reagieren – selbst von unterwegs.

Sprachübermittlung auch ohne Internetverbindung

Dass Sprachsteuerung ein immer wichtigerer Faktor im Smart Home wird, zeigt sich an der Popularität von Sprachassistenten wie Alexa und Siri. Auch diesbezüglich hat DECT bzw. ULE klare Vorzüge im Vergleich zu anderen Smart-Home-Standards. Denn im Gegensatz zu den genannten Sprachassistenten wird bei ULE-Lösungen nicht zwangsläufig eine Verbindung zum Internet vorausgesetzt. Vor allem bei Rauchmeldern liegt der Vorteil auf der Hand. Denn mit ULE kann das System beispielsweise selbst dann noch per Sprachanweisungen vor Gefahren warnen oder auch den besten Fluchtweg bzw. genauen Brandort kommunizieren, wenn das Internet nicht mehr funktioniert.

Die Tatsache, dass ULE den geschützten Frequenzbereich von DECT (1880-1900 MHz) nutzt, sorgt zudem dafür, dass Interferenzen mit anderen Standards und Produkten quasi ausgeschlossen sind. Andere Smart-Home-Standards müssen sich dagegen zumeist das 2,4 GHz- oder das 868 MHz-Frequenzband teilen. WLAN- und Bluetooth-Produkte in der Umgebung, aber auch Mikrowellen, können das Smart-Home-Netz folglich beeinträchtigen. Wie nervig das sein kann, weiß jeder, der sich schon mal in einem überfüllten WLAN-Hotspot dauerhaft mit dem Internet verbinden wollte. Im eigenen Smart Home dürften sich die meisten Anwender noch mehr über Datenstaus und Interferenzen ärgern.

Händler wie auch Hersteller profitieren von offenen Smart-Home-Lösungen

Verbraucher, die sich ein Smart Home aufbauen möchten, finden mit dem ULE-Funk also beste Voraussetzungen. Wer nicht gleich Unsummen investieren will, kann sich sein Smart Home nun schrittweise aufbauen – je nach dem individuellen Bedarf. Damit dürften deutlich mehr Kunden den Schritt hin zum eigenen Smart Home wagen. In der Summe verkaufen dann auch die Hersteller und Händler mehr Smart-Home-Produkte. Letztlich profitieren also auch die Hersteller vom Ende der Insellösungen.

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Auch smarte Lautsprecher wie der L800HX von Gigaset nutzen DECT-ULE – was u.a. Vorteile bei der Sprachqualität bringt.
Auch smarte Lautsprecher wie der L800HX von Gigaset nutzen DECT-ULE – was u.a. Vorteile bei der Sprachqualität bringt.

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