Sonntag, 19. Januar 2020
Wenn Aktionstage über das Ziel hinausschießen - Hintergrund-Kommentar E&W 12/2019

Erziehung zum Konsum-Muffel

Hintergrund | Dominik Schebach | 08.12.2019 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber je größer der Trubel, desto eher reagiere ich mit Konsumverweigerung. Ich bin schon seit Jahren ein Weihnachts-Muffel. Ich kaufe nur sehr gezielt wenige Geschenke für meine Lieben. An Aktionstagen wie Black Friday aber, an denen es praktisch nur um die Befriedigung des eigenen Konsumtriebes geht, will ich gar nicht den Computer einschalten. Das Stakkato an Sonderangeboten, Rabatten und E-Mail-Werbung nimmt mir da nur die Sicht auf meine persönlichen Bedürfnisse und Prioritäten, weswegen ich solchen Massenauftrieben – real und virtuell – lieber großräumig ausweiche.

Das mag jetzt im ersten Moment etwas unlogisch erscheinen, schließlich schreibe ich für und über eine Branche, in der sich alles um das erfolgreiche Verkaufen dreht. Ich sehe mich allerdings als bewusster Shopper. Nicht, dass ich ein Schnäppchen verschmähe, wenn es ins Programm passt, aber sinnlos ein Teil einzukaufen und damit meine Wohnung anzuräumen, ist mir zuwider. Genauso will ich nicht ewig dem kleinsten Preis nachjagen oder wegen eines möglichen Rabatts einen bestimmten Aktionstag abwarten. Wenn ich einkaufe, will ich mich gezielt informieren und ich bin bereit, im stationären Handel oder online Geld für Qualität sowie Service auszugeben – solange das Preis/Leistungsverhältnis stimmt. Und hier wird es meiner Meinung nach problematisch. Denn mit Aktionen wie Black Friday signalisiert der Handel, dass meine Vorstellungen vom fairen Preis/Leistungsverhältnis offensichtlich nicht stimmen. Die Konsequenz – siehe oben bzw investiere ich in diesem Fall mein Erspartes lieber in einen Wellness- Urlaub.

Der Handel hat sich mit diesen Aktionstagen in eine böse Doppelmühle hineinmanövriert. Auf der einen Seite stehen die Schnäppchenjäger. Sie sind auf das günstigste Angebot trainiert und warten die Aktionstage oder -wochen ab. Sie sind nur mit einem entsprechenden Rabatt-Feuerwerk hinter dem Ofen hervorzulocken. Und manchmal fragt man sich bei diesen Kunden, ob da nicht der Jagdtrieb eine größere Rolle spielt, als der real existierende Bedarf. Ob man diese Kunden mit Rabatten übers ganze Sortiment als Stammkunden gewinnt, weiß ich nicht. Auf der anderen Seite jene bewussten Kunden, die ihre Haushaltsgeräte, Fernseher oder Handys einkaufen wie hochwertiges Werkzeug. Da spart man auch nicht, sondern kauft sich die Teile, die man a) benötigt (bzw benötigen könnte, weil ein bisschen angeben will man ja doch) und b) für das verfügbare Geld die höchste Qualität bieten. Schließlich will man sich das Leben leichter ma- chen – und ein bisschen Besitzerstolz spielt da sicher auch mit. Menschen mit so einer Einstellung werden von maßlosen Black Friday-Aktionen nur vor den Kopf gestoßen. Das ist eine Erziehung zum Konsum-Muffel. Dementsprechend wird das verfügbare Budget umverteilt. Denn eines darf man nicht vergessen, der EFH befindet sich nicht nur im Wettbewerb mit unterschiedlichen E-Commerce-Plattformen, die gesamte Elektro-Branche kämpft mit einer weiten Palette an Anbietern um Aufmerksamkeit und im Endeffekt um Geld.

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