Mittwoch, 12. August 2020
Man hätte zeitgleiche Öffnung bevorzugt

Handelsverband: Begrüßung mit Wermutstropfen

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 06.04.2020 | |  
Der Handelsverband begrüßt die Öffnung des Non-Food-Handels ab 14. April, wie es einer Aussendung des Verbandes zu entnehmen ist. Einzig die Zweistufigkeit bezeichnet man als „Wermutstropfen“.

Schon am Freitag, also vor der heutigen Ankündigung der schrittweisen Öffnung des Handels der Bundesregierung, sprach sich der Handelsverband gegen eine Differenzierung zwischen großen und kleinen Händlern bei den geplanten Lockerungen aus (elektro.at berichtete). Nun ist die weitere Vorgehensweise der Bundesregierung veröffentlicht und der Handelsverband gratuliert in einer ersten Reaktion: „Der Handelsverband gratuliert der Bundesregierung für das – auch im internationalen Vergleich – hervorragende Krisenmanagement und die ersten Erfolge im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Corona-Virus in Österreich. Dank gebührt der Regierung auch für die heute angekündigte, schrittweise Lockerung der Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie, um die wirtschaftlichen Kollateralschäden zu reduzieren.“

Das sei für die Händler ein positives Signal hinsichtlich Planbarkeit und für die Konsumenten ein erster wichtiger Schritt Richtung neuer Normalität. „Selbstverständlich hat die Gesundheit der Menschen für den österreichischen Handel oberste Priorität, weshalb alle Hygiene-Vorschriften penibel eingehalten werden“, sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will in einer ersten Stellungnahme.

„Der Handelsverband konnte zwar durchsetzen, dass im Zuge der schrittweisen Öffnung nicht wie am Wochenende kolportiert zwischen klein, mittel und groß in drei Stufen unterschieden wird“, so Will und weiter: „Allerdings wurde statt dem empfohlenen gleichzeitigen Start ab 14. April unabhängig von der Geschäftsgröße ein 2-stufiges Modell gewählt. Ab 14. April dürfen demnach ‚kleine‘ Geschäfte unter 400 m2 Verkaufsfläche starten – das sind rund 75% aller Läden.“

Differenzierung zwischen großen und kleinen Händlern als Wermutstropfen

Darüber hinaus dürfen auch alle Bau- und Gartencenter unabhängig von der Verkaufsfläche ab 14. April wieder öffnen – „ebenfalls eine zentrale Forderung des Handelsverbandes, da deren Waren verderblich sind“, wie Will sagt, für den es ein „Wermutstropfen“ sein, dass die  verbleibenden ‚großen‘ Geschäfte ihre Pforten allerdings erst ab voraussichtlich 2. Mai wieder öffnen dürfen. Man hätte sich „natürlich gewünscht, dass im Sinne der Fairness nicht zwischen großen und kleinen Händlern differenziert wird und alle zeitgleich wieder öffnen dürfen“, so Rainer Will.

Keine sofortige Erlaubnis von Click&Collect

Eine weitere zentrale Forderung des Handelsverbandes – die sofortige Erlaubnis von Click&Collect, also der Abholung vorbestellter Waren im Handel – wird wohl vor Ostern nicht mehr umgesetzt werden. „Viele Non-Food Händler hätten damit zumindest einen Teil ihrer hohen Verluste im Ostergeschäft auffangen können“, sagt der Handelsverband, der es laut eigenen Angaben „bedauert, dass diese Empfehlung, welche die Gesundheit der Verbraucher nicht gefährdet, aber der heimischen Wirtschaft helfen würde, nicht sofort aufgegriffen wurde und erwartet sich nun zumindest eine ehestmögliche Umsetzung.“

Rechtliche Unklarheiten

Der Handelsverband schreibt in seiner Aussendung weiter: „Damit sich die heimischen Händler jetzt bestmöglich auf die baldige Wiedereröffnung ihrer Geschäfte vorbereiten können, braucht es überdies noch dringend eine rechtliche Klarstellung der offenen

Fragen.“ Diese Fragen sind:

  • Was geschieht mit kleinen Läden mit weniger als 400m2 Verkaufsfläche in Shoppingcentern?
  • Können größere Händler durch Absperrungen und räumliche Verkleinerung ihrer Geschäfte durch Zonierung ebenfalls bereits am 14. April aufsperren?
  • Welche Öffnungszeitenregelungen werden ab 14. April gelten?

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