Dienstag, 28. September 2021
Geschäftslage positiv. Erwartungen dennoch heruntergeschraubt

Creditreform: Insolvenzentwicklung bleibt stabil

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 28.02.2020 | |  
Erfreulich ist die Entwicklung der Firmeninsolvenzen in der für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branche „Handel“. Hier ging die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2019 um 8% zurück. Erfreulich ist die Entwicklung der Firmeninsolvenzen in der für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branche „Handel“. Hier ging die Zahl der Insolvenzen im Jahr 2019 um 8% zurück. Die Creditreform Firmeninsolvenzstatistik für das Jahr 2019 zeigt eine Stabilisierung der Firmeninsolvenzverfahren auf niedrigem Niveau. Die Steigerung betrug im Vergleich zum Vorjahr lediglich +0,2%. Im Handel ist die Zahl der Fälle erfreulicherweise stark zurückgegangen.

Die endgültigen Zahlen von Creditreform weisen auf eine Stabilisierung der Firmeninsolvenzverfahren hin. Es gab nur 11 Fälle mehr als im Vergleichszeitraum. Die Zahl der eröffneten Verfahren ist minimal um +0,6% auf 3.133 Verfahren gestiegen. In 2.102 Fällen (-0,4%) wurden die Insolvenzanträge mangels kostendeckenden Vermögens abgewiesen. Dazu Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer des Österreichischen Verbandes Creditreform: „Österreichs Konjunktur erweist sich dank der starken Exporte und dem guten Binnenkonsum als stabil. Zudem haben sich die heimischen Unternehmen durch den Aufbau von Eigenkapital krisenresistenter gemacht.“

Die Ursachen

Die Insolvenzursachen liegen laut Creditreform in Managementfehlern, im Wettbewerb (Konkurrenzdruck, sinkende Margen) sowie im Kapitalmangel. Mehr als 14.000 Arbeitsplätze waren betroffen. Die Insolvenzpassiva lagen in Summe bei über 1,7 Mrd. Euro. Laut einer Creditreform-Studie waren ca. 41,5% der heimischen Unternehmen zumindest von einer oder mehreren Kundeninsolvenzen betroffen. 77% der Gläubiger waren dabei Kleingläubiger, die Insolvenzforderungen von max. 10.000 Euro hatten.

Bundesländervergleich

Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in Wien, die geringste in Vorarlberg.

Den stärksten Rückgang verzeichneten Niederösterreich (-7,4%), die Steiermark (-4,9%) und Oberösterreich (-4,4%). Hingegen stiegen die Insolvenzen stark in Tirol (+35,4%), in Salzburg (+10,6%) und in Vorarlberg (+8,0%). Die höchste Insolvenzbetroffenheit herrschte in der Bundeshauptstadt mit rund 17 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen, die geringste in Vorarlberg mit 7 von 1.000 Unternehmen. Österreichweit mussten rund 11 von 1.000 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten.

Branchenvergleich

Erfreulich ist die Entwicklung in den für die Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung wichtigen Branchen „Handel“ (-8,0%), „Sachgütererzeugung“ (-5,4%) und „Bauwesen“ (-2,3%). Einzig im Transportwesen („Verkehr- und Nachrichtenübermittlung“) ist die Zahl der Insolvenzen mit einem Plus von 27,9% sehr stark gestiegen. Trotz des Rauchverbotes gab es nur um 27 Verfahren mehr in der Gastronomie.

Ausblick 2020

Wenn es 2019 auch nur minimal um 11 Insolvenzen mehr gab, so habe doch eine Trendwende eingesetzt, wie Weinhofer sagt: „2018 verzeichnete man noch so wenige Firmeninsolvenzen wie zuletzt 2001. Eine Creditreform- Umfrage unter 1.700 österreichischen Unternehmen im vergangenen Herbst zeigt, dass der Optimismus seine Grenzen hat, die Zuversicht zurückgegangen ist und die Unternehmen vorsichtiger sind. Die Geschäftslage ist nach wie vor positiv, aber die Erwartungen für die kommenden Monate sind heruntergeschraubt. Die Gründe dafür sind die anhaltende Verunsicherung in der Entwicklung der Weltwirtschaft (aktuell die Sorge vor den Auswirkungen des Corona-Virus), der noch nicht abgewendete harte BREXIT und nicht vorhersehbare Krisen im Nahen Osten, Nordkorea etc. Das Wirtschaftsklima ist daher mit derselben Zuverlässigkeit wie das allgemeine Wetter des laufenden Jahres prognostizierbar. In der Langzeitentwicklung der Firmeninsolvenzen in Österreich werden diese 2020 auf einem relativ geringen Niveau verharren. Die eine oder andere Großinsolvenz ist aber nicht auszuschließen.“

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