Dienstag, 20. Oktober 2020
„Ausbaupotenzial von Sonnenstrom nicht nur auf Dächern vorhanden”

PV Austria zum Tag der Erneuerbaren Energien

Photovoltaik | Wolfgang Schalko | 24.04.2020 | |  
Österreich feiert am morgigen 25. April den Tag der Erneuerbaren Energie – deren ohnehin erforderlicher Ausbau sollte als Wirtschafts- und Jobmotor genutzt werden. Österreich feiert am morgigen 25. April den Tag der Erneuerbaren Energie – deren ohnehin erforderlicher Ausbau sollte als Wirtschafts- und Jobmotor genutzt werden. (© Fronius) Am morgigen 25. April begeht Österreich den weltweiten Tag der Erneuerbaren Energie, der seit 25 Jahren gefeiert wird. Aus diesem Anlass mahnt der Bundesverband PV Austria zur Einhaltung des Ziels von 100% sauberem Strom bis 2030 und stellt klar, dass die PV-Nutzung auch auf Flächen abseits vom Gebäude für das Klimaziel unerlässlich und ohne zusätzlicher Bodenversiegelung möglich ist. In diese Kerbe schlagen auch die Interessensverbände Oesterreichs Energie und Erneuerbare Energie Österreich.

Während man mit dem weltweiten Tag der Erneuerbaren Energie zu Beginn vor allem auf die Gefahren der Atomenergienutzung hinweisen wollte, gilt er heute auch als Aufruf zur Bewältigung der Klimakrise und zur Stärkung der Erneuerbaren. Diese gehören durch ihren hohen inländischen Wertschöpfungsanteil zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Zukunft. Denn erneuerbare Energieproduktion und insbesondere die Photovoltaik schaffen Arbeitsplätze und Wertschöpfung, bieten Versorgungssicherheit, Preisstabilität und bewahren uns vor dem Klimakollaps.

Photovoltaik-Ausbau in allen Bereichen notwendig

Mit dem Ziel der Bundesregierung „100% erneuerbarer Strom bis 2030“ wird für die Photovoltaik ein Zubau von insgesamt 11 TWh abgeleitet. Das bedeutet eine knappe Verzehnfachung der aktuell installierten PV-Leistung (1,6 GWp entspricht etwa 1,6 TWh). Dafür braucht es einen guten Mix unterschiedlicher PV-Anwendungen. Das „1-MillionDächer-Programm“ der Klimaschutzministerin kann hier eine sehr wichtige Unterstützung leisten. Dennoch wird die benötigte PV-Leistung nicht nur auf Dachflächen allein erreicht werden können. Großes Potenzial besteht auf bereits versiegelten und genutzten Flächen wie Parkplätzen, Lärmschutzwänden und allgemeiner Versorgungsinfrastruktur. Aber auch Anlagen auf anderen geeigneten Freiflächen sind für den PV-Ausbau notwendig – und das ist ohne Versiegelung der darunter liegenden Fläche möglich.

Um 2030 vollständig sauberen Strom zu garantieren, muss ein jährlicher PV-Zubau von bis zu 1,7 TWh (aktuell rund 0,2 TWh) stattfinden. Dass dies nicht allein auf Gebäuden umsetzbar ist, hat eine Studie von Österreichs Energie nun belegt. Sie zeigt auf, dass der Stromproduktion auf Gebäuden (Wohnhäusern) und insbesondere bei Gewerbe- und Industriehallendächern eine große Rolle zukommt. Auf Grund technischer, wirtschaftlicher und sozialer Einschränkungen kann das theoretische Potenzial auf Gebäuden unter den aktuellen Bedingungen aber bei weitem nicht ausgenutzt werden, schon gar nicht in der verbleibenden Zeit. Daher ist zusätzlich ein geordneter Ausbau auf bereits infrastrukturell genutzten Flächen sowie geeigneten Freiflächen erforderlich, um tatsächlich alle Möglichkeiten der Sonnenstromproduktion zu nutzen.

„Die Erreichung der ambitionierten Energieziele und insbesondere der Ausbau der Photovoltaik geht nicht ohne die Nutzung geeigneter Freiflächen. Daher müssen wir neben einem richtungsweisenden Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) auch die Länder und Gemeinden als Partner einbinden, um die notwendigen Flächenwidmungen für die Sonnenstromproduktion zu gewährleisten. Wir begrüßen die Ergebnisse der Studie, denn Fakt ist, wir brauchen alle uns zur Verfügung stehenden Flächen, um Österreich in eine erneuerbare Stromzukunft zu führen“, mahnt Herbert Paierl, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Photovoltaic Austria, ein.

Die Anwendungsmöglichkeiten der PV abseits von Dächern sind groß. So gibt es mittlerweile zahlreiche vielversprechende und erprobte Möglichkeiten der Doppelnutzung der Fläche (Sonnenstromproduktion und gleichzeitige anderweitige Nutzung), die vielfältige Vorteile schaffen. Damit steht der Ausbau auch nicht im Widerspruch zu Naturschutz, Landwirtschaft, Naherholung und Landschaftsschutz. „Wir wünschen uns nicht nur von der Regierung sowie von allen im Parlament vertretenen Parteien, sondern auch von den Landesregierungen, Landtagen, Bürgermeistern und Gemeinderäten ein konsequentes Bekenntnis zum PV-Ausbau auf Gebäuden und geeigneten Freiflächen. Damit sollen aber auch zusätzliche Flächenversiegelungen hintangehalten werden“, betont Paierl.

