Montag, 10. August 2020
„Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal“

ifo: „Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht“

Hintergrund | Stefanie Bruckbauer | 24.04.2020 | |  
Wie eine Umfrage des deutschen ifo-Institutes zeigt, blickten deutsche Unternehmen noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate. „Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht“, so ifo. (Grafik: ifo) Wie eine Umfrage des deutschen ifo-Institutes zeigt, blickten deutsche Unternehmen noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate. „Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht“, so ifo. (Grafik: ifo) Das deutsche ifo-Institut skizziert auf Grund aktueller Umfrage-Ergebnisse in der deutschen Wirtschaft ein düsteres Bild: Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen sei katastrophal, der Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert gesunken. 84% der Firmen spüren einen Umsatzrückgang. „Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht“, heißt es. Die Konsequenten: 50% der deutschen Unternehmen fahren Kurzarbeit, 18% planen Jobs abzubauen.

Das deutsche ifo-Institut findet deutlich Worte zu den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage: „Die Stimmung unter den deutschen Unternehmen ist katastrophal. Der ifo Geschäftsklimaindex ist im April auf 74,3 Punkte abgestürzt, nach 85,9 Punkten1 im März. Dies ist der niedrigste jemals gemessene Wert. Einen stärkeren Rückgang hat es noch nicht gegeben. Das ist vor allem auf die massive Verschlechterung der aktuellen Lage zurückzuführen. Die Unternehmen blickten zudem noch nie so pessimistisch auf die kommenden Monate. Die Coronakrise trifft die deutsche Wirtschaft mit voller Wucht.

Im Verarbeitenden Gewerbe ist der Geschäftsklimaindex auf den niedrigsten Wert seit März 2009 gefallen. Die aktuelle Geschäftslage der Industriefirmen verschlechterte sich dramatisch. Die Erwartungen sind von einem massiven Pessimismus geprägt. Der Erwartungsindikator fiel auf ein historisches Tief. Die Nachfrage nach Industrieprodukten ist eingebrochen.

Im Dienstleistungssektor ist der Geschäftsklimaindikator auf einen Tiefstwert gefallen. Die Dienstleister beurteilten ihre Lage noch nie so schlecht. Auch bei den Erwartungen herrscht Pessimismus ohne Beispiel.

Im Handel hat sich der Sturzflug des Geschäftsklimaindikators fortgesetzt. Die Urteile zur aktuellen Geschäftslage haben sich noch nie so schnell verschlechtert. Der Negativrekord vom März bei den Erwartungen wurde nochmals unterboten.

Im Bauhauptgewerbe ist der Index noch nie so stark gesunken. Gleiches gilt für den Indikator der aktuellen Lage sowie den der Erwartungen. Mit ihrer aktuellen Lage sind die Baufirmen jedoch mehrheitlich noch zufrieden.“

Eine weitere Umfrage des ifo-Institutes im April zeigt: In der Coronakrise fahren 50% der deutschen Unternehmen Kurzarbeit, 18% wollen Jobs abbauen. Im Handel befinden sich Mitarbeiter derzeit bei 55% der Unternehmen in Kurzarbeit, in der Industrie 53%, bei den Dienstleistern 48% und auf dem Bau nur 37%. „Für viele Unternehmen ist Kurzarbeit ein Mittel der Wahl, um kurzfristige Umsatzausfälle abzufedern und ihre Belegschaft zu halten“, sagt der Leiter der ifo-Befragungen, Klaus Wohlrab. 

Details

Für einen Antrag auf Kurzarbeit müssen zunächst Überstunden und Zeitguthaben abgebaut werden. Diese Maßnahmen haben 69% der Firmen veranlasst. In der Industrie sind es 78%, im Handel 68%, bei den Dienstleistern 65% und auf dem Bau 54%. Mitarbeiter entlassen oder befristete Jobs nicht verlängern wollen wie gesagt 18% der Unternehmen. In der Industrie und bei den Dienstleistern sind es jeweils 20%, 15% im Handel und nur 2% auf dem Bau. 46% der Firmen wollen Investitionen verschieben, darunter 56% in der Industrie, 44% bei den Dienstleistern, 38% im Handel und 31% auf dem Bau.

Im Schnitt rechnen die Unternehmen damit, dass die Einschränkungen des öffentlichen Lebens rund 3,9 Monate lang dauern. Schließungen und Produktionsstopp erleben 15% der Firmen, darunter 23% im Handel, 19% in der Industrie sowie 12% auf dem Bau und 10% bei den Dienstleistern.

84% der Firmen spüren einen Umsatzrückgang durch die Corona-Krise, nur 4% einen Anstieg, 12% sehen keinen Unterschied. 45% der Unternehmen glauben, dass der Rückgang in Zukunft teilweise nachgeholt werden kann. Lieferprobleme bei wichtigen Vorprodukten erleben 41% in der Industrie und 53% der Firmen im Handel. Steuerstundungen oder eine Verringerung der Vorauszahlungen nehmen derzeit 36% der Firmen wahr, weitere 32% planen dies.

„Praktisch einziger Gewinner der Corona-Krise ist das Home-Office“, sagt das ifo und ergänzt: „Mit einer verstärkten Nutzung reagieren 76% der Unternehmen. Das betrifft 87% der Firmen in der Industrie, 76% der Dienstleister, 67% auf dem Bau und 60% im Handel.“

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