Mittwoch, 12. August 2020
Petition gestartet

Mischbetriebe: Die Menschen im EFH verlieren die Geduld

Hintergrund | Dominik Schebach | 29.03.2020 | Bilder | | 7  
Diese Bild von einem Lebensmittelmarkt am Freitag zeigt, dass zumindest diese Kette weiterhin ihr Elektro-Sortiment anbietet. Diese Bild von einem Lebensmittelmarkt am Freitag zeigt, dass zumindest diese Kette weiterhin ihr Elektro-Sortiment anbietet. Bisher haben die Mitglieder der Branche die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus vorbildlich mitgetragen. Dass einige Lebensmittelbetriebe allerdings die Situation ausnutzen und weiterhin Elektrogeräte verkaufen, stößt vielen sauer auf. Wie elektro.at erfahren hat, haben einige Mitglieder der Branche Petitionen gestartet.

In der Branche setzt sich offensichtlich der Eindruck durch, dass die Mischbetriebe ihre priviligierte Stellung auf Kosten der anderen Handelssparten ausnutzen. Sehr zum Missfallen vieler Vertreter des EFH. „Das ist eine Frechheit“, erklärte ein langjähriger Brancheninsider gegenüber elektro.at . „Das können wir uns nicht länger gefallen lassen.“ Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich das jüngste Prospekt eines prominenten Lebensmittelbetriebs. In diesem wirbt die Lebensmittelkette recht ungeniert mit Elektro-Großgeräten, einschließlich Waschmaschinen und Geschirrspüler.

Mitglieder der Branchen haben deswegen bereits einen pointierten Petitionstext verfasst, mit der Aufforderung diesen auch über die Branchengrenzen weiter zu verbreiten und natürlich den genannten Mitgliedern der Bundesregierung die Petition auch zu schicken. Den Text der Petition finden sie unten.

Position des Sozialministeriums

elektro.at hatte sich bereits am Freitag wegen der Frage der Mischbetriebe an das Sozialministerium gewandt. Dort vertritt man eigentlich eine sehr enge Auslegung der betreffenden Verordnung. So schrieb uns eine Sprecherin der Ministerium: „In sog. „Mischbetrieben“ dürfen die Waren verkauft werden, die unter die Ausnahmeregelung fallen. Wir verweisen hierzu auf die Regelungen des § 2 der VO 96. Die Kontrolle vor Ort erfolgt durch die Organe der Bezirksverwaltungsbehörde (Magistrat oder Bezirkshauptmannschaft) und durch die Organe des öffentlichen Sicherheitsdienstes (§ 2a des COVID-Maßnahmengesetzes).“ Zusätzlich kündigte sie ein Gespräch in der WKÖ zu dem Thema für den kommenden Montag an.

 

[Kommentar]

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus sind notwendig. Nur so können wir die notwendigen Kapazitäten auf den Intensivstationen erhalten. Die Maßnahmen können allerdings nur erfolgreich sein, wenn sie von allen mitgetregen werden. Wenn nun einzelne Unternehmen ihre Privilegien ausnutzen, gefährden sie den notwendigen gesellschaftlichen Konsens. Gleichzeitig bleibt den anderen Branchen bald nichts anderes übrig, als in Notwehr ebenfalls wieder aufzusperren. Damit wären alle bisher gebrachten Opfer umsonst gewesen. Also entweder halten sich alle daran, oder wir müssen uns ganz schnell eine neue Strategie überlegen.

Und die Lebensmittler sollten sich nicht zu sicher sein. Denn das Spiel kann man auch in die andere Richtung spielen. Ich persönlich warte ja auf den ersten Elektrohändler, der in sein Sortiment Sugo und Spaghetti aufnimmt.

 

Petitionstext:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Kurz, sehr geehrte Frau Ministerin Schramböck, sehr geehrte Herren Minister Nehammer und Anschober,

Eines zuerst: Hochachtung vor allen Menschen an der Front im Lebensmittelhandel, Apotheken, Ärzten, Polizei, öffentlichen Verkehrsmitteln, Müllabfuhr, den arbeitenden und produzierenden Betrieben und vielen mehr, die tagtäglich eine Wahnsinns Leistung bringen. Und natürlich auch allen anderen, wie auch Ihnen in der Regierung die das Land am Laufen halten.  Ebenso wie denen, die sich auch nach 2 Wochen an die Empfehlungen halten.

