Freitag, 5. Juni 2020
„Die Corona-Krise und die Schließung von Einzelhandel & Gastronomie“

73% aller Verkaufsflächen in Österreich sind derzeit ungenutzt

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 27.03.2020 | |  
Wie RegioPlan berichtet, sind auf Grund der Corona-Krise derzeit 73% aller Verkaufsflächen in Österreich ungenutzt. Der stationäre österreichische Einzelhandel verliert zudem täglich knapp 140 Mio. Euro brutto. (Bild: RegioPlan) Wie RegioPlan berichtet, sind auf Grund der Corona-Krise derzeit 73% aller Verkaufsflächen in Österreich ungenutzt. Der stationäre österreichische Einzelhandel verliert zudem täglich knapp 140 Mio. Euro brutto. (Bild: RegioPlan) RegioPlan warf einen Blick auf die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Einzelhandelsumsätze und Einzelhandelsflächennutzung in Österreich. Demnach sind 73% aller Verkaufsflächen in Österreich derzeit ungenutzt. Zudem verliere der stationäre österreichische Einzelhandel täglich knapp 140 Mio. Euro brutto, wie RegioPlan sagt.

RegioPlan berichtet: Von den aktuell 14,2 Mio. Quadratmetern Verkaufsfläche in Österreich liegen derzeit etwa 10,3 Mio. Quadratmeter still, weil sie nicht betreten werden dürfen. Das sind rund 73% der gesamten Verkaufsfläche in Österreich.

Der stationäre österreichische Einzelhandel verliert

Der stationäre österreichische Einzelhandel verliert laut RegioPlan täglich knapp 140 Mio. Euro brutto. RegioPlan erklärt das wie folgt: „Ausgehend von den Konsumausgaben der privaten Haushalte von etwa 73 Mrd. Euro im Jahr und unter Abzug der Branchen, die derzeit geöffnet haben, ergibt sich ein tägliches Umsatzvolumen von etwa 167 Mio. Euro – stationär und online. Wenn man davon den ‚normalen‘ branchenspezifischen Onlineanteil von etwa 37 Mio. abzieht, verbleibt ein stationärer Umsatzentgang von täglich 130 Mio. Euro (brutto). Zu jenen 130 Mio. Euro (brutto) kommen noch die Umsatzrückgänge durch den Tourismus, der derzeit praktisch auf Null zu setzen ist, hinzu. Errechnet aus den branchenrelevanten Konsumausgaben pro Nächtigung und der durchschnittlichen Nächtigungszahl im März ergibt sich ein zusätzlicher Umsatzentgang von täglich 9,5 Mio. Euro für den stationären Handel.“

Längerfristige Auswirkungen

Die derzeitigen Verluste im stationären Einzelhandel bedeuten jedoch nicht, dass der gesamte entgangene Umsatz für immer verloren ist, sagt RegioPlan. „Es kann auf Grund von Analogienaus anderen Fällen angenommen werden, dass in dieser Situation etwa ein Drittel der Ausgaben der Wohnbevölkerung, also etwa 40 Mio. Euro pro Tag bloß aufgeschoben und nach der Normalisierung wieder nachgeholt wird.“

In einigen Branchen (etwa Gartencenter, Baumärkte, Bekleidungshandel, Schuhhandel) hänge der tatsächliche Umsatzentgang aber noch mehr als in den anderen Branchen von der Dauer der Schließung ab: „Jungpflanzen, Setzlinge und Gartenmöbel können später kaum mehr verkauft werden, ebenso die Frühjahrsmode im Sommer nur mehr zu sehr reduzierten Preisen. Was mit Sicherheit angenommen werden kann ist, dass die heurige Sommersaison im Tourismus besonders schwach ausfallen wird. Die Umsätze der Touristen im Einzelhandel und der Gastronomie, die in einigen Regionen und Städten deutlich höher sind als die der EinwohnerInnen und Tagesgäste, fehlen den Unternehmen in der Umsatzbilanz ebenso“, sagt RegioPlan und: „Eine Abschätzung des längerfristigen Umsatzentganges kann aber derzeit nicht seriös erfolgen, denn sie ist maßgeblich vom Fortgang der Pandemie und der Reisebeschränkungen ab.“

Verschiebung der stationären Umsätze

Derzeit ist eine Verschiebung der stationären Umsätze in Richtung Internet zu beobachten. Ab-gesehen vom Lebensmittelhandel und Drogeriehandel war vor allem an den ersten „Hamster-kauftagen“ ein starker Anstieg der Onlinebestellungen zu beobachten. „Derzeit liegen die Bestellungen nach Auskunft einiger (weniger) Marktteilnehmer in Summe um etwa 25% bis 30% höher als normal“, berichtet RegioPlan. Dieser Effekt werde sich nach Beendigung der Maßnahmen der Bundesregierung wieder legen, aber trotzdem dem Onlineeinkauf langfristig einen Boost geben, denn derzeit „üben“ den Onlineeinkauf Zielgruppen aus, die es vorher nicht getan haben. RegioPlan beobachtet zur Zeit auch, dass diese Onlineumsätze zu knapp 70% Online-Pure-Playern zu Gute kommen, und jene sitzen meistens im Ausland oder haben ihre Unternehmenszentrale im Ausland. „Eine bloße Verschiebung der Umsätze der in Österreich tätigen stationären Händler in ihren eigenen Onlineshop gelingt somit nur sehr wenigen Unternehmen“, sagt RegioPlan.

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