Dienstag, 26. Mai 2020
Der RS Components Country Manager im E&W Interview

Christian Loidolt: „Potenzial ohne Ende”

E-Technik | Wolfgang Schalko | 23.09.2019 | Bilder | | 1  
Christian Loidolt hat nach Stationen im internationalen Management letzten August bei RS Components angedockt und als Country Manager Austria, Switzerland & Slovenia die Verantwortung für die österreichische Landesgesellschaft übernommen. Mittlerweile hat sich der gebürtige Steirer bestens im Waldviertel eingelebt und fühlt sich bei RS „absolut wohl”. Christian Loidolt hat nach Stationen im internationalen Management letzten August bei RS Components angedockt und als Country Manager Austria, Switzerland & Slovenia die Verantwortung für die österreichische Landesgesellschaft übernommen. Mittlerweile hat sich der gebürtige Steirer bestens im Waldviertel eingelebt und fühlt sich bei RS „absolut wohl”. Als Distributor für Elektronik, Automations- und Steuerungselemente, Werkzeuge und Verbrauchsmaterialien ist RS Components am Weltmarkt eine große Nummer und auch hierzulande zeigt die Entwicklung nach oben. Seit knapp einem Jahr trägt Christian Loidolt die Verantwortung für Österreich. Im E&W Gespräch erklärt er das Erfolgsrezept von RS, den Standort Gmünd und worauf es im Handel wirklich ankommt.

Wie lässt sich RS beschreiben?
Christian Loidolt: RS Components ist ein High Level Distributor. Vom Großhändler, der wir rein technisch betrachtet im B2B-Bereich ja sind, unterscheiden uns mehrere Aspekte. Der klassische Großhändler, im Elektro- genauso wie in anderen Bereichen, hat zumeist eine begrenzte Anzahl von Artikel, dh maximal 100.000-130.000. Wir stehen aktuell bei weit über einer halben Million und das Ziel für die nächsten ein, zwei Jahre ist dies deutlich auszubauen. Über die Jahre hat RS ein riesiges Sortiment aufgebaut, das Bereiche wie Elektronik und Elektrotechnik, Test- und Messgeräte oder Industriebedarf abdeckt – und in allen haben wir natürlich Mitbewerber. Definitiv einzigartig ist unsere Eigenmarke RS PRO, unter der wir – abgesehen von den 2.500 Lieferanten in unserem Sortiment – quer über das ganze Produktspektrum eine Range von ca. 70.000 Artikeln anbieten.

Was deckt man mit RS PRO ab? Produkte, die Lieferanten nicht führen, oder eher kostengünstige Nachbauartikel?
Das ist unterschiedlich: Zum einen versucht man zu modifizieren, um ganz spezielle Anforderungen erfüllen zu können, zum anderen ist RS PRO tatsächlich oft eine günstigere Alternative zum Markenhersteller.

Dh man verfolgt hier den Ansatz, möglichst alles bieten zu können?
Es gibt eine eindeutige und simple Konzernstrategie, die lautet: First Choice. First Choice für unsere Kunden aber auch First Choice für unsere Lieferanten, Mitarbeiter und Shareholder. Wenn B2B- oder Industriekunden im indirekten Einkauf einen Partner suchen, wollen wir als RS hier die erste Wahl sein – denn normalerweise gibt es da viele verschiedene Lieferanten für Werkzeug, Verbrauchsmaterial, Elektronikkomponenten, etc. Das ist auch der Grund, warum wir heute zum einen das Produktspektrum extrem ausweiten und zum anderen sehr viel Geld ins Thema E-Commerce und E-Procurement investieren. Elektronische Beschaffungslösungen werden in Zukunft nicht nur im Industriebereich, sondern generell im B2B-Geschäft, dh auch im Mittelstand, immer wichtiger. Wir bieten unseren Kunden verschiedene Varianten, sich hier direkt bei uns anzubinden. Damit haben sie Zugriff auf unsere breite Produktpalette und zugleich einen enormen Vorteil bei den Prozesskosten.

