Dienstag, 15. Oktober 2019
Multimedia-Kommentar E&W 9/2019

Berliner Blues

Multimedia |Wolfgang Schalko | 15.09.2019| Bilder | |  

Wolfgang Schalko
In Berlin ist kürzlich die IFA über die Bühne gegangen und was die Unterhaltungselektronik angeht war die Messe heuer – ja, was eigentlich? Eine gute Frage, die ich mir schon bei meinen Runden durch die Messehallen und natürlich auch danach gestellt habe. Ohne es tatsächlich auf den Punkt bringen zu können, ist es mir mittlerweile zumindest gelungen, mich der Antwort anzunähern…

Die diesjährige IFA war angesichts der zahlreichen durchaus interessanten Produktneuheiten, technologischen Weiterentwicklungen und bemerkenswerten Details definitiv zu gut, um als herbe Enttäuschung gewertet zu werden. Sie war angesichts der fehlenden Revolutionen, der spärlich gesäten „echten” Innovationen und dem Mangel an großen Visionen allerdings auch nicht gut genug, um als durchschlagender Erfolg gelten zu können. Summa summarum war die IFA – wie schon in den vergangenen Jahren – in vielerlei Hinsicht eine Messe der Suchenden und der Getriebenen. Auf der einen Seite jene, die vergeblich nach dem „Next Big Thing” Ausschau hielten und die bis zuletzt die schlussendlich unerfüllte Hoffnung hegten, dass der Funke der Begeisterung endlich überspringen möge. Auf der anderen Seite jene, die mit allen erdenklichen Mitteln versuchten, Begehrlichkeiten zu wecken und einem – nicht nur wegen der sich anbahnenden Konjunkturflaute – ins Stocken geratenen Markt einen positiven Spin zu geben.

Gerade weil das bis hierhin Gesagte nicht nur positiv aufs Gemüt schlägt, drängt sich eine weitere Frage förmlich auf: Kann eine Messe wie die IFA tatsächlich enttäuschend sein? Viele würden wohl wie aus der Pistole geschossen mit einem lauten „Ja!!” antworten und zugegebenermaßen verleiten Erinnerungen an Jahre, in denen sich die wesentlichen UE-Themen der IFA um flache vs. gebogene Fernseher oder 3D mit aktiver oder passiver Brille drehten, zu einer solchen Antwort. Dem möchte ich jedoch folgendes entgegen halten: Eigentlich nicht, denn das im dortigen Rahmen Gebotene ist das Werkzeug und das Material, mit dem der Handel in den nächsten Wochen und Monaten arbeiten – dh sein Fortkommen bestreiten – muss. So gesehen ist jeder Händler immer auch Handwerker, und als solcher sollte man die Dinge mit der gebotenen Professionalität betrachten. Schließlich lässt sich mit der richtigen Herangehensweise aus allem etwas machen, und wenn der Beruf auch noch Berufung ist, dann erst recht – selbst in herausfordernden Zeiten wie diesen.

Wir brauchen uns aber auch nichts vorzumachen: Die Branche im Allgemeinen und die Unterhaltungselektronik im Speziellen befinden sich in einer Phase der Konsolidierung – auf Hersteller- ebenso wie auf Groß- und Einzelhandelsseite. Während sich der in den letzten Jahren (zu) wachstumsverwöhnte TV-Sektor gerade zu einem Ersatzgerätemarkt gesundschrupft ist es müßig, wenn nicht sogar grob fahrlässig, auf externe Einflussfaktoren vom Rang eines Wunders zu hoffen oder zu warten. Wenn als Fachhändler jedoch etwas gefragt ist, dann mit Sicherheit Expertise am Gerät und Qualität im Verkauf – oder wie es der stv. FEEI-GF Manfred Müllner in der Coverstory der kommende Woche erscheinenden E&W 9/2019 formuliert: „Business ohne Menschen funktioniert nicht.”

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