Sonntag, 20. September 2020
„Die Auswirkungen der Corona-Krise werden sich zeitverzögert zeigen“

Der österreichische Einrichtungsfachhandel in der Corona Krise

Die Branche | Stefanie Bruckbauer | 22.04.2020 | |  
Christian Wimmer, Geschäftsführer von Service&More. Christian Wimmer, Geschäftsführer von Service&More. Der Plan lautet, die österreichische Wirtschaft in den nächsten Wochen wieder langsam hochzufahren. Christian Wimmer, Geschäftsführer von Service&More kommentiert, was das für den österreichischen Einrichtungsmarkt bedeutet und vor welchen Herausforderungen die regionalen Möbelfachhändler und Raumausstatter stehen.

Seit 14. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis 400 Quadratmeter laut Regierungsbeschluss wieder öffnen. In diese Kategorie fällt rund die Hälfte der Mitgliedsbetriebe der Service&More, „Österreichs größter Einkaufs- und Dienstleistungsorganisation für den Einrichtungsfachhandel“, wie sich der Verband beschreibt. „In erster Linie öffnen Raumausstatter, die oftmals kleinere Schauräume haben, oder im Möbelhandel die kleineren Wohn- und Küchenstudios unter Einhaltung der gegebenen Schutz- und Hygienemaßnahmen wieder ihre Türen“, erklärt Service&More GF Christian Wimmer.

Die Corona-Krise stelle die österreichischen Unternehmen vor einige Herausforderungen, der Handlungsbedarf bei Verbänden sei dementsprechend groß, sagt Wimmer. „Seit Mitte März sind wir mit allen unseren Händlern in ständigem Kontakt und zeigen, dass wir gerade in der Krise als starker Partner unterstützen wollen. Die Grundvoraussetzungen für die Arbeitsumstellung bei den meisten unserer Händler waren sehr gut. Planungsarbeiten wurden teilweise weiter ausgeführt, natürlich ohne direkten Kundenkontakt, und bestehende Kundenaufträge konnten realisiert werden. Bei den Raumausstattern wurden die Montagen größtenteils weiterhin durchgeführt, selbstverständlich unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen und in direkter Abstimmung mit den Auftraggebern. Wo Materialien noch rechtzeitig geliefert wurden, konnten Montagen im Möbelhandel ebenfalls fertiggestellt werden.“
Für die Mitgliedsbetriebe hat Service&Moer auf der Website einen Bereich mit den neuesten Corona-Updates eingerichtet. Neben Informationen zu den aktuellsten Entwicklungen, kostenlosen Schulungs- und Motivations-Webinaren und verstärkter Unterstützung für werbliche Aktivitäten bietet der Verband seinen Handelspartnern auch persönlichen telefonischen Support durch Experten in rechtlichen und finanziellen Fragen. „Dank der gesetzten Maßnahmen konnten seit Beginn der Umstellung rund 30% der Mitarbeiter der Betriebe normal durcharbeiten“, informiert Wimmer. 

Mit innovativer Beratung punkten

Die Corona-Krise bringe auch Chancen und Möglichkeiten mit sich, Kunden auf neuen und anderen Wegen anzusprechen und zu erreichen, ist Wimmer überzeugt. „Wir sehen unsere Entfaltungsmöglichkeiten seit jeher und auch jetzt vor allem in der Beratung – zurzeit eben über Videokonferenzen, Online-Präsentationen und digitale Tools wie eVA 5.0, die elektronische Verkaufsassistentin.“
Wimmer erkennt auch einen weiteren Trend im Kundenverhalten, das durch das derzeit eingeschränkte Reise- und Mobilitätsverhalten unterstützt wird: „Nach einer Krise merkt man immer zeitversetzt einen verstärkten Bedarf nach dem sogenannten ‚Cocooning‘, wie zB. nach den Finanzkrisen 2001 oder 2008. Die Auswirkungen waren bei den Service&More Händlern noch zwei Jahre später spürbar. Das Zuhause einer gründlichen Analyse unterziehen, es sich hier gemütlich zu machen und regional einzukaufen – diese Verhaltensweisen erwarten wir auch dieses Mal.“ Dieses Potential gelte es laut dem Experten zu nutzen, und hier sei auch Kreativität gefragt. Wimmer: „Als ganz kleines Beispiel sei hier genannt, dass einige unserer Raumausstatter gleich zu Beginn der Wiedereröffnung damit geworben haben, ihren Kunden kostenlosen Mund-Nasen-Schutz aus – ohnehin vorhandenen – Stoffen zur Verfügung zu stellen.“

Wie geht es weiter?

Seit dem 14. April sind wie gesagt viele der Schauräume im Service&Moer Verbund wieder geöffnet. „Nach der ersten Woche ist es schwierig, die erste Bilanz zu ziehen. Was wir aber erkennen können, ist, dass es noch einige Wochen bzw. Monate dauern wird, bis die Normalität wieder einigermaßen einkehrt“, sagt Wimmer. Obwohl Geschäfte und Werke wieder öffnen, könne man aufgrund der vorgeschriebenen Schutzbedingungen bei den Lieferanten noch eine deutlich geringere Produktivität beobachten. „Derzeit haben das Heimwerken und die Gartenarbeit, wie man bei den Anstürmen auf die Bau- und Gartenmärkte sehen kann, höchste Priorität. Genauso wird das Interesse an der Einrichtung der eigenen vier Wände nach einiger Zeit auch wiederkommen“, ist sich Wimmer sicher. „Der Jahresstart war für den Einrichtungsmarkt heuer wieder sehr stark, bis Ende Februar hat Service&More sehr gute Zahlen geschrieben. In der jetzigen Situation ist beim Einkaufsumsatz mit einem Rückgang von ca. 20% für das gesamte Jahr 2020 zu rechnen. Für 2021 gehen wir aktuell von einem starken Wirtschaftsaufschwung aus. Auch wenn unsere Partnerbetriebe wirtschaftlich sehr gut aufgestellt sind, werden sich die Auswirkungen der Corona-Krise zeitverzögert zeigen.“ Umso wichtiger sei es, von staatlicher Seite die Investitionen anzukurbeln – das gelte für Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen. Wimmer weiter: „Die 38 Milliarden Euro für die Wirtschaft sind ein guter Anfang. Seitens der Regierung sollten aber weitere Investitionsprämien und Förderungen für den Herbst angedacht werden, um die wirtschaftlichen Verluste möglichst gut abzufangen.“ Ziel muss es laut Wimmer sein, möglichst gestärkt und schnell aus der Rezession herauszukommen.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.