Samstag, 7. Dezember 2019
13. Auflage der Konferenz für Kabel-TV und Breitband

Cable Days 2019: „Neue Chancen – neue Märkte“

Multimedia | Wolfgang Schalko | 21.11.2019 | Bilder | |  
FV-Obmann Günther Singer eröffnete traditionell die Cable Days. FV-Obmann Günther Singer eröffnete traditionell die Cable Days. (© standbild.photo) Bereits zum 13. Mal fanden vergangene Woche die Cable Days in Salzburg statt. Günther Singer, Initiator der Veranstaltungsreihe und Obmann des FV Telekom/Rundfunk, eröffnete auch die heurige Ausgabe. Einmal mehr wurden aktuelle Trends und Entwicklungen eingehend beleuchtet – allen voran 5G.

„Heuer widmen sich die Cable Days ganz dem Thema ‚Neue Chancen – neue Märkte‘ und beleuchten einmal mehr Markttrends, regulatorische Veränderungen und technische Innovationen. Ziel ist es, den Teilnehmern auch diesmal wieder einen Informations- und Wissensvorsprung zu verschaffen, der dazu beiträgt, aktuelle und zukünftige Herausforderungen besser zu bewältigen“, sagte Günther Singer bei seiner Eröffnungsrede. „Dabei setzen die Cable Days, die vom Fachverband Telekom/Rundfunk ausgerichtet werden, auf Inputs von Vortragenden ebenso wie auf Podiumsdiskussionen und vertiefende Gespräche.“

Plattform für Branchentrends, Innovationen und Diskussionen

Vieles davon, was in den vergangenen Jahren bei den Cable Days präsentiert, besprochen und diskutiert wurde, ist mittlerweile im Markt angekommen und hat begonnen, das Konsumentenverhalten zu verändern – von der zunehmend mobiler werdenden Internetnutzung über Bewegtbild-Streaming, von geänderten/gestiegenen Kundenerwartungen bis hin zu schnellem Mobilfunk.

Angesichts des bevorstehenden Starts des Mobilfunkstandards 5G attestierte Singer, dass der technologische Vorsprung, den Kabelnetze etwa durch Glasfaser hatten, sich egalisieren wird. Es werde für „Kabler“ im Übertragungsbereich zu einer offenen Konkurrenzsituation kommen, wie sie auf Inhalte- und Service-Ebene mit so genannten Over-the-Top-Anbietern schon länger gegeben ist. Kaufentscheidend werden künftig wohl nicht mehr der Umfang des Senderbuketts oder die Verfügbarkeit von Anbietern sein, sondern die Funktionen der Angebote (Replay-Service u.a.).

Singer geht davon aus, dass man in Sachen Bewegtbild in spätestens fünf Jahren über den Umstieg von DVB-C auf TV over IP (IPTV) oder gar All over IP diskutieren werde.

5G – ein neuer schneller Mobilfunkstandard oder mehr?

Welche Perspektiven eröffnet der neue schnelle Mobilfunkstandard 5G? Dieser Frage widmeten sich gleich mehrere Vorträge sowie eine große Podiumsdiskussion bei den Cable Days 2019.

Für Lars Riegel vom Beratungsunternehmen Arthur D. Little ist 5G eine disruptive Technologie. Den Unterschied zwischen Innovation und Disruption illustrierte er mit der Entwicklung weg von der Videokassette hin zur DVD (Innovation). Bei der Ablöse der DVD durch Bewegtbild-Streaming dagegen handle es sich um Disruption.

5G-Mobilfunk ermöglicht viele neue Anwendungen: Höhere Verfügbarkeit durch die Nutzung von mehr Frequenzen, aber auch – via Network Slicing – die Möglichkeit, unterschiedliche Frequenzbänder in einem Netz zu etablieren, die unterschiedliche Funktionen haben. Weiters die Möglichkeit, 5G-Campus-Netze zu etablieren. Dabei handelt es sich um eine exklusive Kommunikationslösung via Mobilfunk, auf die nur ein bestimmter Nutzerkreis zugreifen kann.

Unter anderem damit bringt die kommende Mobilfunkgeneration den Operators/Netzbetreibern große Chancen – und zwar großen wie kleinen, aber auch gänzlich neuen Anbietern, die regionale Frequenzspektren erworben haben. Besondere Chancen für Mobilfunkanbieter bietet die industrielle Anwendung von 5G – Stichwort Internet of Things (IoT) und Industrie 4.0.

ORS-Geschäftsführer Michael Wagenhofer machte folgende Handlungsfelder aus: Erstens den Plattformwettbewerb (Kabel, IP-TV – gibt es terrestrische Fernsehnutzung auch noch 2030 und darüber hinaus?). Zweitens die Spektrumsverfügbarkeit („Der Rundfunk braucht das Sub-700-MHz-Band auch weiterhin“) sowie den Technologieeinsatz („Auf welches Pferd wird gesetzt?“).

Der Mobilfunkstandard 5G bringt auch die 5G Broadcast-Technologie zur Programmverbreitung. Dabei handelt es sich um die Kombination von Mobil- und Rundfunknetz, sodass ein hybrides Kommunikationsnetz entsteht. Über dieses wird ein Sendesignal nur einmal ausgestrahlt, kann aber von beliebig vielen Nutzern auf allen möglichen Endgeräten empfangen werden.

Geschwindigkeit bei Digitalisierungs-Innovationen steigt – immer mehr Bewegtbild

Wagenhofer zeigte sich überzeugt, dass die Geschwindigkeit bei Digitalisierungs-Innovationen zunehmen wird. „Video wird die Killer-Applikation von 5G sein.“ Laut einer aktuellen Studie werden 2022 mehr als 80 Prozent des IP-Datenverkehrs auf Bewegtbildcontent entfallen, dabei soll Live-Video am stärksten wachsen, nämlich 15-fach.

Die Vertreter der drei größten Mobilfunkanbieter in Österreich – Matthias Lorenz (A1 Telekom Austria), Volker Libovsy (Magenta) und Jan Trionow (Hutchison Drei Austria) – brachen in einer Diskussionsrunde eine Lanze für Glasfaser: Es gelte, mehr davon in die Fläche zu bekommen. Die Rahmenbedingungen für 5G-Mobilfunk müssten sinnvoll gestaltet werden, sodass bessere, größere Netze entstehen können.

Klaus M. Steinmaurer, bei den Cable Days 2019 erstmals in der Funktion des Geschäftsführers des Fachbereiches Telekom der Rundfunk- und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) vertreten, merkte an, dass Österreich bei der Versorgung mit Mobilfunk und beim Preis-/Leistungsverhältnis im europäischen Spitzenfeld liege. Durch und mit 5G-Mobilfunk werde es aber zu einer Verschiebung des Wettbewerbs kommen. „Der Wettbewerb zwingt uns, rauszugehen und das Beste zu liefern.“

„Mit 5G auf zu neuen Diensten“ formulierte es Bernd Stockinger, Geschäftsführer von Citycom, Tochtergesellschaft der Graz Holding. Er plädierte dafür, in Sachen 5G Partnerschaften und Allianzen einzugehen, warnte aber auch vor dem Schüren zu hoher Kundenerwartungen in Zusammenhang mit dem neuen schnellen Mobilfunk.

Bilder
5G prägte den Inhalt vieler Vorträge – und war auch Thema einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion.
5G prägte den Inhalt vieler Vorträge – und war auch Thema einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion. (© standbild.photo)

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.