Dienstag, 15. Oktober 2019
Hot!Offener Brief von Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik

Fachhandel benötigt Spannen über 20%

Die Branche |Dominik Schebach | 04.10.2019 | | 14  
Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik wirft einen kritischen Blick auf den Zustand der Branche. Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik wirft einen kritischen Blick auf den Zustand der Branche. Das vierte Quartal hat begonnen. Die intensive Zeit für den Fachhandel steht damit vor der Tür. Für Bundesgremialobmann Wolfgang Krejcik Anlass, die Situation des Fachhandels kritisch zu beleuchten und mittels „Insider" auf die Probleme der Branche hinzuweisen. Einen Lichtblick gibt es seiner Meinung nach allerdings: Der Bedarf für die Vertriebsform Fachhandel ist nach wie vor da. Lesen Sie hier den gesamten Brief an alle Mitglieder des Gremiums für den Elektro- und Einrichtungsfachhandel.  

Fachhandel benötigt Spannen über 20%

Sehr geehrte Damen und Herren!

Gestatten Sie mir, dass ich am Beginn einer sicher nicht ganz einfachen Saison eine kurze Bestandsaufnahme vorlege.

Während das Geschäft mit TV-Geräten stagniert, wir werden die Zahlen vom Vorjahr nicht erreichen, läuft der Bereich Haushaltsgeräte sehr zufriedenstellend. Auch konnten wir im heißen Sommer wieder vom Verkauf von Klimageräten profitieren.

Es ist mehr als bekannt, dass unsere Branche besonders unter einer fast unerträglichen Konkurrenzsituation mit ausländischen Versandfirmen leidet. Diese Firmen zahlen in Österreich geringe oder keine Steuern und Abgaben und leiden nicht unter den zahlreichen Auflagen, beispielsweise im Umweltbereich.

Das Bundesgremium ist zu diesem Thema mehr als intensiv beschäftigt. Ich selbst habe in diesem Jahr viele Ministerien besucht, Netzwerke mit Ministerbüros geknüpft und unsere Position klargemacht. Durch die vorzeitige Auflösung unserer Regierung haben wir, habe ich, aber einen schweren Rückschlag erlitten. Es ist uns lediglich gelungen, dass spätestens ab 1.1.2021, hoffentlich schon früher, bei jeder Warensendung aus dem Ausland eine Einfuhrumsatzsteuer verrechnet wird. Bisher gab es eine Freigrenze bis 22 Euro.

Als Folge dieser Konkurrenzsituation resignieren viele Unternehmer oder sind gar insolvent. Mitarbeiter flüchten in andere Branchen. Dazu kommt noch, dass unsere eigenen Lieferanten durch Direktvertrieb und Bevorzugung ausländischer Versandhändler uns das Leben nicht leichter machen.

In den letzten Jahren mussten wir immer mehr Produkte verkaufen, die zwar gefragt sind, jedoch keine auskömmlichen Spannen ermöglichen. Diese Zeiten sind vorbei! Wir überleben nur dann, wenn wir Leistungen anbieten, die den Konsumenten wieder in unsere Geschäfte bringen. Dazu zählen Verbesserungen bei Geschäftsausstattung, geschultes Verkaufspersonal, attraktive Ausstellungsräume, bedarfsgerechte Serviceleistungen etc. Wir müssen wieder lernen, Produkte, die nicht so nachgefragt sind, die wir aber empfehlen – und mit denen wir Geld verdienen – zu verkaufen.

Der stationäre Handel hat eine Spannenproblematik. Mit einstelligen Spannen ist das Überleben mit den Kosten eines Fachbetriebes (Fachpersonal, Ausstellung, Serviceleistungen) nicht möglich. Ein Fachbetrieb muss eine Spanne über 20% erzielen.

Die Nachfolgeproblematik stellt eine weitere Bedrohung für uns dar. Oft besteht die Unternehmensplanung nur mehr darin, wann und wie der Betrieb geschlossen werden kann. Wir planen eine Nachfolgebörse mit Unterstützung unserer Fachmedien zu installieren.

