Samstag, 7. Dezember 2019
„Leicht positiv, trotz konjunkturellen Schneegestöbers“

Handelsverband & WIFO: +1% im Weihnachtsgeschäft

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 29.11.2019 | |  
Laut Handelsverband- und WIFO-Prognose zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft wird es einen weihnachtsbedingten Mehrumsatz von 1,22 Mrd. Euro netto geben. (Bild: Handelsverband, WIFO) Laut Handelsverband- und WIFO-Prognose zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft wird es einen weihnachtsbedingten Mehrumsatz von 1,22 Mrd. Euro netto geben. (Bild: Handelsverband, WIFO) Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO und der Handelsverband präsentierten ihre Prognose für das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Man geht von einem weihnachtsbedingten Mehrumsatz in Höhe von 1,22 Mrd. Euro netto aus, was einem Zuwachs von etwas mehr als 1% entsprechen würde.

WIFO und Handelsverband gehen von einem Mehrumsatz in Höhe von 1,22 Mrd. Euro netto (und 1,43 Mrd. Euro brutto) im diesjährigen Weihnachtsgeschäft aus. Dies würde einem Zuwachs von etwas mehr als +1% entsprechen. Insgesamt wird das Umsatzvolumen heuer im Dezember laut WIFO auf nominell 6,4 Mrd. Euro geschätzt. Im Durchschnitt kann somit jeder fünfte umgesetzte Euro als weihnachtsbedingter Mehrumsatz in den Kassen markiert werden. Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke 2019 sind laut WIFO und Handelsverband Spielzeug, Kosmetik/Parfum, Bücher, Bekleidung und Süßigkeiten. Der Trend zu Gutscheinen soll sich ebenso fortsetzen wie die Beliebtheit von Reisen und Wellness – letztere sind allerdings Ausgaben, die nicht zum klassischen Einzelhandel zählen.

Optimismus & Skepsis

Unsere Prognose für das heurige Weihnachtsgeschäft fällt mit 1,22 Mrd. Euro netto bzw. +1,2% leicht positiv aus“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Optimistisch stimmen uns die nach wie vor hohe Beschäftigungsquote und die stabile Konsumnachfrage. Skeptisch machen uns allerdings die schwachen Umsätze im Herbst und das konjunkturelle Schneegestöber.

Wie Will sagt, nimmt die Höhe der Dezember-Umsatzspitzen in vielen Branchen generell über die letzten Jahre hinweg kontinuierlich ab. „Sonder-Aktionstage im November, etwa der Singles Day und der Black Friday, aber auch der anhaltende Trend zu Gutscheingeschenken, die erst bei Einlösung in den Folgemonaten als Umsatz gezählt werden, verschieben die klassischen Weihnachtsumsätze auf andere Monate“, so der Handelsverband GF, der ergänzt: „Aber zumindest der Cyber Monday am 2. Dezember zählt heuer schon zum klassischen Weihnachtsgeschäft.“

Auch trage das veränderte Konsumverhalten, insbesondere der verstärkte Einkauf bei ausländischen Onlineshops und Marktplätzen dazu bei, dass die Umsatzspitzen im Dezember bei heimischen Händlern niedriger ausfallen. „Die Aktionstage im November sind in den Berechnungen des WIFO zum Weihnachtsgeschäft ebenso wenig berücksichtigt wie die Umsätze von Tankstellen und Kfz-Handel sowie jene Onlineumsätze, die unmittelbar ins Ausland abfließen“, bestätigt WIFO-Experte Jürgen Bierbaumer-Polly.

Jahresprognose Einzelhandel 2019: „Heimischer Handel stagniert“

Der Handelsverband gab eine erste Prognose für das Gesamtjahr 2019 ab. „Wir rechnen heuer mit einem stationären Bruttoumsatz von 72,8 Mrd. Euro (entspricht +1,5% im Vgl. zu 2018) und einem Online-Umsatz in Österreich von rund 4 Mrd. Euro (entspricht +5,3% im Vgl. zu 2018). Die Gesamtjahresprognose 2019 für den österreichischen Einzelhandel liegt damit bei insgesamt 76,8 Mrd. Euro brutto – ein nominelles Wachstum von +1,7%. Aber: Wenn wir von einer Inflationsrate von ebenfalls 1,7% ausgehen, werden wir heuer im Einzelhandel real keine Umsatzsteigerung erzielen. Problematisch dabei ist, dass die Kostenseite stärker ansteigt, weshalb die Schere weiter aufgeht. Daher kommt dem Weihnachtsgeschäft auch für das Gesamtjahr eine große Bedeutung zu“, erläutert Rainer Will.

Insbesondere die dramatische Marktkonzentration im eCommerce und der wachsende Abfluss der Online-Umsätze ins Ausland bereiten Will Sorgen. „Mit 4,1 Mrd. Euro landet mehr als die Hälfte aller Umsätze im Distanzhandel nicht bei den heimischen Händlern. Der österreichische Konsument finanziert dadurch mehr als 25.000 Arbeitsplätze pro Jahr im Ausland. Allein von 2017 auf 2018 ist dieser Auslandsabfluss um fast eine halbe Milliarde Euro gewachsen“, so Rainer Will abschließend.

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