Sonntag, 17. November 2019
Multimedia-Kommentar E&W 10/2019

Namen statt Nummern!

Multimedia |Wolfgang Schalko | 13.10.2019| Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Eines muss man an der Messezeit definitiv zu schätzen wissen: In keiner anderen Phase des Jahres lässt sich so komprimiert eine derart hohe Anzahl von Gesprächen mit interessanten und abwechslungsreichen Inhalten führen. Natürlich dreht sich dabei vieles um den aktuellen Geschäfstgang – und dass dieser in vielen Bereichen der Unterhaltungselektronik eher mau ist, wurde erstens schon des Öfteren an dieser Stelle thematisiert und zweitens merkt diesen Umstand wohl ohnehin jeder Betroffene selbst. Ergo ist weiterhin Ursachenforschung angesagt…

Diese Ursachenforschung hat mich im Zuge besagter Messegespräche (exemplarisch werden hier drei Protagonisten genannt) in Kombination mit einem äußerst erheiternden Moment bei einem Kleingeräte-Hersteller auf der IFA zu folgender Conclusio geführt: Geräte brauchen Namen, nicht bloß Nummern.

Auf den Elektrofachhandelstagen meinte CB-Chef Christian Blumberger zur negativen Entwicklung am TV-Markt, dass diese ein „Einpendeln auf einem normalen Niveau” sei: „In der Röhrenwelt lag der Markt bei 450.000 Stück pro Jahr, Flat-TV brachte Spitze von 850.000 Geräten und es ist logisch, dass da irgendwann der Knick kommt – ich schätze, heuer werden wir bei 600.000 TVs bzw etwas darüber liegen.” Schon zuvor auf der IFA hatte Metz-VL Robert Trapp festgestellt (und damit auch das momentane Dilemma der Premium-Hersteller skizziert): „Wir – als TV-Branche – machen zwei Dinge falsch: Erstens verunsichern wir Konsumenten, weil Innovationen in so schnellen Zyklen kommen. Und zweitens werden Innovationen, wenn sie kommen, zu schnell billiger. Daher kauft der Kunde das günstige Gerät.” Alleine mit den neuen Technologien der vergangenen drei Jahre hättte man laut Trapp zehn Jahre gutes Geld verdienen können – denn jede Umstellung, etwa von SD auf HD, zeige, dass der Kunde bereit ist, Geld auszugeben. Ironischerweise habe der Abstieg des TV-Sektors aber ausgerechnet mit dem Aufkommen von HDTV vor gut zehn Jahren begonnen. Ebenfalls in Berlin war es Hannes Lechner, Sharp-VL Ö/CH, der anmerkte: „TV hat nicht mehr die Begehrlichkeit von früher – in der Vergangenheit wurden mehr TVs ausgetauscht, weil neue Technolgien kamen. Jetzt haben wir einen Ersatzgerätemarkt wie bei der Weißware. Der Stellenwert der Unterhaltungselektronik ist generell nicht mehr so hoch, gerade wenn man den TV- mit dem Mobilfunkbereich vergleicht.” Am IFA-Stand des Kleingeräteherstellers Steba schließlich stieß ich unter den Neuheiten auch auf einen sog. Power-Steakgrill mit der Bezeichnung „Devil‘s Heaven” – die mir ein ebenso spontanes wie lautes Lachen entlockte. Was für ein cooler Name! Ich bin noch immer begeistert – auch so viele Wochen nach der IFA.

Und genau das ist, was (gute!!) Namen bei Produkten bewirken: Sie wecken Begehrlichkeiten und betonen die Wertigkeit. Mir ist schon klar, dass hinter Bezeichnungen wie FJB45DRY9639 (eventuelle Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Produkten sind unbeabsichtigt und reiner Zufall) unternehmensinterne Codes stecken und Kenner der Produkte daraus sofort ablesen können, was sich dahinter verbirgt. Aber am POS sind sie höchst „unsexy” und dem Verkauf alles andere als dienlich – oder glauben Sie, das iPhone hätte als XQ1533 den gleichen Erfolg erzielt?

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