Dienstag, 7. Juli 2020
Telekom-Kommentar E&W 12/2019

Komplexes Umfeld

Telekom | Dominik Schebach | 08.12.2019 | Bilder | |  
Der Samrtphone-Screen als Medienplattform wird mit 5G deutlich aufgewertet. Der Samrtphone-Screen als Medienplattform wird mit 5G deutlich aufgewertet. (© Magenta Telekom) Die TV-Broadcaster wollen ein Stück vom 5G-Kuchen (siehe Seite 44). Man könnte das als nur fair bezeichnen, schließlich breiten sich die Netzbetreiber mit ihren TV-Strategien auch am ureigensten Feld der TV-Anbieter aus und machen ihnen dort die Vorherrschaft streitig. Diese produzieren überdies immer öfter eigenen Content, während die Programm-Anbieter Gefahr laufen, mit ihrem linearen TV-Angebot zu reinen Passagieren in den Netzen der Telekom-Betreiber zu werden.

Kommt hinzu, dass die großen Netzbetreiber in vielen Bereichen zunehmend technologieneutral agieren. Neben 5G setzen sie auch auf Glasfaser oder Hybrid-Router usw, um ihre Services an den Endkunden zu bringen. Ob dieser unterschiedlichen Voraussetzungen kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die TV- und die Telekommunikations-Branche unter vollkommen unterschiedlichen Grundannahmen operieren. Während für die Programm-Anbieter lineares TV der Zweck ihrer Existenz ist, bleibt für die Netzbetreiber dieses nur ein Produkt unter vielen, zB neben Streaming-Diensten wie Netflix oder Spotify, das im Haushaltspaket gemeinsam mit Internet, Mobilkommunikation und vielleicht auch gleich mit Smart Home-Anwendungen und Cloud Speicher bezogen wird. Andererseits bildet das Smartphone samt dem dazugehörigen Tarif einen wesentlichen Teil des Angebots der Telekom-Netzbetreiber. Nicht zuletzt, weil die Endkunden das Gerät jeden Tag mehrere Stunden am Tag in der Hand haben. Das Smartphone ist sozusagen für die Endkunden ein Teil der Existenz, noch mehr als Fernsehen, unmittelbar mit dem täglichen Leben verbunden. Und dieses Endgerät wird mit 5G deutlich aufgewertet.Denn der neue Mobilfunkstandard verspricht mehr Leistung für Smartphones womit deren Screens auch als Medienplattformen noch interessanter werden als bisher.

Dazu muss man sich nur die Eckdaten von 5G vor Augen halten: Die Netzbetreiber sprechen hier von Übertragungsraten von bis zu 10 Gbit/s sowie – mindestens ebenso wichtigen – einer Latenzzeit von unter 1 Millisekunde. Damit wird die Übertragung von 4K-Videos innerhalb von Sekunden möglich, zusammen mit Echtzeitanwendungen wie Spiele. Und weil die 5G-Netze „Beamforming“ beherrschen, ist das zumindest theoretisch auch mit einer Vielzahl von Anwendern in derselben Funk-Zelle gleichzeitig möglich. Im Vollausbau spielt deswegen nach Ansicht der Netzbetreiber auch der Datenverbrauch einzelner User keine Rolle mehr und damit wird wohl auch die Motivation der Telkos, andere Anbieter einfach so auf den Smartphone-Schirm zu lassen, sinken. In Gesprächen mit Betreibern hört man in diesem Zusammenhang immer wieder, dass es in Zukunft einfach keinen Sinn macht, neben Glasfaser/Kabel und 5G ein weiteres Verteilernetz zu betreiben. Ein Broadcast-Modell für Lineares TV hat unter diesen Umständen nur dann einen Stellenwert für die Betreiber, wenn es über das gesamte Spektrum der Verbindungstechnologien zum Umsatz beiträgt, schließlich kostet der Aufbau und Unterhalt der Netze sehr viel Geld. Das kann man jetzt – nicht zuletzt demokratiepolitisch – gut oder schlecht finden. Es zeigt aber auf, wie sehr sich der Telekommunikationsmarkt ändert und wie komplex inzwischen das Umfeld geworden ist.

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Der Samrtphone-Screen als Medienplattform wird mit 5G deutlich aufgewertet.
Der Samrtphone-Screen als Medienplattform wird mit 5G deutlich aufgewertet. (© Magenta Telekom)

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