Donnerstag, 9. Juli 2020
Interview im Rahmen des Tages der Elektrotechnik

NÖ-LIM Fritz Manschein über Themen, die die Branche bewegen

E-Technik | Wolfgang Schalko | 29.10.2019 | |  
Im Bild (v.l.n.r.): Innungsgeschäftsführer Robert Kofler, Innungsmeister-Stv. Alfred Babinsky, Doris Höllmüller, Claudia Hartmann, Innungsmeister Friedrich Manschein, Karl Oberklammer, Gerhard Graf, Berufsschuldirektor Werner Klaus und Karl Mayerhofer. Im Bild (v.l.n.r.): Innungsgeschäftsführer Robert Kofler, Innungsmeister-Stv. Alfred Babinsky, Doris Höllmüller, Claudia Hartmann, Innungsmeister Friedrich Manschein, Karl Oberklammer, Gerhard Graf, Berufsschuldirektor Werner Klaus und Karl Mayerhofer. (© Doris Bracher) „Der heutige Tag war so, wie ich es mir gewünscht habe. Das, was mir auf der Seele brannte, wurde thematisiert; ich konnte netzwerken, mich mit Kollegen austauschen und erhielt geballte Informationen.“ Dieses positive Feedback von Thomas Fuchs, Unternehmer aus Ober-Grafendorf, erging an die Landesinnung der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker, die diese Fachtagung mit Landesinnungstagung am 10. Oktober 2019 im WIFI NÖ veranstalteten. Auch Landesinnungsmeister Friedrich Manschein und sein Team zeigten sich rundum zufrieden: „Die Trennung zwischen fachlicher Veranstaltung und dem gesellschaftlich orientierten Sommerfest hat sich bewährt. Heute konnten wir uns ganz auf Informationen und neue Technologien konzentrieren. Die vielen Firmen und Kooperationspartner, die mitgestalten, haben einen wesentlichen Anteil am Gelingen dieses Tages.”

Fachinformationen, Vorträge und Diskussionen, Produktausstellungen und Netzwerken – der Tag der Elektrotechnik hatte viel zu bieten. Friedrich Manschein, Landesinnungsmeister der Elektro-, Gebäude-, Alarm- & Kommunikationstechniker in Niederösterreich, betonte, dass mit diesem vielfältigen und dichten Tagesprogramm für die Unternehmerinnen und Unternehmer viel geboten wird: „Jeder kann sich vorstellen, dass in der Organisation dieses Events viel Engagement und Arbeit steckt, umso mehr freut es mich, dass uns die immer steigenden Besucherzahlen Recht geben. Heuer konnten wir 160 Mitglieder ansprechen – und das finde ich beachtlich! Und die UnternehmerInnen kommen deswegen, weil sie einen persönlichen Nutzen haben – schließlich investieren sie einen ganzen Tag. Selbstverständlich wird dieser Tag auch genutzt, um unsere Arbeit in der Innung zu präsentieren. In der Fachgruppe bringen sich viele ehrenamtlich ein, um die Branche weiterzuentwickeln, um branchenpolitisch mitzugestalten und um auf relevante Themen aufmerksam zu machen.“

Vom Umweltschutz bis zum Fachkräftemangel – Themen, die die Branche beschäftigen

„Der Klimaschutz ist ein brandheißes Thema, das nicht erst seit der letzten Wahl omnipräsent ist. Wissenschafter und Aktivisten sind sich einig, dass es für die Umwelt fünf vor zwölf ist – die Elektrotechnik hat hier viele Ansätze bzw. Lösungen, mit denen ein wichtiger Beitrag geleistet werden kann: investiert werden sollte in Photovoltaik-Anlagen, Speicher und Elektromobilität. Die Politik müsste angesichts der Brisanz des Themas rascher reagieren bzw. für klare Rahmenbedingungen sorgen, aktuell geben diese keine langfristige Planungssicherheit. Für unsere Branche wäre eine langfristige und gezielte Förderlandschaft wünschenswert“, führt Manschein aus.

Die Branche der Elektro-, Gebäude-, Alarm- und Kommunikationstechniker ist auch nicht die einzige, die massiv unter dem Fachkräftemangel leidet. Dies stellt keinen Trost dar, verdeutlicht aber die insgesamt angespannte Lage, die dem Gewerbe und Handwerk das Leben erschwert. Der Leidensdruck ist bereits so groß, dass manches Projekt nicht mehr umgesetzt werden kann.

