Freitag, 5. Juni 2020
Hintergrundkommentar E&W 4/2020

Surrealer Start

Die Branche | Dominik Schebach | 05.04.2020 | Bilder | |  

Dominik Schebach
Natürlich wollten meine Kollegen Wolfgang Schalko und Mario Ernst sowie ich den Start in das neue Zeitalter der E&W story-technisch spektakulär begehen. Die Cover-Story von Stefanie Bruckbauer mit Thomas Pöcheim hätte uns allerdings als Auftakt genügt. Doch die vergangenen Wochen haben die Welt auf den Kopf gestellt – für jeden, auch im EFH. Der Corona-Virus hat uns gezeigt, wie verletzlich im Endeffekt unsere Gesellschaft ist. Wie leicht die Orientierung verloren gehen kann und wie viel in unserer Gesellschaft eigentlich auf Konventionen beruht.

Wir konnten praktisch in Echtzeit beobachten, wie schnell sich scheinbar unverrückbare Regeln in einem Stakkato von News außer Kraft setzen lassen. Das Team der E&W hat sich dieser Herausforderung gestellt. Ich bin wahrlich stolz darauf, mit Kollegen Wolfgang Schalko und Mario Ernst, sowie Stefanie Bruckbauer im Team zu sein. Gemeinsam haben wir in den vergangenen Wochen eine Vielzahl an Informationen für die Branche zusammengetragen und nachrecherchiert, um den Handel in dieser massiven Krise zu unterstützen. Für jeden von uns waren das drei extrem intensive Wochen. Und in diesem Chaos der sich überschlagenden Ereignisse haben wir nicht nur die aktuelle Berichterstattung auf elektro.at am Laufen gehalten, sondern auch noch diese Ausgabe produziert. Ein Heft, das ihnen hoffentlich wieder wichtige Informationen und Einblicke gibt.

Ich muss zugeben, die Produktion hatte für mich in den vergangene Tagen und Wochen zT eine surreale Qualität. Da kippt ein Land ohne sichtbaren Gegner von einem Tag auf den anderen in einen vollkommenen Krisenmodus und man hat es noch nicht richtig verarbeitet. Dieser surreale Eindruck wird vom Verhalten einzelner Handelskonzerne noch verstärkt. Da bringt der Handel ein Opfer für das Wohl der Allgemeinheit, weil die Händler Maßnahmen als notwendig akzeptiert haben. Aber ausgerechnet jene Unternehmen, welche in dieser Krise noch mit einem blauen Auge davon kommen, nutzen die Situation auf Kosten der kleinen Betriebe aus. Fairness sieht anders aus. Aber offensichtlich legt die Krise wirklich den Blick auf das Innerste einer Organisation frei. Wenn Covid-19 abgeklungen ist, wird man vieles hinterfragen müssen. Unter anderem auch, ob wir einigen wenigen Handelskonzernen so viel Macht einräumen wollen. Dazu gehören auch ausdrücklich Amazon und andere Trittbrettfahrer, für die Kriegsgewinnler noch eines der freundlichsten Worte war, das ich gehört habe. Wenn man ein Land zur Bekämpfung einer Krise herunterfahren kann, dann kann man auch Lösungen mit Augenmaß für dieses Wettbewerbsprobleme erwarten.

Schließlich waren diese Wochen für mich eine beeindruckende Erfahrung: Ich habe in den vergangenen Wochen mit einigen Vertretern des Handels gesprochen. Vielen ist innerhalb kürzester Zeit ein Großteil des Umsatzes weggebrochen, aber alle gehen sehr pragmatisch mit dieser Situation um. Sie sind Unternehmer und unternehmen etwas. Sie entwickeln Strategien, besinnen sich auf ihre Stärken und steuern ihren Betrieb, so gut es geht, durch die Krise. Und das ist einer der Gründe, warum ich an diese Branche glaube.

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