Dienstag, 7. Juli 2020
Kommentar: Es ist Zeit

Weihnachtszeit – stille Zeit

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 08.12.2019 | Bilder | |  
(Bild: Rosel Eckstein/ pixelio.de) (Bild: Rosel Eckstein/ pixelio.de) Weihnachtszeit – stille Zeit. So ist es zumindest einmal gewesen. Zeit sich Gedanken zu machen - über die Zeit.

Weihnachtszeit – stille Zeit. Hieß es zumindest einmal. In Wahrheit wird es immer lauter rundherum. Das Schreien und Brüllen und gegenseitige Übertönen, das sich zu einem einzigen gigantischen Rauschen vereint, wird immer mehr. Und diese Flut an Information, die über diese Unmenge von Kanälen verteilt wird, nimmt täglich zu. Es werden immer mehr Dinge verbreitet und in die Welt geschrien, die keinen interessieren und die oft auch gar nicht stimmen und dennoch drücken alle auf Daumen hoch (oder runter) und ergänzen ein Emoticon (traurig, dass wir unsere Gefühle nicht mehr in Worten ausdrücken können), nur um auch ihren Senf dazugeben zu können – und das Rauschen wird noch lauter. So vieles was wichtig wäre zu sagen, zu wissen und weiterzugeben, geht unter in diesem gewaltigen Getöse. Man versteht das eigene Wort nicht mehr, geschweige denn was einem die innere Stimme sagt. Doch wenn man sich bemüht und ganz genau hinhört, dann nimmt man die innere Stimme doch ganz leise wahr und meine sagt: „Hört endlich auf mit dem ganzen Wahnsinn! Zumindest eine Zeit lang, zumindest jetzt im Advent.“

Wir verschwenden soviel Zeit mit Sinnlosem. Dabei sollten wir uns erinnern was es bedeutet Zeit zu haben. Wo sie doch so unheimlich schnell vergeht, an uns vorbeizieht und wir sie nicht einmal richtig wahrnehmen und im wahrsten Sinne des Wortes „erleben“. Wir sollten nachdenken und uns auf jeden Tag besinnen, einfach einmal innehalten, nichts sagen, genießen – es ist Zeit.

Weiß überhaupt noch irgendjemand um die Bedeutung von Weihnachten? Die wenigsten, wie mir scheint. Alles dreht sich nur

knipseline/ pixelio.de

mehr ums Kaufen, Konsumieren, Gieren und Raffen. Und das alles so billig wie möglich. Man ist umgeben von künstlichem Licht, kitschiger Deko und amerikanischer, viel zu lauter Musik. Überall leuchtet einem Rudi Rentiers rote Plastiknase entgegen und begegnet einem einer von unzähligen  Weihnachtsmännern (Noch Mal: Bei uns in Österreich kommt seit je her das Christkind!!!), immer öfter flankiert von grün gewandeten Weihnachtswichteln (und wer hat DIE eingeschleppt???) Mir ist schlecht und ich bin satt, wie nach einem fetten Weihnachtsessen und das bevor das Fest überhaupt stattgefunden hat.

Ich finde es so schade. Wir berauben uns selbst einer der schönsten Zeiten des Jahres. Ich erinnere mich an früher: Wenn die Tage kürzer wurden und das ganze Haus nach Keksen, Zimt sowie Orangenschalen duftete, dann wußte man, dass Advent und Weihnachten nahen. Die Zeit vor dem großen Fest, auf das man sich freut, selbst wenn man nicht großartig gläubig ist, die Zeit, in der wir unseren Liebsten näher sein sollten, die Zeit, in der uns bewusst werden sollte, wie wertvoll das Leben ist und wie schön es sein kann. Das Gebrüll da draußen übertönt das aber alles. Und jedes Jahr nehme ich mir vor, dass es dieses Mal anders wird. Kein ansteckender Weihnachtsstress, Zeit mit Freunden und Familie, Zeit zum Genießen – und Zeit, um vor allem jenes zauberhafte Gefühl der Vorfreude wieder entdecken und spüren zu können, das wir alle als Kinder als selbstverständlich erlebt und so sehr genossen haben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine wunderschöne, besinnliche und angenehm ruhige Weihnachtszeit!

Bilder
(Bild: Rosel Eckstein/ pixelio.de)
(Bild: Rosel Eckstein/ pixelio.de)

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