Trotz dieser kritischen Bestandsaufnahme bin ich jedoch überzeugt, dass es nach wie vor einen ungeheuren Bedarf für die Vertriebsform „FACHHANDEL“ gibt, ja er ist mittelfristig unersetzbar. Bei einer Studienreise in England, der „Hochburg“ für e-commerce, konnte ich feststellen, dass fast alle Internet-Anbieter inzwischen sehr aufwendige Schauräume eröffnet haben, da bei vielen Produkten Online Präsentationen nicht ausreichen. Der Konsument möchte die Ware auch in Natura prüfen. Ich hoffe, dass auch unsere Lieferanten bald erkennen werden, dass eine lokale Präsenz unverzichtbar ist.

Natürlich muss der Fachhandel ein zeitgerechtes Konzept anbieten. Dazu zählt auch ein optimales Zusammenspiel von Internetaktivitäten und dem stationären Handelsgeschäft.

Intensive Marketinganstrengungen „Was will unser Kunde?“ sind erforderlich. Gehen Sie davon aus, dass auch mich diese Frage Tag und Nacht mehr als bewegt.

Veranstaltungen wie zum Beispiel die Funkausstellung in Berlin sind wertvolle Informationsquellen. Welche Produkte, welche Marken sind vom Konsumenten besonders begehrt? Welche Leistungen werden verlangt? Betriebe, die sich hier bemühen, haben eine durchwegs positive Geschäftsentwicklung.

Der umfangreiche Aufgabenbereich unseres Bundesgremiums stellt die Chancengleichheit zwischen Klein- und Großbetrieben, zwischen ausländischen Anbietern und dem lokalen Handel nach wie vor in den Mittelpunkt seiner Bemühungen.

Ich wünsche uns allen ein gutes Geschäft für unsere Hauptsaison und freue mich, wenn ich von Ihnen höre.

 

Kommentare (14)

  1. Das Problem liegt nicht nur bei der Industrie wenn die eigenen Kollegen die Preise runterholen. Mein Mitbewerber verkauft die Geräte zum Kap Preis incl Leistungen. Könnte ja sonst ich das Geschäft machen!

  2. was nützt uns eine Spanne von 20%,
    wenn der Umsatz im Lebensmittelhandel oder im Internet erzielt wird, bzw. die Industrie direkt verkauft…
    nicht zu vergessen die WKZ für die Großfläche,
    die großen die Steuern nicht bei uns bezahlen,
    der Kunde kauft bei Amazon, sägt dadurch eigentlich an seinen eigen Arbeitsplatz(allg. Kaufkraft),
    das wird noch spannend, die Industrie sagt ja sie braucht uns!?

    wo bleibt unsere Greta Thunberg?

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  3. Es ist ein großes Glück, dass der Fachhandel im Gegensatz zu seinem Bundesgremialobmann erkannt hat, dass die Herausforderungen und deren Ursachen, die sich der Fachhandel stellen muss, viel komplexer sind als in diesem offenen Brief beschrieben.
    Es ist erfreulich, dass es der Fachhandel durch geschickte Marktanpassungen schafft, gegen wesentlich mächtigere Marktbegleiter zu bestehen.
    Es ist begrüßenswert, dass der Fachhandel gemeinsam mit seinen Lieferanten nach Lösungen für die großen Problem sucht.
    Es ist irritierend, dass ein Bundesgremialobmann mit einem offenen Brief versucht, Fachhandel und Industrie auseinanderzudividieren.
    Es ist verwunderlich, dass ein Bundesgemialobmann so wenige Einblick in die tatsächlichen Strategien der lokalen Niederlassungen der Lieferanten hat.
    Willkommen im Jahr 2019!

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    1. @nichts verstanden: Applaus! Stünden Sie als Bundesgremialobmann zur Verfügung? Das wäre einmal eine völlig neue Einstellung zur Sache, Sie sprechen offenbar wirklich aus der Praxis!

