Sonntag, 17. November 2019
Hintergrundkommentar E&W 10/2019 - Auch wenn sich alles scheinbar im Kreis dreht

Frust hilft nichts

Die Branche |Dominik Schebach | 13.10.2019| Bilder | |  

Dominik Schebach
Hat sich die Branche im Kreis gedreht? Diese Frage drängt sich auf, wenn man einen Blick auf die letzte Seite dieser Ausgabe wirft, denn vor genau 20 Jahren feierte die Branche die erste Futura im Design Center Linz als großen Erfolg. Diesen September fanden die zweiten Elektrofachhandels-tage im Linzer Design Center statt und die Parallelen sind verblüffend. Man könnte auch sagen, dass Veranstaltungen wachsen, vielleicht auch den Fokus verlieren und dann einen Neustart benötigen. Um dann wieder zu ihren Ursprüngen zurückzukehren. Im Nachhinein mag das frustrierend sein, weil man sich gern den ganzen Aufwand dazwischen erspart hätte. Das setzt allerdings voraus, dass sich die Branche vollkommen statisch verhält.

Wie uns die vergangenen Jahre gelehrt haben, ist das Gegenteil der Fall. Die Branche verändert sich dynamisch und ebenso müssen sich die Branchenevents den wechselnden Bedürfnissen anpassen. Es hat sich aller-dings auch gezeigt, dass es ohne Kommunikationsplattform in irgendeiner Form nicht geht. Ganz auf eine Messe zu verzichten, ist keine Option. Denn ein Format, wo sich Handel und Industrie treffen und über die Probleme der Branche, Zukunftspläne oder Strategien sprechen können, ist auch in Zeiten der Digitalisierung absolut notwendig. Wenn man sich dann noch persönlich, ohne dazwischengeschaltete Technik über die neuesten Top-Produkte seiner Lieferanten informieren kann, dann ist das ein absoluter Bonus. Denn eines ist auch klar: Das Internet kann die benötigte Diskussions- und Kommunikationsplattform offensichtlich doch nicht bieten.

Das hat jetzt meiner Ansicht nach weniger mit der Anonymität im Netz zu tun, sondern mehr mit den fehlenden nonverbalen Kommunikationskanälen, die wir tagtäglich unbewusst im persönlichen Gespräch verwenden. Damit nehmen wir unser Gegenüber offensichtlich nicht mehr als vollwertigen Mensch wahr. Die Auswirkungen davon kann man täglich im Internet beobachten: Sobald sich jemand aus der Deckung wagt, eine Position formuliert und diese vielleicht noch selbstbewusst vertritt, schalten viele automatisch auf Konfrontation um. Das ist übrigens nicht ein Problem unserer Branche, sondern ein weltweites Phänomen. Noch schlimmer wird es, sobald er oder sie dazu berechtigte Forderungen aufstellt, und diese nachdrücklich vertritt. Denn dann geht’s in der Regel gegen den Mann/die Frau, anstatt dass der Ball gespielt wird. Im schlechtesten Fall verstummt die konstruktive Kritik und der Missstand gärt im Verborgenen weiter, um später umso schlimmer aufzubrechen.

Das können wir uns nicht leisten. Frust, wegen der verkorksten Kommunikation im Netz, hilft uns in dieser Situation nichts. Hartes Argumentieren ist dagegen nie verkehrt. Schließlich dürfen wir uns nicht wegen eines unangebrachten Harmoniestrebens um die Suche nach Lösungen für die Branche herumdrücken. Für diese Diskus-sionen brauchen wir die geeignete Plattform, wo man Prob-leme ansprechen und Lösungen einfordern kann. Eine Messe bietet dazu immer eine offene Plattform. Ich bin froh, dass wir eine haben.

 

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