Fritz Manschein und viele Funktionäre der Innung versuchen, diesem Trend mit unterstützenden Maßnahmen entgegenzuwirken. Wichtig wäre, für die Ausbildung des eigenen Nachwuchses zu sorgen. Tatsache ist, dass viele Betriebe keine Lehrlinge mehr ausbilden wollen und sich andererseits auch viel zuwenige Lehrlinge finden.

Er berichtet: „Mit viel Engagement unterstützen wir Aktionen in höheren Schulen; damit soll unser Beruf vorgestellt und die Möglichkeiten zur Karriere den Schülerinnen und Schülern bewusst gemacht werden. Die Lehre nach der Matura soll verstärkt angeboten werden, ältere Auszubildenden bringen viele Vorteile für die Unternehmen mit – so haben die meisten den Führerschein, es gibt arbeitsrechtlich weniger zu bedenken, usw. Der Tag des Hightec-Lehrlings hat sich etabliert – auch dieser trägt zur Imagebildung bei. Viele Schülerinnen und Schüler kommen autobusweise, um zu sehen, welche Berufe es zu lernen gibt. Zusätzlich arbeiten wir kontinuierlich daran, das duale Ausbildungssystem weiterzuentwickeln – um am Puls der Zeit zu sein und um eine moderne, attraktive Ausbildung anbieten zu können. Die Lehrlings-App gehört auch dazu, die Befähigungsprüfung wurde im nationalen Rahmen NQR6 standardisiert.

Der Innungsmeister erklärt weiter: „Wofür wir uns auch einsetzen: Der Lehrberuf ist die einzige Ausbildung, bei der die Kosten von den Unternehmen getragen werden müssen. Die Lehrlingsentschädigungen, Beiträge für die Berufsschule – die Ausgaben sind verhältnismäßig hoch, wenn man bedenkt, wie lange in die jungen Menschen investiert werden muss, bis sie für den Betrieb relevante Leistungen erbringen können. Es würden sich sicher mehr Betriebe bereit erklären, Jugendliche auszubilden, wenn die finanzielle Belastung reduziert bzw. wegfallen würde. Wir von der Innung würden eine staatliche Beteiligung sehr begrüßen!“

Hoffnung gibt dem Innungsmeister auch der technische Fortschritt – Stichwort Digitalisierung bzw. Automatisierung, wo er sich auch in Zusammenhang mit dem fehlenden Personal Entlastungen vorstellen kann. Er denkt, dass die ganze Bauwirtschaft noch einen großen Entwicklungssprung vor sich hat. Im Blickwinkel des Arbeitskräftemangels hofft er darauf, dass einfache, standardisierte Arbeiten automatisiert werden können. „Wir müssen am Drücker bleiben, um das, was wir nicht nachbesetzen können, mittels Automatisierung abdecken zu können“, so Manschein und ergänzt: „Ich bin auch für einen höhere Leistungsanreize für Leistungswillige und ich würde mich freuen, wenn mit Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern ein neuer Anlauf genommen werden würde und diese in meinem Bereich in die Arbeitswelt wieder eingegliedert werden könnten.“

Bürokratieabbau

Schließlich stöhnt und leidet die Branche auch unter der überbordenden Bürokratie. Dazu meint der Innungsmeister: „Zuerst muss man prüfen, ob die Ursache intern angesiedelt und auch notwendig ist, oder ob diese möglicherweise extern und wirklich unnötig ist. Für die zweite Variante setze ich mich sehr gerne im Namen der Mitglieder gerne ein und ich bemühe mich um Lösungen – dazu brauche ich allerdings konkrete und nachvollziehbare Anlassfälle bzw. Beispiele.“

Abschließend erklärte Fritz Manschein, warum er die Arbeit in der Innung als so wichtig erachtet: „Wir Unternehmer kommen aus der Praxis, wir kennen unsere Probleme und Herausforderungen. Es ist wichtig, dass wir uns politisch einbringen, wir mit Lösungsvorschlägen aufwarten und mitarbeiten. Nur so kann die Sozialpartnerschaft funktionieren. Sonst würden Richtlinien oder Gesetze ohne uns, von Beamten und von Vertretern der Industrie, beschlossen – möglicherweise fern jeglichen Praxisbezuges und ohne unsere Perspektive zu bedenken. Übrigens freuen wir uns über Leute, die sich angesprochen fühlen – wer gerne mitarbeiten möchte, möge sich doch melden. Man kann sich bei den unterschiedlichsten Themen engagieren.“

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