Dienstag, 15. Oktober 2019
Praxis bei Erdungsanlagen braucht dringend eine Veränderung

NÖ Elektroinnung: Erfolgreiche erste Blitzschutz-Tagung

E-Technik |Wolfgang Schalko | 04.10.2019 | |  
Veranstalter und Besucher waren sich einig: Die 1. NÖ Blitzschutztagung war eine gelungene Veranstaltung. Im Bild (v.l.n.r.): Wolfgang Schulz, Andreas Iser, Friedrich Manschein, Helmut Pichl und Martin Schranz. Veranstalter und Besucher waren sich einig: Die 1. NÖ Blitzschutztagung war eine gelungene Veranstaltung. Im Bild (v.l.n.r.): Wolfgang Schulz, Andreas Iser, Friedrich Manschein, Helmut Pichl und Martin Schranz. (© Doris Bracher) Am 25. September fand im WIFI in St. Pölten die erste Blitzschutztagung statt. Initiiert wurde diese Fachveranstaltung von Andreas Iser, dem Vorsitzenden des Arbeitsausschusses Erdung & Blitzschutz der Elektrotechniker der Wirtschaftskammer Österreich. Die Teilnahme von rund 300 Besuchern bestätigte die Brisanz eines Themas, das meist nur am Rand beleuchtet wird.

Das Programm startete mit einem interessanten, wissenschaftlichen Vortrag über Blitzphysik und Blitzortung. Der Referent Wolfgang Schulz beeindruckte mit außergewöhnlichen Bildern, die so vom Großteil des Publikums noch nie gesehen worden waren. Deutliche Worte zur Praxis, die sich von den Vorschriften zur Errichtung von Erdungsanlagen unterscheiden, fielen bei der anschließenden Podiumsdiskussion. Gesprächsteilnehmer waren Landesinnungsmeister Friedrich Manschein, Helmut Pichl (Fachgruppenobmann der Ingenieurbüros Niederösterreichs) und Martin Schranz (Fa. Zentraplan Wr. Neustadt) als Vertreter der Elektrotechnikplaner, es moderierte Veranstalter Andreas Iser. Bau-Innungsmeister Walter Seemann musste seine Teilnahme leider krankheitsbedingt absagen, sodass die vielen Schnittstellen bei Blitzschutzanlagen und Erdungen nicht wie geplant beleuchtet werden konnten – schließlich zeigen sich gerade diese Schnittstellen bzw. die Planungsphase als Herausforderungen.

„Erdungsanlage – lästiges Übel oder doch wichtige Grundvoraussetzung“ war das Thema des Abschlussreferates von Andreas Iser. Darin wurde nochmals auf die Wichtigkeit der normgerechten Erdungsanlage hingewiesen und in verschiedensten Fallbespielen die normgerechte Position und Montage der Erderleitungen erklärt.

Herausforderung Prozessablauf bei Erdungsanlagen

Die Schwierigkeiten zum Errichten einer Erdungsanlage beginnen bei der Planung, da der Prozess oft in umgekehrter Reihenfolge verläuft, als es die Errichtung verlangen würde. Dies war das zentrale Anliegen, das Andreas Iser veranlasste, Beteiligte unterschiedlicher Gewerke an einen Tisch zu bekommen und zu sensibilisieren. Wie können wir effizienter den Start eines Bauprojektes angehen? Dies war seine Einstiegsfrage an die Gesprächspartner mit dem Ziel, über alternative Lösungen für die gängige Praxis nachzudenken, die vielfach Ärger bereitet – und aufzuzeigen bzw. einen ersten Schritt zu setzen, damit die Schnittstellenarbeit koordinierter ablaufen und so besser gelingen kann.

LIM Manschein wies darauf hin, dass es einen Unterschied macht, ob das Projekt ein Einfamilienhaus und damit eine „kleine Baustelle“ ist oder ob es sich um einen Gewerbebau bzw. eine Wohnhausanlage handelt. Bei Privaten fehlt oft der Planer, beim großen Baustellen ist wiederum die Schnittstellenarbeit die größere Herausforderung.

Helmut Pichl meinte, dass seine Branche, die für die Planung und Überwachung des Bauvorhabens zuständig ist, erst aktiv werden kann, wenn der Auftrag fix ist – und dann kann es oft zu spät sein. Bei Gewerbebauten, wo die Behörde von Anfang an dabei ist, sei dies einfacher. Aus seiner Sicht sollten jedoch die Ansprechpartner für dieses Problem die Baumeister bzw. Architekten sein, die eine Erdungsanlage als Fixum einplanen sollten.

Diese Meinung teilte Martin Schranz: „Leider fehlt das Bewusstsein, dass die Erdungsanlage die Basis jeder elektrotechnischen Anlage sein sollte – hier wird oft fälschlich gespart.”

Rechtzeitig planen spart Zeit und Geld

Es wäre notwendig, Experten für Erdungen oder Blitzschutz zeitgerecht in die Planungen zu involvieren, denn oft werden Unternehmen erst nach Fertigstellung der Betonsohle oder des Kellers kontaktiert. Dann ist es für eine korrekte und einfache Lösung zu spät. Mit einer rechtzeitigen Übermittlung der Baupläne würde den Verantwortlichen viel erspart – Zeit und folglich auch Geld.

Erdung – eine elektrotechnische Aufgabe

In der Praxis erledigen häufig Bauunternehmen, die als erstes am Bau sind, die Arbeit. Das wurde von den anwesenden Elektrotechnikern und Monteuren entschieden kritisiert, da hier die Ausführung von Nicht-Fachkräften gestattet ist. „Die Erdung ist eine elektrotechnische Aufgabe – ich habe kein Verständnis, dass Baufirmen das erledigen“, sagte Pichl – und erntete dafür vom Publikum tosenden Applaus.

BIM und Bau-KG

Zuletzt wurde noch über BIM – Building Information Modeling – als eine Möglichkeit der besseren Kooperation diskutiert, mit dem die Teilnehmer unterschiedliche Erfahrungen haben. Einerseits dürfte es für Planer die Schnittstellenarbeit erleichtern, aber gerade im Bereich der Elektrotechnik sei das Programm unpraktikabel, berichtete Schranz. Als Beispiel brachte er einen Verteiler, der unmöglich in 3D gezeichnet werden könne.

Nachwuchs sensibilisieren

Die Veranstaltung wurde in der Abschlussrunde als Auftakt für mehr Bewusstsein zum Thema Blitzschutz und Erdung gewertet – besonders gefreut hat den Veranstalter die Teilnahme zahlreicher Schüler aus den HTLs Mödling und Hollabrunn, auch die SchülerInnen der Landesberufsschule der Elektrotechnik Stockerau waren angereist. Andreas Iser betonte, wie wichtig es ist, sich bereits in der Ausbildung mit dem Thema Erdung auseinanderzusetzen.

In seinen abschließenden Worten bedankte sich der Organisator nochmals bei LIM Manschein und Landesinnungsgeschäftsführer Robert Kofler für deren Unterstützung. Beim anschließenden Buffet wurde noch angeregt weiter diskutiert.

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