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    2. Ich glaube, dass unser BGO genügend Einblicke hat nachdem er selbst seit Jahrzehnten Fachhändler ist … Ich finde es nicht ganz fair dass so viele auf ihn hinhauen . Diejenigen sollen es selbst einmal besser hinbekommen und sich nicht schimpfend hinter Pseudonymen verstecken!

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      1. Dann bitte einmal die Preise vom BGO ansehen, bleiben da echt 20% übrig?
        Wenn immer nur Worte zu vernehmen aber keine Taten zu sehen oder merken sind, wird man wohl auch sagen dürfen das es zuwenig ist. Auch wenn es anonym ist, bleibt der Sinn der gleiche.

  4. Heute bekannt geworden: Bose zahlt 650.000 EUR wegen Preisabsprache. Praktisch alle große Firmen hatten schon entsprechenden Besuch, viele haben zahlen müssen. ‚Chancengleichheit Klein-und Großbetrieb‘: genau dafür sorgen die Wettbewerbshüter, denn Diskriminierung wird wie man sieht teuerst bezahlt. Herr K fordert stabile Margen, diese sind in einem harten Wettbewerbsumfeld ohne Preisabsprache nicht machbar (weil ja 99% der Fachhandels- Preistreiber selbst Kooperationsmitglieder sind.) Der Fachhandel hat am Papier seit jeher Margen von weit mehr als 20% . Was in diesem Schreiben INDIREKT und unausgesprochen gefordert wird, ist ILLEGAL und kostet Bose gerade 650 TEUR.

    Fragen?

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  5. Ja, ja, wenn das Thema nicht so traurig wäre.
    Ehrlich, wer hat E-Commerce kritisiert und ist bis Dato selbst aktiv und dies mit einer gewissen „Aggressivität“.
    Leere Worte, leere Worte….. Kufstein Galerie…weg, Juritsch in Klagenfurt…weg, Gross in Linz…weg, Häninger in Innsbruck…weg, Wober in Lauterach…weg und weitere FH werden folgen.
    Der FH hat Chancen, mehr denn je….aber fokussiert auf die Dienstleistung.
    So ist es. Die Kooperation lebt v. Umsatz und der FH v. Ertrag, wo ist hier der Schnittpunkt?
    Dieser sollte in der Dienstleistung liegen. Aber wer interessiert sich schon für Vernetzung, wer interessiert sich für Android und deren Möglichkeiten.
    Ja, das sieht man schon am Interesse betreffend der IFA in Berlin. Eine Handvoll Fachhändler waren vor Ort.
    Lieber doch zHaus bleiben, einen Kaffee trinken und warten….warten….warten….bis ein Kunde das Geschäft betritt, ach ja und dann die TV Aktion anbieten wo man eh € 25,- „verdient“.
    Irgendwie geht’s eh weiter.
    Ein Dankeschön an die Gremien, der Stillstand hat gesiegt.

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  6. Das Schreiben könnte auch 10 Jahre alt sein. Der Amazon Killer wird’s richten: Bald ist Amazon gekillt. Die Lieferanten werden den Fachhandel lieben, und wenn wir es uns alle stark genug wünschen, dann wird auch Ungarn und Südtirol wieder zu Österreich gehören. Alles wird gut.

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      1. Bestimmt werden sich die Lieferanten bedanken für die Info, denn sie wussten das mit den 20% nicht! Da lag die ganze Zeit der Hund begraben! Oder auch darin dass der Fachhandel den Aufbau von Geizhals finanziert hat, und damit die Millionengagem des Griechen der als Rattenfänger mehr Geld verdient hat als die meisten rechnen können. Und als das in e&w thematisiert wurde, da startete Geizhals eine Kampagne gegen Lieferanten denen die Verkaufspreise nicht egal sind, und der Fachhandel hat sich da kräftig beteiligt. Dann hat der Grieche und sein Team die Bude verkauft, und nochmal so richtig abkassiert. Ja, wo sind denn die Margen hin?

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