Mittwoch, 1. April 2020
Zwischenmenschliches I

Ich schnarche nicht!

Über den Rand | Andreas Rockenbauer | 22.03.2020 | Bilder | | 1  

Andreas Rockenbauer
Für meine beiden letzten Beiträge zu einem „elektro.at am Sonntag” (Zwischenmenschliches I und II) habe ich ein wenig in meinem Geschichten-Fundus gestöbert und bin dort auf ein paar Ideen gestoßen, die ich schon vor einigen Jahren „zur weiteren Verwendung” niedergeschrieben habe und die thematisch recht gut das repräsentieren, was mich gedanklich so umtreibt. Und noch weiter umtreiben wird. Es sind das neben dem Zwischenmenschlichen in all seinen Facetten vor allem auch Widersprüchliches und die Eskalation in ihren unterschiedlichsten Erscheinungsformen. Von der Publikation meines diesbezüglichen Lieblingstextes in diesem Rahmen habe ich in letzter Sekunde Abstand genommen, weil er vielleicht doch etwas zu explizit ist. Die verbleibenden beide machen ihnen hoffentlich ein wenig Spaß und sorgen für kurze Ablenkung in dieser doch recht herausfordernden Zeit...

Das Setting ist denkbar einfach: Ein Ehepaar liegt im Bett – er schläft, sie nicht…

Sie: So geht das nicht! Ich halte das nicht mehr aus! … Hörst du? … Anton!

Er: Hääääh?

Sie: Du schnarchst! Ich kann nicht schlafen!

Er: Tu ich nicht!

Sie: Tust du doch! Du schnarchst wie eine ganze Büffelherde. Das kommt vom Alkohol. Hör auf mit dem Saufen am Abend.

Er: Lass mich in Ruhe!

Sie: Ich lass dich in Ruhe, wenn du mich auch in Ruhe lässt. Hör auf zu schnarchen!

Er: Ich schnarche nicht! DU schnarchst!

Sie: ICH schnarche NIE! Ich würde aber gerne schnarchen, damit du siehst, wie das ist, wenn neben einem einer liegt, der dauernd schnarcht und man nicht schlafen kann. Und wenn man dann ewig wach liegt und nur mehr daran denkt, dem anderen den Polster aufs Gesicht zu drücken bis es ein Ende hat mit dem Schnarchen.

Er: Nach dem Stelzenessen hast du auch geschnarcht.

Sie: Ich bin seit sieben Jahren Vegetarierin.

Er: Und was beweist das?

Sie: Dass ich seit sieben Jahren kein Fleisch gegessen habe.

Er: Ist mir wurscht. Tofu-Stelze eben.

Sie: Was redest du für einen Schmarrn. Hör einfach auf zu schnarchen oder geh in Annas Zimmer. Sogar der Hund ist nicht mehr da, weil man das Gefühl hat du würdest einen ganzen Wald umsägen. Und alles nur wegen dem Saufen am Abend.

Er: Zwei Bier. Lächerlich!

Sie: Es waren VIER große Bier und ein Viertel vom Veltliner. Und die Presswurst in Essig und Öl, ein Stück Kümmelbraten, zwei Fleischlaberln und ein Brot mit Verhackertem. … Anton? Anton! Du schnarchst!

Er: Seit wann ist in der Presswurst Alkohol?

Sie: Warum soll in der Presswurst Alkohol sein?

Er: Vergiss es! Und schlaf endlich! Ich will meine Ruhe!

Sie: Ach, ja. Ruhe!? Die hätte ich auch gerne! Ruhe! Wie gibt’s Ruhe neben einem schnarchenden Monstrum? Kannst du mir das erklären?

Er: Ich will nicht erklären, ich will schlafen.

Sie: Schnarchen, du willst schnarchen.

Er: Schlafen.

Sie: Schnarchen!

Er: Auch gut. Dann eben schnarchen.

Sie: Nein!

Er: Was jetzt?

Sie: Mach was du willst.

Er: Na eben, geht ja.

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