Sonntag, 17. November 2019
Hot!Internationaler Karussellbetrug in Wien aufgedeckt

Fliesen statt Smartphones im Handyshop

Telekom |Dominik Schebach | 28.10.2019 | | 1  
Ziegelbruchstücke statt iPhones fanden Steuerfahnder bei der Durchsuchung eines Handyshops im 3. Wiener Gemeindebezirk. Die Ermittler waren einem Umsatzsteuerbetrug auf der Spur. Ziegelbruchstücke statt iPhones fanden Steuerfahnder bei der Durchsuchung eines Handyshops im 3. Wiener Gemeindebezirk. Die Ermittler waren einem Umsatzsteuerbetrug auf der Spur. (© Bundesministerium für Finanzen) Einen internationalen Karussell-Betrug hat die Steuerfahndung in Wien aufgedeckt. Wie das Finanzministerium heute, Montag, mitgeteilt hat, haben die Steuerfahnder im Zuge einer koordinierten Aktion bei einer Durchsuchung bei Handyshopbetreibern anstatt von iPhones Fliesen gefunden. Die Eigentümer des Shops werden verdächtigt, Mitglieder eines international agierenden Umsatzsteuerkarussells zu sein.

Bei der Durchsuchung des Handyshops eines Brüderpaars sei den Wiener Steuerfahndern aufgefallen, dass die Schutzfolien der Verpackungen bereits vergilbt waren. Außerdem hörten sie beim Schütteln der Pakete „untypische Geräusche“. Beim Öffnen fanden die Beamten anstelle neuer iPhones nur Ziegelbruchstücke in der Handyverpackung. Das einzige, was sie mit den bekannten Smartphones gemein hatten, war das Gewicht. Die Verpackungen waren so präpariert, dass bei Gewichtskontrollen der Lieferung im Rahmen der Verzollung niemand Verdacht schöpfen sollte.

Karussellbetrug

Die „Fliesen-Handys“ waren laut Finanzministerium niemals für den Verkauf bestimmt, sondern Instrument eines Umsatzsteuerbetrugs. Bei dem so genannten Karussell-Betrug führen die betrügerischen Händler, die vom Käufer bezahlte Umsatzsteuer nicht wie vorgesehen an das Finanzamt ab, sondern machen vom Vorsteuerabzug Gebrauch, die Vorsteuer wird dann vom Finanzamt ausbezahlt. Dazu werden Ware – reale oder wie hier fingiert – nur mit einem Ziel innerhalb der EU verschoben: Um die Umsatzsteuer zu hinterziehen. Beliebt sind dabei hochpreisige und kompakte Artikel wie Smartphones, Tablets oder Spielkonsolen. Oft sind, wie im vorliegenden Fall, die Waren allerdings nur fingiert. Die Artikel werden täuschend echt verpackt und verfügen über alle nötigen zollrechtlichen Papiere.

Betrüger reagieren in der Regel sehr schnell auf unsere Fahndungserfolge und adaptieren ihre Machenschaften“ erklärt Christian Ackerler, Leiter der Steuerfahndung, und führt weiter aus: „Wurden früher üblicherweise die Papiere gefälscht, die für ein Umsatzsteuerkarussell nötig waren, so werden zunehmend Produkte fingiert, damit der Betrug möglichst gelingt. Umso mehr freut es mich, dass meine Fahnder den Kriminellen hier das Handwerk legen konnten.“

Mit dem Fund bei der Hausdurchsuchung konnte die Steuerfahndung eindeutig beweisen, dass diese originellen Produkte mit den entsprechenden Papieren nur einen Zweck hatten, nämlich so oft wie möglich durch eine Lieferkette geschleust zu werden, um die dabei anfallende Umsatzsteuer hinterziehen zu können, so das Finanzamt. Neben besagten fingierten Smartphones wurden laut Finanzministerium weitere einschlägige Unterlagen sichergestellt. Darüber hinaus wurden 100 Stück iPhone XR mit einem Marktwert von rund 60.000 Euro und weitere 1.500 iPhone 7 im Wert von ca. 500.000Euro beschlagnahmt. Da das betroffene Unternehmen beim zuständigen Finanzamt einen Abgabenrückstand von rund 450.000 Euro auswies, wurde sichergestelltes Bargeld in Höhe von 50.000 Euro sowie weitere verwertbare Gegenstände gepfändet. Die Betreiber des durchsuchten Handyshops und ihre Beteiligung in einem Umsatzsteuerkarussell sind Gegenstand anhaltender Ermittlungen der Steuerfahndung.

Kommentare (1)

  1. Endlich reagiert hier die Finanz!
    Zudem gibt es ja in Wien mehrere Handyshops die nachweislich viele Handys ohne Rechnung verkaufen, wo statt der Rechnung als Garantiebeleg auf der Rückseite einer „Visitenkarte“ die Seriennummer und das Verrkaufsdatum angeführt ist.
    Ich hoffe hier reagiert auch bald die Finanz!

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