Dienstag, 7. April 2020
(K)Ein Blick in die Zukunft

Vom Treiber zum Getriebenen

Über den Rand | Stefanie Bruckbauer | 09.02.2020 | Bilder | | 1  

Stefanie Bruckbauer

Wir werfen in der ersten (in Kürze erscheinenden) E&W Ausgabe dieses Jahrzehntes einen Blick in die Zukunft, zumindest versuchen wir das. Ob in der Coverstory, die sich mit der Frage befasst, was die bevorstehenden 20iger Jahre der Branche bringen werden. Oder hier im Hausgeräteressort, in dem uns die Geschäftsführer dreier namhafter Hausgerätehersteller im Interview schildern, wohin der Weg sie und ihr Unternehmen führt – in naher Zukunft aber auch in ferner.

Auslaufmodell?

Eines kommt unterm Strich heraus: Das alte Credo „Handel ist Wandel“ hat heute mehr Gültigkeit denn je. Die Besonderheit des aktuellen Wandels ist, dass der Handel nicht mehr der Treiber ist, sondern der Getriebene. Gestalter dieses Wandels ist ua. der Konsument. Ausgerüstet mit dem Smartphone (dem verlängerten Arm in die digitale Welt bzw der Fernbedienung des Lebens, wie Harald Gutschi einst so schön sagte) und verzogen von übermächtigen Tech-Konzernen, stellen die Konsumenten immer neue Ansprüche – vor allem an den stationären Handel. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden und damit als Händler relevant zu bleiben, sind grundlegende Veränderungen unerlässlich. „Die Frage ist schon lange nicht mehr, ob eine digitale Transformation erforderlich ist, sondern wie der einzelne Händler sie in welcher Geschwindigkeit umsetzen kann. Der stationäre Handel an sich ist kein Auslaufmodell – nur in seiner bestehenden Form“, brachte es pwc auf den Punkt.

Good News

Eine gute Nachricht vorweg: Die Österreicher kaufen weiterhin im stationären Geschäft. Studien zufolge werden im Non-Food-Bereich 18% aller Einkäufe online abgewickelt. Das heißt im Umkehrschluss, dass noch immer mehr als 80% stationär geschieht. Der Handel sollte sich auf diesen Zahlen allerdings nicht ausruhen, denn: In den kommenden Jahren werden die Digital Natives die Mehrheit der Konsumenten stellen und da wird sich noch sehr viel vom Handelsvolumen ins Internet verschieben. Experten gehen von 50% aus …

Dennoch hat der stationäre Handel eine fixe Zukunft, wie ich meine. Und nicht nur ich, denn es hat einen Grund, warum Online Pure Player eigene Läden eröffnen. Es ist Tatsache: Die Kunden möchten nach wie vor Produkte erleben, also fühlen, sehen oder vor Ort ausprobieren. Darüber hinaus erwarten sie neben einem attraktiven Produktsortiment auch eine individuelle Ansprache, Technologien und Dienstleistungen, die ihren Einkauf bequem gestalten, und nicht zuletzt ein Umfeld, das den Einkauf zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Einige große Onliner haben das erkannt und versuchen nun die traditionellen Stärken des stationären Geschäftes mit den Vorteilen der fortschreitenden Digitalisierung zu verbinden. Der Wettbewerb um den Kunden wird dadurch natürlich weiter verschärft und der traditionelle Einzelhandel noch mehr herausgefordert – doch er hat keine Wahl. Auch für den stationären Handel gilt es, auf die veränderten Kundenbedürfnisse einzugehen. Er muss die eigenen Stärken mit jenen der Digitalisierung verknüpfen, er muss den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Er muss durch eine optimale Verbindung von digitalen und stationären Angeboten innovative und kundenorientierte Handelskonzepte entwerfen.

Die digitale Transformation ist in vollem Gange. Jetzt gilt es nur mehr auf den fahrenden Zug aufzuspringen, Digitalisierung zur Chefsache zu erklären und sich auf die Zukunft auszurichten. Ich bin überzeugt, dass es funktionieren kann.

Bilder
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(© creativeart, www.freepik.com)

Kommentare (1)

  1. Also das mit den 80% würde ich meinen stimmt nicht egal was die Umfragen ergeben haben.
    Das ist schon am Land nicht mehr so.
    In einem anderen Artikel habe ich auch schon geschrieben, bei den Preisen wird es diesen (einzel) Handel nicht mehr geben.
    Da kann man sich doch bemühen was man will, Digital hin und her, ohne Verdienst geht es nicht.
    Es wird nur der Service bzw. die Dienstleistung bleiben, die gibt es digital nicht.
    Es ist jetzt schon oft besser das Gerät wurde wo anders gekauft, die Geräte werden immer schlechter, mehr Probleme mit der Qualität, da bleibt der (?) Händler der sich um seinen Kunden bemüht auf der Strecke.
    Die Kunden werden von den Preisen getrieben ob wir wollen oder nicht.

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