Mittwoch, 12. Mai 2021
Unterschiede zwischen Branchen und Größe

RegioPlan: Auswirkungen der neuen Maßnahmen

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 08.04.2020 | |  
RegioPlan hat sich angesehen, welche Auswirkungen die von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen auf den Einzelhandel haben werden. Probleme werden großflächige Bekleidungsfilialisten, Elektronikhändler und Möbelhäuser haben, wie RegioPlan prognostiziert.

Wenn die neuen Maßnahmen der Bundesregierung umgesetzt sind, bleiben 44% aller Verkaufsflächen in Österreich weiterhin ungenutzt, sagt RegioPlan: „Von den aktuell 10,3 Mio. m² Verkaufsfläche, die in Österreich derzeit still liegen, werden durch die aktuell geplanten Maßnahmen der Bundesregierung (Öffnung der Baumärkte, Gartencenter und Geschäfte unter 400 m²) 4,1 Mio. m² reaktiviert. Damit werden nun von der gesamten Verkaufsfläche in Österreich etwa 56% wieder aktiv sein, der Rest bleibt bis auf weiteres ungenutzt.“

Große Probleme für Fashion, Elektronik, Möbel

Vorläufig ausgeschlossen von der Wiedereröffnung bleiben Großflächen, sofern sie nicht den Branchen Lebensmittel, Drogerie, Baumärkte oder Gartencenter zuzuordnen sind. RegioPlan dazu: „Damit sind vor allem die großflächigen Bekleidungsfilialisten, Elektronikhändler und Möbelhäuser betroffen, deren Verkaufsfläche, abzüglich der ‚Kleinen‘ mit unter 400 m², insgesamt 4,2 Mio. m², also immerhin 30% der gesamten in Österreich verfügbaren Verkaufsfläche beträgt. Große Verkaufsflächen haben in Einkaufsstraßen und Shopping Malls sehr oft die Funktion von Frequenzbringern. Wenn sie geschlossen haben müssen, fehlt auch den kleinen Geschäften (also den Frequenznutzern) die notwendige Passantenanzahl vor dem Geschäft. Man kann also davon ausgehen, dass viele der kleinen Geschäfte in den Einkaufszonen, die obwohl sie aufsperren dürften, weiterhin freiwillig geschlossen bleiben werden.“

Umsatzrückgänge gehen zurück

Experten sagen: In der derzeitigen Situation verliert der stationäre Einzelhandel Umsätze von knapp 140 Mio. Euro brutto pro Tag (Wohnbevölkerung plus Touristen). Durch die nun angekündigten Maßnahmen der Bundesregierung verringere sich dieser Wert auf etwa 105 Mio. Euro brutto pro Tag, wie RegioPlan sagt. „Dieser Wert setzt sich aus minus 95 Mio. Euro durch die Wohnbevölkerung und minus 10 Mio. Euro durch die fehlenden Touristen zusammen.“

Längerfristige Auswirkungen

Die Auswirkungen des Corona-Schocks nach der „Normalisierung“ schätzt RegioPlan nach Branchen sehr unterschiedlich ein. „Die geringsten Veränderungen werden jene Branchen erleben, die auch in der Krise kaum unter den Maßnahmen der Regierung gelitten haben: Lebensmittel, Drogerie, Apotheken. In vielen anderen Branchen ist sichtbar geworden, dass die Synthese zwischen stationärem Einkauf und den Möglichkeiten des Internets oft noch nicht optimal funktioniert, insbesondere was Onlineshops, Angebote und vor allem die Zustellung betrifft. Die sogenannte Customer-Journey ist also dringend zu optimieren. Und dabei zeigt sich, dass kleine lokale Akteure flexibler und kreativer sein können, als einige große ‚Schlachtschiff‘-Filialisten.“

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