Vielen Dank auch für die vielen tollen Massnahmen von Euch und der Bundesregierung, um welche uns alle beneiden.

Und um die Durchsetzung eines Punktes der Massnahmen geht es. Die klare Trennung im Handel bei verschiedenen Sortimenten, und das Verkaufsverbot auch dort, an das sich die geldgierigen Konzern Chefs im Lebensmittelhandel, die geraden den Umsatz Ihres Lebens mit der Krise mit den erlaubten Sortiment machen nicht halten. Und damit zusätzlich, mit Frechheit und unlauterem Wettbewerb neben Lebensmitteln auch Elektrogeräte, Gartengeräte, Bekleidung, Sportgeräte usw. verkaufen.
Beispiele auf Bildern und Video im Anhang.
Wiederspricht dies nicht den Bestimmungen?
Und auch der Fairness und dem Miteinander?
Wo ist da der Team Österreich Gedanke?
Wie und wann wird dagegen vorgegangen?

Oder wird der Umsatz Verlust der z.B. dem Bekleidungs- und Elektrohandel usw. entsteht, obwohl der Umsatz nach der Krise wieder dringend benötigt wird, als Kollateralschaden einfach hingenommen?

Bilder
Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich der jüngste Prospekt der Kette.
Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich der jüngste Prospekt der Kette.

Kommentare (7)

    1. Es darf natürlich online verkauft werden. Die Lieferung, Aufstellung und Inbetriebnahme der Geräte, sowie der Abtransport/Entsorgung von Altgeräten ist erlaubt.

      Auch Reparaturen beim Kunden oder Händler sind zulässig

  1. Ich bin heute 82 Jahre alt!
    Ich glaube mich zu erinnern, daß in meiner Lehrzeit eine strenge Branchen -Trennung gegolten hat. Ich habe eine Doppel-Lehre, Handel und Gewerbe (4 Jahre absolviert)
    Das was man handeln wollte, in diesem Gremium musste man zahlendes Mitglied sein (also eine Gewerbeberechtigung haben). Mein Lehrmeister (Vater) war Mitglied in den Gremien Foto Handel, Elektro und Musikgeräte Handel, Papier und Büro Waren Handel, Foto Handel und Fotografen Gewerbe. Ich habe mich sehr gewundert, als es eines Tages geheißen hat, daß man nur mehr EINE Gewerbe Berechtigung braucht; und zwar „Handelsgewerbe“ und damit mit ALLEM handeln darf, also z B.: auch mit Lebensmittel. Daß heute, vor Schulbeginn, (manchmal schon im Schulschluss) alle Lebensmittel-Händler Schulhefte, Zeichenblocks, Buntstifte u. d. gl. im Schleuder-Sonderangebot haben, finde ich auch sehr befremdend. Wo bitte bleibt da die „fachkundige“ Beratung durch den Spezialisten?

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    1. Fachkundige Spezialisten brauchen wir heut zu Tage nicht mehr, haben ja alle Internet.
      Heut zu Tage ist jeder ein Spezialist, meiner Meinung aber nur wenn es geht den billigsten Preis im Netz zu finden.
      Eigenartig ist dann aber trotzdem, wenn so Fragen kommen, geh ich hätte da nur eine kleine Frage.

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  2. Ui, da werdn die in der Regierung aber zittern…. Mal im ernst, was soll dass denn bringen?? Auf Orf ist gestanden, in Vorarlberg hat jetzt ein Spielzeughändler die Supermärkte verklagt https://vorarlberg.orf.at/stories/3041135/ zu sowas fehlt unserer Branche aber der Mut. da gibts wieder nur das selbe Kleinklein wie immer,statt dass einmal gemeinsam was gemacht wird. Wo sind jezt die die sonst auch immer das MAul aufreißen? wo ist überhaupt die Wettbewerbsbehörde, wenn man die einmal brauchen würde?

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