Samstag, 16. November 2019

Kein Ausweg?

Über den Rand |Stefanie Bruckbauer | 10.11.2019| Bilder | |  

Stefanie Bruckbauer
Am 29. November 2019 ist Black Friday und wie auch immer man dazu steht, ob man diesen Verkaufstag im November verteufelt oder schönredet: Es ist mittlerweile tatsächlich so, dass man als Händler kaum mehr darum herumkommt.

Nun ist der Zeitpunkt also gekommen. Es führt scheinbar kein Weg mehr daran vorbei als Händler am Black Friday teilzunehmen. Selbst die Elektrokooperationen, die sich bis zuletzt erfolgreich dagegen wehrten bei dieser Rabattschlacht mitzumischen, mussten ihre Einstellung angesichts der Marktzahlen aus den letzten Jahren ändern und werden dieses Jahr korrespondierende Aktionen starten. Die Zeit um den Black Friday auszublenden geht nicht mehr. Sie hat das klassische Weihnachtsgeschäft umsatzmäßig schon längst hinter sich gelassen und möchte man als Händler ein Stück vom X-Mas-Kuchen abbekommen, muss man wohl oder übel irgendwie mitmachen.

„Keiner wollte ihn“

Keiner hat auf den Black Friday gewartet, keiner wollte ihn, aber nun gibt es ihn und man ist gezwungen sich irgendetwas zu diesem Thema zu überlegen“, sagte Alexander Klaus im Zuge des Gespräches anlässlich der Coverstory der in Kürze erscheinenden E&W. Heimkinowelt GF Thomas Chuchlik meinte: „Das Ganze ist ein bisschen wie Amazon – man kann es mögen oder nicht, aber man kann es nicht einfach abdrehen und muss daher irgendwie damit umgehen.“ Sehr treffend bringt es auch ein Branchenplayer auf den Punkt, der allerdings anonym bleiben will: „Der Handel kommt zum Black Friday wie zu einer ungewollten Schwangerschaft.

Die Händler hätten heutzutage keine andere Wahl mehr als mitzumachen, sagt man, denn wer nicht mitmacht riskiert am Ende auf seiner Ware sitzen zu bleiben. Vor allem in unserer Branche, weil: Kauft der Kunde am Black Friday einen TV, wird er kurz vor Weihnachten keinen zweiten kaufen – und das gilt nahezu für alle Elektrogeräte. Händler sollten sich boomenden Verkaufsevents wie dem Black Friday gegenüber also nicht verwehren, aber sie sollten dabei auf jeden Fall die Erträge im Blick behalten, wie Experten raten. Aber wie bitte soll das gehen? … wenn man bei (von Internetriesen) angekündigten Rabatten bis zu 90% (!) mithalten, sprich konkurrenzfähig bleiben will.

Die Schlinge zieht sich immer weiter zu

Aber es ist ja nicht nur der ganze Schlamassel rund um die Verkaufstage im November, der dem Handel das Leben schwer macht. Da sind dann auch noch die wieder Mal abnehmende Konsumlaune der Konsumenten bzw. die nahende Konjunkturflaute, da ist der immer stärker werdende Onlinehandel… Dass sich die Schlinge immer weiter zuzieht, sieht man an den Insolvenzen, die sich in den letzten Wochen wieder häuften: elektro city in Kufstein, Leitner in Pregarten, Radio Kaufmann in Salzburg, Busenlechner mit zwei Standorten, … Die Situation ist beklemmend und viele stellen sich die Frage, wie man als Fachhändler heutzutage, vor allem im urbanen Bereich, überleben kann. „Man darf in Zeiten wie diesen nicht mehr herumturnen“, sagt Nedis Austria GF Mario Knapp. Man müsse sich konzentrieren auf starke Lieferanten, man müsse selektieren was man verkauft, woran man verdient und womit man seine Ruhe hat.

„Es passiert so oder so“

Man könnte aber auch etwas ganz Neues ausprobieren, wie zB das Vermieten von Geräten. Das deutsche Startup Grover ist überzeugt, dass es sich um einen Megatrend handelt, der den Handel in Zukunft komplett verändern wird. Grover ist seit kurzem auch in Österreich aktiv und würde gerne mit Händlern (egal wie groß oder klein) kooperieren, wie in der E&W Novemberausgabe zu lesen sein wird. Der Schwerpunkt liegt auf Unterhaltungselektronik, mit der man im Verkauf ja großteils ohnehin fast nichts mehr verdient. Man könnte es aber auch mit dem Vermieten von Haushaltsgeräten versuchen. Horst Neuböck lebt mit seinem Club.Weiss seit Jahren vor, dass das funktioniert.
Es passiert so oder so“, sagt Grover-Gründer Michael Cassau im Gespräch mit E&W über den Trend zur Miete. „Und man kann als Händler dabei sein oder nicht.“ Die Entscheidung muss allerdings jeder für sich treffen. Das Gleiche gilt für den Black Friday.

Bilder
Bald ist Black Friday. Muss man als Händler mitmachen? Oder gibt es einen Ausweg? … (Bild: Dieter Schütz/ pixelio.de)
Bald ist Black Friday. Muss man als Händler mitmachen? Oder gibt es einen Ausweg? … (Bild: Dieter Schütz/ pixelio.de)

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