Donnerstag, 14. November 2019
Editor's Choice22 Insolvenzen pro Werktag

Creditreform: Anzahl der Insolvenzen stagniert dank guter Konjunktur

Hintergrund |Dominik Schebach | 12.07.2019 | |  
(© Creditreform) Auch im 1. Halbjahr 2019 hat der positive Trend angehalten. Wie die Zahlen der Creditreform Insolvenzstatistik zeigen, gingen die Firmeninsolvenzen in den ersten sechs Monaten des Jahres leicht, um rund 1%, zurück.  Dabei ist die Zahl der eröffneten Verfahren um 0,8% auf 1.565, die mangels Vermögen abgewiesenen Insolvenzen um rund 1,4% auf 1.091 Fälle gesunken.

„Trotz mancher Unkenrufe erweist sich die österreichische Wirtschaft als stabil. Auch wenn der Optimismus angesichts so mancher globaler Herausforderung einer realistischeren Einschätzung gewichen ist, sind die heimischen Betriebe dank starker Eigenkapitalausstattung gewappnet. Das schlägt sich auch auf die positive Insolvenzentwicklung nieder“, erklärt dazu Creditreform-GF Gerhard Weinhofer.

Laut Creditreform waren bei allen Insolvenzverfahren in Österreich in Summe rund 7.000 Arbeitsplätze und 27.800 Gläubiger betroffen. Die Insolvenzverbindlichkeiten werden auf ca. 700 Mio. Euro geschätzt. Bei einer Creditreform-Befragung der Gläubiger im Frühjahr 2019 haben 78% der Unternehmen Managementfehler bzw. 57% Kapitalmangel (i.e. zu wenig Eigenkapital) als Hauptursachen von Insolvenzen genannt. 44% der befragten Betriebe waren in den letzten 12 Monaten von einer Kundeninsolvenz betroffen, fast 22% sogar von mehr als zwei Insolvenzen. Lediglich 23% hatten keine Forderungsverluste zu beklagen.

Bundesländervergleich

Sieht man sich die Bundesländer an, so sticht Kärnten positiv hervor. Das südlichste Bundesland meldete den größten Rückgang an Insolvenzen (-18,3%), gefolgt von der Steiermark (-16,4%) und Wien (-,54%). Dagegen verzeichneten die Bundesländer Tirol (+31,5%), Salzburg (+21,3%) und Burgenland (+9,5%) einen Zuwachs an Insolvenzen.

Die höchste relative Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien mit knapp 11 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen. Jede 3. Insolvenz hat in der Bundeshauptstadt stattgefunden. Österreichweit wurden im Durchschnitt etwas mehr als 7 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.

Branchenvergleich

Absolut betrachtet gab es mit 490 Insolvenzen die meisten Verfahren bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen gefolgt vom Handel (464) und dem Bauwesen (436). Den größten Anstieg verzeichnete die Verkehr- und Nachrichtenübermittlung (Transportwesen) mit einem Plus von 20,8%. Stark rückläufig waren die Insolvenzen im Kredit- und Versicherungswesen mit einem Minus von 41,4%.

Gesamtbild 1.HJ 2019

Aus der Entwicklung aus den Insolvenzen sowie der eigenen Befragung von 1.700 österreichischen Unternehmen schließt die Creditreform, dass es den österreichischen Unternehmen nach wie vor gut gehe. Alle Parameter weisen demnach auf eine nach wie vor gute und stabile Wirtschaftslage der österreichischen KMU hin. Auch die Exporte und die Kauflaune der österreichischen Konsumenten sollten Grund zur Freude geben. Die heimischen Betriebe hätte nach Einschätzung von Weinhofer die gute Konjunktur auch genutzt, um ihre Kapitalreserven aufzustocken, sodass 39% der Unternehmen schon über eine Eigenkapitalquote von mehr als 30% verfügen.

Allerdings trüben einige Unsicherheiten den Ausblick, wie Weinhofer in seiner Zusammenfassung anmerkt: Da seien einerseits der nahende BREXIT, andererseits die heranziehenden Handelskriege der USA mit China und der EU und die damit einhergehende Gefährdung des weltweiten Wachstums sowie die wirtschaftspolitischen Unsicherheiten in Italien mit einer Ansteckungsgefahr für die Eurozone zu nennen. Hingegen wäre ein Ende der Nullzinspolitik der EZB nicht automatisch mit mehr Unternehmensschließungen und Insolvenzen verbunden wie die Entwicklung in den USA zeigt. Denn dort sind die Firmeninsolvenzen trotz steigender Zinsen sogar zurückgegangen.

 

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