Montag, 13. Juli 2020
Krise als Anstoß – Hintergrund-Kommentar E&W 3/2020

SPOF!

Hintergrund | Dominik Schebach | 08.03.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
China hustet und die Weltwirtschaft hat eine Krise. So oder so ähnlich lassen sich viele der Analysen zusammenfassen, die seit Wochen in verschiedenen Medien angesichts des Corona-Virus' die Runden machen. Das E&W-Redaktionsteam hat sich natürlich ebenfalls mit dem Corona-Virus und den damit verbundenen Folgen für die Branche auseinandergesetzt. Lesen Sie dazu unseren Bericht ab Seite 10. Klar ist, dass das Corona-Virus sowie die dazugehörige Krankheit Covid-19 uns noch länger beschäftigen wird. Wie soll man also mit der Krise kurz- und langfristig umgehen?

Eine nicht ganz ernst gemeinte Denkschule vertritt die Meinung „Panik – jetzt!!!. Dann hast du’s hinter dir und du kannst nachher reagieren.“ Das ist verlockend, hilft uns aber auch nicht weiter. Im Gegenteil, im schlechtesten Fall verschwendet man nur Ressourcen, Zeit und Energie, die man besser hätte einsetzen können. „Business as usual“ bringt uns allerdings auch nichts. Denn Folgen von Covid-19 sind real und die kann man nicht wegdiskutieren. Bleibt also „Abwarten und Tee trinken“. Dh allerdings nicht, vollkommen passiv der Dinge harren, die kommen oder nicht, sondern die Situation genau zu beobachten, Informationen von den Lieferanten einzufordern und frühzeitig sich Strategien überlegen, wie man auf verschiedene Entwicklungen reagieren kann.

Die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, dass die gesamte Wirtschaft und besonders die Elektronikindustrie in der Abhängigkeit Chinas befindet, ist dagegen jetzt einmal müßig. Langfristig wird man sich allerdings überlegen müssen, wie man das Risiko streut. Denn das Corona-Virus hat uns glasklar demonstriert, dass es heute in der globalen Weltwirtschaft einen neuen „Single Point of Failure“ gibt. Abgekürzt wird dieser übrigens mit SPOF. Klingt wie der lautmalerische Text eines schlechten Comics in Begleitung diverser Katastrophen, nur hat ein SPOF meistens recht katastrophale Auswirkungen in der realen Welt – und ist dummerweise in diesem Fall gar nicht so einfach zu umgehen.

Denn, um unser Wirtschaftssystem redundant aufzustellen, reicht es eben nicht mehr aus, das Risiko auf mehrere Lieferanten zu verteilen. Man müsste auch auf deren globale Herkunft achten – und natürlich ist es damit auch nicht getan, weil die Zulieferketten sind ebenfalls in die Überlegung miteinzubeziehen usw usf. Aber selbst wenn man als Händler sich mit diesen Verästelungen der Weltwirtschaft beschäftigt, bleibt dann noch immer ein Argument, um das man nicht herumkommt: Die damit verbundenen zusätzlichen Kosten. China hat sich aufgrund seiner günstigen Kostenstruktur an die Spitze der Produktion gesetzt und das wird sich nicht so schnell ändern – auch wenn immer mehr Konzerne bereits Teile ihrer Produktion in andere Teile Asiens verlagern.

Bleibt uns also nur die Möglichkeit, mit diesem SPOF zu leben, oder auf neue Technologien in der Produktion und in der Logistik zu hoffen, die das Kostenargument langfristig überwinden und wir z.B. auch wieder in Europa eine breit aufgestellte und konkurrenzfähige UE-Industrie sehen. Ehrlicherweise muss man sagen, dass es dazu wirklich revolutionäre Ansätze bräuchte wie z.B. individuelle UE-Geräte just-in-time aus dem 3D-Drucker. Aber vielleicht gibt ja genau diese Krise den Anstoß zu neuen Entwicklungen dazu. Dann hätte das Corona-Virus sogar etwas Gutes bewirkt.

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