Donnerstag, 14. November 2019
Telekom-Kommentar zur Situation von Huawei

Hochschaubahn

Telekom |Dominik Schebach | 07.07.2019 | |  
Für Huawei ist die US-Politik eine Hochschaubahn. Zuerst wurde der Konzern von US-Präsident Donald Trump und seiner Administration auf die schwarze Liste gesetzt, jetzt – nach einem großen Aufschrei, auch der Konsumenten und US-Partner des Unternehmens – soll die Blockade gegen den chinesischen Smartphone-Produzenten und Telekom-Ausstatter zumindest teilweise wieder aufgehoben werden. Als Freibrief darf man dies allerdings nicht verstehen, denn Trump hatte seine Aussage auch gleich wieder relativiert.

Demnach müsse man über Huawei im Zuge des Handelskonflikts mit China noch extra verhandeln. Offensichtlich will der US-Präsident den Trumpf Huawei nicht ganz aus der Hand geben. Außerdem hat der Technologie-Konzern einige durchaus prominente Abgeordnete und Senatoren im US-Kongress gegen sich, wie Berichte in den führenden US-Medien wie zB der New York Times nahelegen. Die Volksvertreter sorgen sich vor allem darum, dass die USA in Sachen 5G den Anschluss zu verlieren droht. Daran hat zwar Huawei nicht alleine Schuld, aber das Unternehmen hat in den USA sagen wir einmal eine schlechte Presse. Die Sanktionen gegen den Telekom-Giganten waren dann auch eine der wenigen Maßnahmen von Trump, die auf so etwas wie eine überparteiliche Zustimmung trafen.

Dh, mit Huawei wird es in den kommenden Wochen und Monaten wohl noch öfters auf und ab gehen. Der wankelmütige US-Präsident wird Sanktionen gegen Huawei als innen- und außenpolitisches Spielgeld einsetzen. Langfristige Sicherheit sieht da anders aus. Und auch wenn die österreichischen Betreiber Huawei hier die Stange gehalten haben, international wird das nicht ohne Folgen bleiben. Da ist einerseits Huawei selbst. Der Konzern versichert zwar, dass man weiterhin in der Android-Welt bleiben möchte, gleichzeitig strickt man jedoch an einer eigenen Version des Betriebssystems. Damit wäre zumindest eine Baustelle bereinigt. Wie es sich allerdings gezeigt hat, ist der Hersteller auch bei den Lizenzen für die Technologie verwundbar. Diese kann man kurzfristig kaum ersetzen, da diese Patente sozusagen das Fundament der Smartphone-Entwicklung bilden. Damit bleibt dieser Bereich weiterhin eine Achillesferse für das Unternehmen, auch wenn Huawei über eines der größten Entwicklungsbudgets der Branche verfügt.

Auf der anderen Seite müssen sich weltweit natürlich auch die Netzbetreiber fragen, wie weit die Konzentration auf immer weniger Lieferanten in ihrem Sinne ist. Wenn mehr als 90% der gelieferten Smartphones von drei Marken kommen, dann erinnert das an große anfällige Monokulturen. Bei einem unvorhergesehenen Ereignis, das zum Ausfall eines Lieferanten führt, wird es damit eng. So ein Volumen ist auf die Schnelle nicht leicht zu ersetzen und wie die Krise gezeigt hat, können solche Entscheidungen praktisch über Nacht fallen. Ich bin deswegen neugierig, ob international aufgestellte Telekom-Konzerne in Zukunft ihr Risiko nicht breiter streuen und bewusst auch andere Marken in ihren Smartphone-Sortimenten forcieren werden.

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