Wie läuft der Vertrieb in Österreich?
Zunächst muss man wissen, wie RS strukturiert ist: In nahezu jedem Land sitzt eine Vertriebsgesellschaft, aber nicht in jedem Land gibt es Logistik, Human Resources, etc – dh wir sind eine klassische Matrixorganisation. Das gilt auch für den Standort Gmünd, wo der Vertriebs-Innendienst, das Customer Service, der Technical Sales und die Steuerung des Vertriebs-Außendienstes die vier großen Tätigkeitsbereiche bilden. Darüber hinaus ist Gmünd innerhalb des Konzerns ein sehr wichtiger Standort, weil hier nicht nur alles zusammenläuft, was in meinen vertrieblichen Verantwortungsbereich fällt, nämlich die Länder Österreich, Schweiz und Slowenien, sondern auch, weil der Bereich Customer Service verstärkt wurde und hier nun seit einigen Monaten der Customer Service für die gesamte DACH-Region angesiedelt ist. Diesen Bereich leitet mein Kollege Reinhold Bock, der als Director Customer Service Central Europe den Customer Service in Zentraleuropa verantwortet. Ebenso ist die Leitung der Debitorenbuchhaltung für Zentraleuropa hier in Gmünd angesiedelt.

Bei RS spielt der Online-Vertrieb eine besonders wichtige Rolle.
Mittlerweile generieren wir über 60% unseres Umsatzes online – quer über den Konzern und auch in Österreich. Diesbezüglich sind wir unter den Distributoren und Großhändlern sicher führend. Wir haben schon vor Jahren begonnen, massiv im E-Commerce Bereich zu investieren. Daher sind wir hier heute sehr stark am Markt – gerade auch, was die RS Homepage angeht und welche Möglichkeiten sie unseren Kunden bietet. Über unsere Online-Plattform bedienen wir große wie auch kleinere Kunden schon sehr gut, trotzdem werden die Top-Kunden zusätzlich von unserem Vertriebs-ID oder -AD betreut – weil Großkunden andere Anforderungen haben und einen direkten Ansprechpartner wollen. Dh der Multikanalvertrieb ist ein wesentlicher Aspekt auf dem Weg zu „First Choice“, den wir auch leben.

Sehr interessant ist bei RS die Logistik: 24 Stunden-Lieferung bei einer so enormen Sortimentsgröße und selbst bei Kleinmengen – wie funktioniert das?
Wir verfügen europaweit über einige Distributionszentren. Wenn es konkret um Österreich geht, ist das unser Distributionszentrum in Bad Hersfeld in Deutschland, nordöstlich von Frankfurt. Die Lieferzeit binnen 24 Stunden und die Lieferung von Kleinstmengen haben seit jeher zu den Stärken von RS gezählt. Um das weiterhin in der gewohnten Form bieten zu können, werden in Bad Hersfeld gerade mehr als 50 Millionen Euro investiert und die Kapazitäten dort vervielfacht.

Wer sind die Hauptzielgruppen?
Das sind in Österreich bis dato eindeutig Industriekunden, allerdings keine spezielle Industrie, sondern quer durch alle Bereich und Branchen. Mit unserer Produktpalette können wir ja alles abdecken: Automotive, Elektronik, Medizintechnik, Zulieferer, etc. Einen starken Anteil haben auch Universitäten und technische Schulen, um die Ingenieure und Techniker der Zukunft zu erreichen.

Sehen Sie sich in Bereichen wie Elektronik oder der klassischen Elektrotechnik als direkten Mitbewerber zu den alteingesessenen Großhändlern?
Ja und nein. Bei unseren zentralen Kundengruppen aus der Industrie und dem Bildungsbereich haben wir noch Potenzial ohne Ende – was naheliegend ist, wenn man so breit aufgestellt ist wie wir und vom Sekundenkleber über den Schraubenzieher bis zum Passivbauteil oder dem Roboterarm alles bietet. Durch dieses schon öfters angesprochene breite Produktspektrum, sind wir einfach generell Wettbewerber von vielen Firmen die sich als Lieferant oder Partner dem indirekten Einkauf in einem Industrieunternehmen präsentieren.