Unerlässlich für die Erschließung des gesamten PV-Potenzials sei jedenfalls ein konsequenter Abbau hinderlicher Regelungen und aufwändiger Genehmigungen, ein vereinfachter Netzanschluss oder die praxisorientierte Umsetzung von Gemeinschaftsanlagen sowie allen voran verlässliche Förderstrukturen. Dazu gehört auch eine PV-Verpflichtung im Neubau und bei baulichen Sanierungsvorhaben, unabhängig ob privat oder gewerblich genutzt.

Erneuerbaren-Ausbau als Konjunkturmotor

Anlässlich des Tages der Erneuerbaren Energien appelliert auch Oesterreichs Energie, die Interessenvertretung von Österreichs E-Wirtschaft, an Politik, Wirtschaft und die österreichische Bevölkerung, den Ausbau von Strom aus Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie rasch voranzutreiben. „Die Zukunft gehört den erneuerbaren Energien. Mehr sauberer Strom bedeutet, mehr Arbeitsplätze und mehr Wertschöpfung bei weniger CO2“, bringt es Leonhard Schitter, Präsident von Oesterreichs Energie, auf den Punkt.

„Das Regierungsprogramm sieht vor, dass der österreichische Stromverbrauch bis 2030 zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie aus dem Inland gedeckt wird. Das bedeutet, dass wir 27 TWh Strom zusätzlich aus Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie sowie Biomasse benötigen werden. „Der Ausbau der Erneuerbaren ist das Herzstück von Österreichs Programm auf dem Weg zur Klimaneutralität. Er ist auch das größte und ambitionierteste Infrastrukturprojekt dieses Jahrhunderts und kann darüber hinaus einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der aktuellen Wirtschaftskrise leisten“, so Schitter weiter. „Investitionen in unser Energiesystem kurbeln die Konjunktur an und bremsen die Erderhitzung – so macht sich jeder ausgegebene Euro doppelt bezahlt.“

Um den Umbau des Energiesystems zu realisieren, braucht Österreich rasch das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz, geänderte rechtliche Rahmenbedingungen z.B. bei Flächenwidmungen und in der Bauordnung, ein kluges Incentivierungssystem und Verfahrensbeschleunigungen. „Der Umbau des Energiesystems ist ein Gemeinschaftsprojekt – es braucht die E-Wirtschaft, private Initiativen, die Unterstützung von Politik und Verwaltung und Rückhalt in der Bevölkerung. Die Aufgabe ist groß und wir können sie nur gemeinsam bewältigen. Aber es ist auch ein Projekt, das am Ende allen Österreicherinnen und Österreichern zu Gute kommt“, betont Schitter abschließend.

„Die Erfahrungen aus der Corona-Krise zeigen uns, wie wichtig es ist, die Versorgung und die heimische Wirtschaft auf unabhängige Beine zu stellen. Und das gilt natürlich auch für die Energieversorgung. Durch einen ambitionierten Ausbau der Erneuerbaren Energie in Österreich können zigtausende Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Erneuerbaren müssen das Herzstück der wirtschaftlichen Wiederbelebung nach der Corona-Krise sein. Die Weichen müssen jetzt in die richtige Richtung gestellt werden. Alles andere wäre höchst unvernünftig! Investitionsentscheidungen von heute müssen uns vor der Krise von morgen bewahren“, nimmt Christoph Wagner, Präsident des Dachverbandes Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ), Bezug auf die positiven wirtschaftlichen Effekte der Energiewende.

„Der Ausbau von erneuerbaren Energien ist neben dem effizienten und sparsamen Energieeinsatz das zentrale Element zur Bekämpfung der Klimakrise. Während etwa die Reaktionszeit auf Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona bei zwei bis drei Wochen liegt, dauert es bei Klimaschutzmaßnahmen wesentlich länger – nämlich Jahre und Jahrzehnte, bis sich die Auswirkungen zeigen. Daher ist auch mit wesentlich dramatischeren Folgen zu rechnen, wenn wir nicht umgehend die Weichen in Richtung Klimaneutralität stellen!“, ergänzt Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ.

Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz ist für die Branche ein wichtiger erster Schritt. „Wir können dabei auch aus den Erfahrungen anderer EU-Mitgliedsstaaten lernen, damit wir deren Fehler bei Änderungen von Fördersystemen vermeiden und langjährig bewährte Positivbeispiele übernehmen. Denn wir brauchen dringend einen Erneuerbaren-Booster. Alles andere wäre absurd, gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage. Der EEÖ und die Verbände der erneuerbaren Energien stehen mit ihrer großen Expertise zur Verfügung, damit das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz und die Energiewende in Österreich zu einer Erfolgsgeschichte werden“, schließt Wagner.

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.