Samstag, 30. Mai 2020
Hintergrund-Kommentar E&W 5/2020

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Hintergrund | Wolfgang Schalko | 10.05.2020 | Bilder | |  

Wolfgang Schalko
Wir wurden aus unserem so herrlich unaufgeregten Alltagstrott gerissen, wir wunderten uns, was alles möglich war – und jetzt wollen alle schnellstmöglich zurück. Aber wohin eigentlich? Halten wir einen Momnt inne und führen uns vor Augen, ob der Zustand vor Corona – die „alte”, oder besser die „gewohnte” Normalität – wirklich so erstrebenswert ist, wie die meisten gerne glauben möchten.

Zwei Dinge vorweg: Zum einen wäre eine neuerliche Explosion der COVID-19-Fälle in jeder Hinsicht fatal. Das steht wohl außer Frage. Zum anderen kann es aber nicht so weitergehen wie bisher: „Wir halten die aktuelle Situation keine ein oder zwei Jahre durch”, hielt FEEI GF-Stv. Manfred Müllner klipp und klar fest. Um die heimische Wirtschaft (und nicht nur diese) zu retten, brauche es politische Entscheidungen, die auch gewisse Risiken – wie eine etwas höhere Durchseuchungsrate – in Kauf nehmen müssten. Damit zurück zur Ausgangsfrage: Dass vieles auch unter anderen – erschwerten und gemaßregelten – Umständen bewerkstelligt werden kann, haben die letzten Wochen gezeigt. In einem kreativen Lernprozess (der für viele gerade erst begonnen hat und uns noch länger begleiten wird) wurden und werden Modelle ertüftelt, wie das Geschäft auch „anders” laufen kann. Da der Mensch bekanntlich eher träger Natur und ein Gewohnheitstier ist, sollte man den Konsumenten einen gewissen Zeitrahmen zugestehen, sich mit den neuen Gegebenheiten anzufreunden. Dahingehend wäre es, glaube ich, völlig falsch, soeben erst entdeckte Wege der Kundenansprache und sich zusätzlich eröffnende Schnittstellen vorschnell wieder ad acta zu legen.

Bei allen Vorteilen – allen voran Zeit- und Kostenersparnis – , die Home Office, Videokonferenzen & Co. mit sich gebracht haben, lässt sich ein Aspekt nicht ausblenden: Das Business ist unpersönlicher geworden. Auch hier gilt: in jeder Hinsicht. So wünschenswert es ist, die sinnvollen Möglichkeiten der digitalen Technologien dauerhaft zu etablieren, so essenziell erscheint es mir auch, den Verlust des Zwischenmenschlichen zu kompensieren. Bloß: Das geht nicht. Ein „echtes” Treffen, der Austausch von Angesicht zu Angesicht, lässt sich nicht ersetzen. Auch das haben die Corona-Notmaßnahmen gezeigt. Umso mehr schmerzt es daher, dass mit der Absage der Elektrofachhandelstage der alljährliche Branchentreffpunkt heuer ins Wasser fällt. Das Geschäft wird sich auch auf andere Weise machen lassen und die Lieferanten werden Wege finden, ihre Neuheiten zu präsentieren. Aber das, was das Wesen einer Messe wirklich ausmacht, ist – zumindest für 2020 – unwiederbringlich verloren. In dieser Hinsicht halte ich eine Rückkehr zum „alten” Zustand somit für höchst erstrebenswert.

Ganz anders jedoch, wenn es um die Maßnahmen zur Wiederankurbelung der Wirtschaft geht. An einem ökologisch orientierten Konjunkturpaket führt meines Erachtens kein Weg vorbei, denn ein Systemwandel ist früher oder später sowieso unumgänglich. Warum also nicht gleich aus der Not eine Tugend machen? E&W und elektro.at gehen diesen Weg mit der neuen „Sonnenseite” jedenfalls mit.

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