Montag, 13. Juli 2020
Photovoltaik-Ausbau als „Konjunkturprogramm”

Mit erneuerbarer Energie aus der Corona- und der Klima-Krise

Photovoltaik | Wolfgang Schalko | 10.04.2020 | Downloads | |  
Nach der Corona-Krise soll ein massiver PV-Ausbau für die (Wieder-)Belebung der Wirtschaft sorgen. Nach der Corona-Krise soll ein massiver PV-Ausbau für die (Wieder-)Belebung der Wirtschaft sorgen. (© Energetica) Die derzeitige Corona-Krise stellt für jeden Einzelnen von uns und somit für die gesamte Gesellschaft eine noch nie dagewesene Herausforderung vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht dar. Die aktuell notwendige und konsequente Maßnahmensetzung kann aber auch als große Chance gesehen werden, um nicht nur die Corona-Krise zu überstehen, sondern auch der gravierenden und deutlich schwerer einzudämmenden Klima-Krise entgegen zu wirken. Eine gestern veröffentlichten Studie von Greenpeace zeigt, wie mit einem Corona Konjunkturprogramm ein grüner Wiederaufbau nach der Krise gelingen kann. Oberste Priorität wird dabei – neben dem anhaltenden Bekenntnis zur Energiewende – der Unterstützung von Investitionen in eine nachhaltige Zukunft eingeräumt. Die Photovoltaik will bis 2030 die aktuelle Leistung verzehnfachen und damit den wesentlichsten Beitrag für die Umstellung leisten.

Das von der österreichischen Regierung angepeilte Ziel der Energiewende hin zu 100% sauberen Strom erfordert gerade in diesen schwierigen Zeiten weiterhin ein tatkräftiges und unbeirrtes Handeln. Diese Umstellung ermöglicht neben der sauberen Stromversorgung auch Lösungen für die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen der Corona-Krise. „Ein wichtiger Schritt ist daher anstatt Geld für den Import fossiler Energie zu verschwenden, dieses in den Ausbau der Erneuerbaren zu investieren und somit die österreichische Wirtschaft zu stärken“, appelliert Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria (PVA), an die Regierung.

Vor allem die Möglichkeit der zeitnahen Realisierung von Photovoltaik Projekten bewirkt:

  • Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen in den Bereichen Produktion, Installation und Betrieb
  • Langfristige Produktion von sauberem Strom
  • Regionale Wertschöpfung durch Errichtung und laufender Stromproduktion in Österreich

„Zielgerichtete Investitionen in den Ausbau der erneuerbaren Energieträger wird die regionale Wirtschaft beleben und unsere Gesellschaft insgesamt unabhängiger und damit auch krisenfester machen“, ergänzt Paierl.

200.000 Arbeitsplätze für den PV-Ausbau benötigt

Der Ausbau der Erneuerbaren Energie wird vor allem durch eine Vielzahl an schlagkräftigen österreichischen Unternehmern und zum großen Teil von KMUs umgesetzt. Mit dem rasanten und notwendigen Ausbau der Erneuerbaren geht ein steigender Bedarf an FacharbeiterInnen einher, womit die aktuell angespannte Situation am Arbeitsmarkt entlastet werden kann. Bis 2030 werden 200.000 Arbeitsplätze alleine in der PV-Branche geschaffen. Vor allem PV-Anlagen im Kleinanlagenbereich können sehr zügig errichtet werden und ermöglichen damit rasche Wertschöpfung und schnelle Produktion von sauberem Strom. Bei größeren Anlagen verzögern aktuell noch administrative Hürden wie Betriebsanlagengenehmigung oder unterschiedliche Landesgesetze im Bereich der Bauordnung und des Elektrizitätsrechts die Umsetzung. Diese Hürden gilt es jetzt abzubauen und durch ein vernünftiges Erneuerbaren Ausbau Gesetz (geplant für 2021) zu ersetzen.

Erste Maßnahme bereits gesetzt – Weiteres unbeirrtes Vorgehen notwendig

Erfreulich ist aus Sicht des PVA, dass das Parlament rasch reagierte und in einem der bisherigen fünf Maßnahmenpakete für COVID-19 auch die Verlängerung der Inbetriebnahmefrist für größere PV-Projekte (ÖMAG-Förderung) beschlossen hat. Damit wird sichergestellt, dass durch die aktuellen Erschwernisse nicht fristgerecht fertig gestellte Projekte die Förderung nicht verlieren. Aber auch die PV-Kleinanlagenförderung, abgewickelt über den Klima- und Energiefonds, als wichtigste Impulsgeberin für private Investitionen muss umgehend gestartet werden und ausreichend dotiert sein. Gerade in diesen Tagen wird der Förderstart bereits dringend erwartet, um im österreichischen Gewerbe die Auftragslage anzukurbeln und die sonnige Jahreszeit voll nutzen zu können.

IG Windkraft: Ausbau der Erneuerbaren als grüner Marshall-Plan für Österreich

Auch die IG Windkraft unterstützt die von Greenpeace und dem Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) veröffentlichte Analyse (die gesamte Studie finden Sie als PDF zum Download) und weist darauf hin, dass allein durch den kommenden Windkraftausbau 6,8 Mrd. Euro an Investitionen ausgelöst werden, mehr als 30.000 Personen beschäftigt werden und das vor allen in jenen Regionen des ländlichen Raums, wo beides auch schon vor der Corona-Krise dringend benötigt wurde. „Die Hoffnung ist groß, dass der Klimaschutz ein zentraler Teil des kommenden Konjunkturprogramm sein wird“, so Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft.

Wie in der Studie wird auch von Moidl gefordert: „Klimaschädliche Subventionen sind jetzt zu beenden. Immerhin schüttet Österreich Jahr für Jahr noch immer 4,7 Mrd. Euro an umweltschädlichen Subventionen aus. Die finanzielle Unterstützung von veralteten fossilen Strukturen können wir uns schlicht weg nicht mehr leisten.“ Andererseits, so fordern die Studienautoren, sollte die Zeit genutzt werden massiv in erneuerbare Energien und eine klimaneutrale Infrastruktur investiert werden. „So hart die Corona-Krise die Wirtschaft des Landes getroffen hat, so groß ist auch die Chance mit den richtigen Maßnahmen einen großen Schritt weiter zu kommen beim Umbau hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft“, ergänzt Moidl.

Um bis 2030 die Stromversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen, müssten unter anderem jährlich 120 Windräder mit einer Leistung von mehr als 500 MW errichtet werden. Neben 6,8 Mrd. Euro an Investitionen (2,4 Mrd. Euro Wertschöpfung bei der Errichtung der Windräder und weitere 275 Mio. Euro jährlich durch Betrieb und Wartung der neu errichteten Anlagen) wären beim Bau der Windkraftwerke in den nächsten zehn Jahren 30.000 Personen beschäftigt, weitere 2.700 Arbeitsplätze könnten dauerhaft für die Wartung und den Betreib neu geschaffen werden. „Die Arbeitsplätze der Windbranche sind doppelt wertvoll, werden sie vor allem in jenen Regionen des ländlichen Raumes geschaffen, die sehr stark durch Abwanderung gekennzeichnet sind“, betont Moidl. So sind Windkraftbetreiber wie zum Beispiel die WEB in Pfaffenschlag im Waldviertel und die Windkraft Simonsfeld in Ernstbrunn im Weinviertel in ihren Regionen bereits jetzt schon die größten Arbeitgeber.

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Studie „Grüner Wiederaufbau”

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