Apropos: RS will die Produktpalette auf ein bis zwei Millionen Artikel ausbauen – welche Strategie steckt da dahinter?
Wir analysieren – gemeinsam mit unseren Kunden – was gebraucht wird bzw welche Bereiche wir verbreitern oder welche Sortimente wir vertiefen müssen, um den Kunden optimal bedienen können. Damit sind wir wieder beim Thema First Choice. Wenn ich erste Wahl sein will, ist es essenziell, einerseits bei der Menge der angebotenen Artikel wie auch in Bezug auf die verfügbaren Lieferanten breit aufgestellt zu sein, andererseits geht es um die Tiefe des Sortiments. Da haben wir noch Lücken, die wir schließen wollen, um beim Kunden noch weiter nach vorne zu kommen – und so nehmen wir gezielt laufend Produkte dazu.

Wie läuft das unternehmensintern? Machen alle Vertriebsgesellschaften Vorschläge und das Headquarter entscheidet dann darüber?
Die EMEA-Region ist in drei Subregionen gegliedert: Südeuropa mit Ländern wie Italien, Frankreich und Spanien, Nordeuropa mit Skandinavien und dem Heimmarkt UK, und schließlich Zentraleuropa, wo neben Benelux und Osteuropa auch die DACH-Region dazugehört. Sehr viele Funktionen sind in unserem Zentraleuropa-Headquarter in Frankfurt angesiedelt. Bereits vor Jahren wurde bei RS begonnen, organisatorische Bereiche zu dezentralisieren und damit Entscheidungskompetenz in die Regionen zu verlagern. Natürlich werden gewisse Entscheidungen weiterhin in England getroffen, aber Themenfelder, die uns im Vertrieb betreffen, sowie länderspezifische Erfordernisse werden in den jeweiligen Regionen bearbeitet und da hat sich mittlerweile eine gute Balance eingespielt.

Bei aller Liebe zum Waldviertel – für ein Unternehmen mit der Bedeutung von RS ist ein Firmensitz in dieser Region doch eher ungewöhnlich.
Der Standort Gmünd hat ja eine Historie: Der Markteintritt von RS in Österreich ist 1992 durch die Übernahme der Firma Verospeed erfolgt, die eben hier in Gmünd ansässig war. Als Firma ist man immer nur ein Kollektiv von vielen Menschen – und von diesen Menschen bzw deren Einstellung hängt es ab, ob man erfolgreich ist oder nicht. Gerade der Handel ist ja keine Raketenwissenschaft, sondern dafür braucht es vor allem bodenständige, fleißige, zuverlässige Mitarbeiter mit Hausverstand – und das trifft‘s hier 1:1. Genau deswegen sind wir am Standort Gmünd so erfolgreich und werden uns hier auch weiterhin gut entwickeln.

Bilder
Gmünd ist im Konzern ein wichtiger Standort – unter anderem, weil seit einigen Monaten der Customer Service für die gesamte DACH-Region im Waldviertel angesiedelt ist und dieser Bereich natürlich eine tragende Säule bildet.
Gmünd ist im Konzern ein wichtiger Standort – unter anderem, weil seit einigen Monaten der Customer Service für die gesamte DACH-Region im Waldviertel angesiedelt ist und dieser Bereich natürlich eine tragende Säule bildet.
Eine tragende Säule stellen am Standort Gmünd auch die Mitarbeiter der Bereiche Inside Sales und Technical Sales dar.
Eine tragende Säule stellen am Standort Gmünd auch die Mitarbeiter der Bereiche Inside Sales und Technical Sales dar.

Kommentare (1)

  1. Ein sehr interessanter Artikel, indem es Christian sehr gut gelungen ist, über Struktur, Philosophie und Strategie eines
    Großkonzern zu informieren. Gratuliere !

    3

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